Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Eine Fassadenbegrünung ist kein reines Deko-Element, sondern ein technisches Bauteil, das bei richtiger Planung die Kühlkosten im Sommer signifikant senkt.

  • Die Systemwahl (boden- vs. wandgebunden) und eine korrekte Installation sind entscheidend, um Bauschäden, z. B. durch Efeu, sicher zu vermeiden.
  • Die Kombination mit ökologischer Dämmung (z. B. Holzfaser) maximiert den Hitzeschutz und übertrifft die Wirkung vieler chemischer Fassadenfarben bei Weitem.

Empfehlung: Prüfen Sie vorab den Zustand Ihrer Fassade und informieren Sie sich über die zahlreichen kommunalen Förderprogramme in Deutschland, um die Investition zu optimieren.

Hitzewellen in deutschen Innenstädten machen Klimaanlagen für viele Hausbesitzer scheinbar unverzichtbar. Doch die steigenden Strompreise und der ökologische Fussabdruck werfen Fragen auf. Viele denken bei Alternativen an eine Fassadenbegrünung – oft mit einem romantisierten Bild von efeubewachsenen Mauern. Dieser Ansatz greift jedoch zu kurz und birgt Risiken, die oft übersehen werden. Die üblichen Ratschläge beschränken sich auf ästhetische Aspekte und vage Umweltvorteile, während die kritischen technischen Fragen unbeantwortet bleiben.

Doch was wäre, wenn der Schlüssel zu einer effektiven und sicheren Fassadenbegrünung nicht in der Gärtnerei, sondern in der Bautechnik liegt? Die wahre Lösung besteht darin, eine grüne Fassade nicht als Dekoration, sondern als ein integrales, technisches Bauteil des Gebäudes zu verstehen. Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Es geht nicht nur darum, *welche* Pflanze Sie wählen, sondern darum, ein komplettes System zu planen, das von Anfang an Risiken wie Bauschäden, Brandschutzauflagen und Wartungsausfälle berücksichtigt und kontrolliert. Nur so wird aus einer grünen Wand ein leistungsfähiges Instrument zur passiven Kühlung.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden technischen und praktischen Aspekte der Systemplanung. Wir analysieren die Risiken, vergleichen die Technologien und zeigen Ihnen, wie Sie eine Fassadenbegrünung realisieren, die nicht nur schön aussieht, sondern auch sicher, langlebig und ökonomisch sinnvoll ist. So verwandeln Sie Ihre Hauswand in eine natürliche Klimaanlage, die wirklich funktioniert.

Um Ihnen eine klare Übersicht zu geben, beleuchtet dieser Leitfaden die acht wichtigsten Fragen, die Sie sich vor der Installation einer Fassadenbegrünung stellen sollten. Jeder Abschnitt liefert praxisnahe Antworten, um Sie bei der Planung zu unterstützen.

Inhaltsverzeichnis: Der komplette Leitfaden zur kühlenden Fassadenbegrünung

Wie verhindern Sie, dass Efeu den Putz Ihrer Hauswand zerstört?

Die grösste Sorge vieler Hausbesitzer ist, dass Efeu mit seinen Haftwurzeln den Putz beschädigt oder Fugen aufsprengt. Diese Angst ist nicht unbegründet und kann zu teuren Konsequenzen führen, wie ein Gerichtsurteil des OLG Hamm zeigt, bei dem nach einem Sturmschaden eine Schadensumme von 22.000 Euro vom Versicherer abgelehnt wurde. Das eigentliche Problem ist jedoch nicht der Efeu selbst, sondern der Zustand der Fassade, an der er wächst. Eine intakte, rissfreie Fassade ist die Grundvoraussetzung für eine Begrünung mit Selbstklimmern wie Efeu oder Wildem Wein.

Haftwurzeln dringen nicht aktiv in intakte Oberflächen ein; sie nutzen lediglich vorhandene Risse und Spalten, um sich festzuhalten. Wenn Wasser in diese Risse eindringt und gefriert, oder wenn die Wurzeln dicker werden, entsteht der gefürchtete Schaden durch Absprengung. Besonders kritisch sind Wärmedämmverbundsysteme (WDVS). Ihre weiche Putzoberfläche ist für Haftwurzeln ungeeignet. Die Wurzeln können die Oberfläche beschädigen, und bei einem späteren Entfernen des Bewuchses werden oft grosse Putzstücke mit herausgerissen. Hier ist die systemische Planung entscheidend: Anstatt auf Efeu zu verzichten, wählt man bei empfindlichen Fassaden ein System mit Rankhilfen.

Für eine sichere Begrünung ist daher eine sorgfältige Prüfung und die Wahl des richtigen Systems entscheidend. Der Fokus liegt auf dem Risikomanagement, um die Bausubstanz langfristig zu schützen und den Nutzen der Begrünung ohne negative Folgen zu geniessen.

Ihr Plan zur schadenfreien Efeubegrünung

  1. Fassadenprüfung: Überprüfen Sie die gesamte Fassade sorgfältig auf Risse, Abplatzungen oder Hohlstellen. Dies ist die wichtigste Voraussetzung. Nur eine absolut intakte Fassade ist für Selbstklimmer geeignet.
  2. Systementscheidung bei Intaktheit: Ist die Fassade makellos, können selbst Haftwurzler wie Efeu oder Wilder Wein ihr nichts anhaben und bieten einen dichten, pflegeleichten Schutz.
  3. Regelmässige Kontrolle: Überprüfen Sie die Fassadenbegrünung mindestens einmal jährlich, besonders an Anschlüssen zu Fenstern, Dach und Fallrohren, um ein Einwachsen zu verhindern.
  4. Sonderfall WDVS-Fassade: Vermeiden Sie Efeu und andere Selbstklimmer auf gedämmten Fassaden komplett. Die weiche Oberfläche wird durch Haftwurzeln beschädigt, was zu teuren Reparaturen führt.
  5. Die sichere Alternative: Wählen Sie bei Unsicherheit oder empfindlichen Fassaden immer Gerüstkletterpflanzen wie Clematis, die sich an separaten Stäben, Seilen oder Netzen hochwinden. Schäden an der Hauswand sind damit ausgeschlossen.

Lohnt sich das teure wandgebundene System oder reicht der Wein vom Boden aus?

Die Entscheidung zwischen einem bodengebundenen und einem wandgebundenen System ist eine zentrale Weichenstellung bei der Systemplanung. Bodengebundene Begrünungen, bei denen Kletterpflanzen aus dem Erdboden oder aus grossen Trögen an der Fassade emporwachsen, sind die klassische und kostengünstigste Variante. Wandgebundene Systeme, auch „Living Walls“ genannt, bestehen aus vorgefertigten Modulen mit integriertem Substrat und Bewässerung, die direkt an die Wand montiert werden. Sie bieten einen sofortigen, flächendeckenden Grüneffekt, sind aber in Anschaffung und Wartung erheblich teurer.

Die Wahl hängt von den Zielen, dem Budget und den baulichen Gegebenheiten ab. Wenn das Ziel eine langfristige, naturnahe und kosteneffiziente Lösung ist, sind bodengebundene Systeme oft überlegen. Sie benötigen Zeit zum Wachsen, sind aber robuster und pflegeleichter. Wandgebundene Systeme eignen sich hervorragend für repräsentative Flächen, versiegelte Innenhöfe ohne Erdzugang oder wenn ein sofortiges Ergebnis gewünscht ist. Der höhere Preis wird hier durch den unmittelbaren ästhetischen und kühlenden Effekt gerechtfertigt.

Ein entscheidender Faktor bei der Investitionsentscheidung sind die verfügbaren Förderungen. In Deutschland gibt es eine wachsende Unterstützung für solche Massnahmen. Laut dem aktuellen BuGG-Marktreport Gebäudegrün bieten 191 deutsche Städte mit über 50.000 Einwohnern 2024 kommunale Förderprogramme an. Beispiele wie die „Hamburger Gründachförderung“, das Kölner Programm „GRÜN hoch 3“ oder die bundesweite „BEG Einzelmassnahme“ mit 15 % Zuschuss können die Kosten erheblich senken und die Amortisationszeit verkürzen.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen, um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern.

Kosten- und Nutzenvergleich: Bodengebundene vs. wandgebundene Systeme
Kriterium Bodengebundene Systeme Wandgebundene Systeme
Herstellungskosten 100-300 €/m² ab 400 €/m², bis 1.000 € oder mehr
Wartung Gering (natürliche Bewässerung) Hoch (automatische Systeme nötig)
Soforteffekt Nein (Pflanzen müssen wachsen) Ja (sofort grün)
Energieeinsparung Winter U-Wert bis 22% verbessert Ähnlich

Was passiert, wenn die Pumpe Ihrer Living Wall im Urlaub ausfällt?

Bei wandgebundenen Systemen ist die Betriebssicherheit der automatischen Bewässerung der kritischste Faktor. Anders als bei bodengebundenen Pflanzen, die auf das Erdreich zurückgreifen können, sind die Pflanzen in den Modulen einer „Living Wall“ vollständig von der künstlichen Wasser- und Nährstoffzufuhr abhängig. Ein Ausfall der Pumpe – sei es durch einen technischen Defekt, einen Stromausfall oder eine verstopfte Leitung – kann innerhalb weniger Tage zum Totalverlust der Bepflanzung führen. Besonders im Sommerurlaub wird dieses Risiko real.

Moderne Bewässerungssysteme begegnen diesem Risiko mit smarter Technologie. Systeme wie das Gardena Smart System oder Eve Aqua, die in Deutschland breit verfügbar sind, lassen sich per App steuern und überwachen. Sie senden Warnmeldungen direkt auf Ihr Smartphone, wenn der Wasserdurchfluss unterbrochen ist oder die Pumpe nicht reagiert. So können Sie oder ein Nachbar rechtzeitig eingreifen. Einige fortschrittliche Systeme verfügen über redundante Pumpen oder kleine Notfall-Wassertanks, die eine Versorgung für einige Stunden überbrücken können. Je nach Pflanzenart und Substratvolumen überleben die Pflanzen meist nur 3-7 Tage ohne Wasser.

Nahaufnahme eines automatischen Bewässerungssystems für eine Living Wall mit App-Steuerung auf einem Smartphone

Bei der Auswahl eines Anbieters für eine Living Wall ist es zudem essenziell, die Garantie- und Wartungsbedingungen genau zu prüfen. Die gesetzliche Gewährleistung in Deutschland deckt Defekte der Pumpe für zwei Jahre ab. Viele Fachfirmen bieten darüber hinaus Wartungsverträge an, die eine regelmässige Überprüfung der Technik, die Reinigung der Filter und eine schnelle Reaktion im Störungsfall beinhalten. Dies ist eine wichtige Investition in die Langlebigkeit und den Schutz Ihrer grünen Fassade.

Dürfen Sie eine brennbare Begrünung an einem mehrstöckigen Wohnhaus installieren?

Der Brandschutz ist ein zentraler Aspekt des Risikomanagements bei Fassadenbegrünungen, insbesondere bei mehrstöckigen Gebäuden oder öffentlichen Einrichtungen. Die Landesbauordnungen in Deutschland stellen klare Anforderungen an das Brandverhalten von Fassadenbekleidungen. Eine vertrocknete Kletterpflanze kann im Brandfall als Brandbeschleuniger wirken und das Feuer schnell über mehrere Stockwerke ausbreiten. Daher ist die Integration der Begrünung in das Brandschutzkonzept des Gebäudes zwingend erforderlich.

Die massgebliche technische Regel für die Planung ist die Richtlinie der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau. Ihre Bedeutung wird hier klar formuliert:

Die ‚Richtlinie zur Planung, Ausführung und Pflege von Fassadenbegrünungen mit Kletterpflanzen‘ (FLL e. V., Bonn, 2000) erhebt den Anspruch, den aktuellen Stand der Technik solcher Massnahmen darzustellen

– Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V., FLL-Richtlinie Fassadenbegrünung

Für die Praxis bedeutet dies, dass je nach Gebäudeklasse (GK 1-5) unterschiedliche Anforderungen gelten. Bei Gebäuden ab Gebäudeklasse 3 ist oft die Konsultation eines Brandschutzgutachters notwendig. Entscheidend sind zwei Faktoren: die Wahl des Systems und die Sicherstellung der permanenten Feuchtigkeit. Systeme mit dem Zertifikat „schwer entflammbar“ nach DIN 4102-1 (Baustoffklasse B1) sind zu bevorzugen. Bei vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden sind nur Gerüstkletterpflanzen oder fest gebundene Systeme zulässig, um eine Kaminwirkung zu vermeiden. Eine zuverlässige Bewässerung, wie im vorherigen Abschnitt besprochen, ist nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für den Brandschutz essenziell. Eine gut gewässerte, vitale Grünfassade ist nachweislich schwer entflammbar.

Welche Kletterpflanzen blühen auch an der dunklen Nordseite des Hauses?

Die Nordseite eines Hauses stellt für viele Pflanzen eine Herausforderung dar: wenig direktes Sonnenlicht und kühlere Temperaturen. Dennoch ist eine Begrünung hier nicht nur möglich, sondern oft auch sinnvoll, um eine triste, kühle Wand optisch aufzuwerten und ihre Dämmwirkung zu verbessern. Die Auswahl an blühenden Kletterpflanzen ist für diesen Standort zwar begrenzt, aber es gibt robuste Spezialisten, die auch mit wenig Licht zurechtkommen. Laut Empfehlungen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) sind Efeu und die Kletterhortensie die bewährtesten Arten für schattige Lagen.

Die Kletterhortensie (Hydrangea anomala subsp. petiolaris) ist eine exzellente Wahl. Sie ist ein Selbstklimmer, der mit seinen Haftwurzeln ohne Rankhilfe an der Wand Halt findet und von Juni bis Juli mit grossen, weissen Blütendolden auch im tiefen Schatten für einen hellen Akzent sorgt. Der Gemeine Efeu (Hedera helix) ist ebenfalls extrem schattentolerant. Seine Blüte von September bis Oktober ist zwar unscheinbar, aber ökologisch äusserst wertvoll, da sie eine späte Nahrungsquelle für Insekten wie den Admiral-Schmetterling darstellt. Wilder Wein benötigt für seine spektakuläre rote Herbstfärbung mehr Sonne und ist für reine Nordseiten daher nur bedingt geeignet.

Eine oft übersehene, aber sehr reizvolle Alternative für Nordfassaden ist Spalierobst. Apfel- oder Birnensorten, die an einem Rankgerüst gezogen werden, profitieren von der Abwärme, die von der Hauswand gespeichert und langsam abgegeben wird. Dies kann die Reifung der Früchte fördern und schützt die Blüten vor Spätfrösten. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über geeignete Pflanzen für verschiedene Standorte.

Kletterpflanzen für verschiedene Standorte in Deutschland
Pflanze Nordseite geeignet Blütezeit Besonderheit
Efeu (Hedera helix) Ja September-Oktober Wichtige Nahrungsquelle für Admiral-Schmetterlinge und Nachtfalter
Kletterhortensie Ja Juni-Juli Weisse Blüten auch im Schatten
Wilder Wein Bedingt Juli-August Spektakuläre Herbstfärbung
Geissblatt Halbschatten Juni-September Nachtfalter finden in den Blüten Nahrung

Warum hält Holzfaser die Hitze 10 Stunden länger draussen als Mineralwolle?

Um den Kühlungseffekt einer Fassadenbegrünung zu maximieren, ist die Betrachtung der gesamten Wand als bauphysikalisches System entscheidend. Die Begrünung schützt vor direkter Sonneneinstrahlung, doch die Dämmung dahinter bestimmt, wie schnell sich die indirekte Wärme im Haus ausbreitet. Hier zeigen ökologische Dämmstoffe wie Holzfaserdämmplatten deutliche Vorteile gegenüber konventionellen Materialien wie Mineralwolle. Der Grund liegt in einem physikalischen Wert: der Phasenverschiebung.

Die Phasenverschiebung beschreibt die Zeitspanne in Stunden, die eine Temperaturwelle benötigt, um von der Aussenseite eines Bauteils zur Innenseite zu gelangen. Holzfaser hat eine sehr hohe spezifische Wärmekapazität und Rohdichte. Das bedeutet, sie kann sehr viel Wärmeenergie speichern, bevor sie diese an die Rauminnenseite abgibt. Bei einer typischen Dämmstärke kann die Phasenverschiebung von Holzfaser 10 bis 12 Stunden betragen. Die Mittagshitze erreicht die Innenwand also erst spät in der Nacht, wenn die Aussentemperaturen bereits gesunken sind und durch Lüften gegengekühlt werden kann. Mineralwolle hat eine deutlich geringere Wärmekapazität und erreicht oft nur Phasenverschiebungen von 4 bis 6 Stunden, sodass die Hitze bereits am Nachmittag im Raum ankommt.

Querschnitt einer Hauswand mit Holzfaserdämmung und vorgelagerter Fassadenbegrünung

Die Kombination aus einer Fassadenbegrünung und einer Holzfaserdämmung schafft eine extrem leistungsfähige Pufferzone. Die Begrünung verhindert die direkte Aufheizung der Fassadenoberfläche durch Verdunstungskühle und Verschattung, und die Holzfaserdämmung verzögert den Durchgang der verbleibenden Umgebungswärme massiv. Dieses Zusammenspiel ist ein Paradebeispiel für eine systemische passive Kühlstrategie, die den Bedarf an aktiver Klimatisierung drastisch reduziert.

Lotuseffekt-Farbe: Hält sie die Fassade an der Wetterseite wirklich 10 Jahre sauber?

Auf der Suche nach einer sauberen und wartungsarmen Fassade werden oft sogenannte Lotuseffekt-Farben beworben. Diese hydrophoben (wasserabweisenden) Beschichtungen versprechen, dass Schmutzpartikel mit dem abperlenden Regen einfach abgewaschen werden. Während dieser selbstreinigende Effekt kurzfristig funktioniert, steht er in einem direkten Vergleich mit einer Fassadenbegrünung oft schlechter da, insbesondere wenn man den gesamten bauphysikalischen und ökologischen Nutzen betrachtet.

Lotuseffekt-Farben sind eine rein passive Oberflächenbehandlung. Sie bieten keinerlei thermischen Schutz oder Verbesserung des Mikroklimas. Im Gegenteil, dunkle Farben können sich stark aufheizen. Eine Fassadenbegrünung hingegen wirkt als aktive Schutzschicht. Sie schützt die Bausubstanz vor UV-Strahlung, extremen Temperaturschwankungen und Schlagregen, was die Lebensdauer der Fassade verlängert. Viele moderne Fassadenfarben enthalten zudem Biozide, um Algen- und Pilzbefall zu verhindern. Diese Stoffe werden mit der Zeit ausgewaschen und belasten das Grundwasser.

Studie der TU München: Grünfassade als aktiver Luftfilter

Forschungen der Technischen Universität München bestätigen die Überlegenheit der Grünfassade als multifunktionales System. Sie filtert nachweislich Feinstaub und Stickoxide aus der Luft, verbessert das städtische Mikroklima und reguliert die Luftfeuchtigkeit. Dies sind entscheidende Vorteile in Gebieten mit zunehmender Luftverschmutzung und Hitzeinseln. Im Gegensatz zu chemischen Beschichtungen bietet die Grünfassade diese zusätzlichen ökologischen Vorteile ohne den Einsatz umweltschädlicher Biozide.

Weitere Studien belegen diese Wirkung eindrucksvoll. So haben Messungen der Uni Köln und des Forschungszentrums Jülich belegt, dass Efeu gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx) absorbiert und sogar Feinstaub der gefährlichen Grösse PM 2,5 filtert. Eine Fassadenfarbe kann diese aktive Reinigungsleistung nicht erbringen. Die systemische Betrachtung zeigt also klar: Während die Lotuseffekt-Farbe ein singuläres Problem (Schmutz) adressiert, löst die Fassadenbegrünung eine Vielzahl von Problemen gleichzeitig.

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemdenken ist entscheidend: Eine Grünfassade ist ein technisches Bauteil, dessen Erfolg von der Planung von Risiken wie Bauschäden und Brandschutz abhängt.
  • Kosten vs. Nutzen: Bodengebundene Systeme sind kosteneffizienter, während wandgebundene Systeme einen sofortigen Effekt bieten. Förderprogramme in Deutschland können die Investition erleichtern.
  • Passive Kühlung maximieren: Die Kombination einer Grünfassade mit ökologischer Dämmung (z.B. Holzfaser) schafft den effektivsten sommerlichen Hitzeschutz.

Wie senken Sie die Raumtemperatur im Dachgeschoss durch passive Massnahmen um 6 Grad?

Die Reduzierung der Raumtemperatur, insbesondere im stark sonnenexponierten Dachgeschoss, ist das Hauptziel passiver Kühlmassnahmen. Eine Fassadenbegrünung ist hierbei eine der wirkungsvollsten Strategien. Ihre Kühlleistung beruht auf zwei Hauptmechanismen: Verschattung und Verdunstungskühlung. Das dichte Blätterdach verhindert, dass die Sonnenstrahlen direkt auf die Fassadenoberfläche treffen und diese aufheizen. Gleichzeitig verdunsten die Pflanzen Wasser über ihre Blätter, ein Prozess, der der Umgebung aktiv Wärme entzieht – vergleichbar mit dem Schwitzen der menschlichen Haut.

Der Effekt ist messbar und signifikant. Während sich unbegrünte, dunkle Fassaden im Sommer auf bis zu 60 °C oder mehr aufheizen können, bleibt die Oberflächentemperatur hinter einer dichten Grünfassade nahe an der Umgebungstemperatur. Messungen der Universität Köln zeigen, dass die grüne Fassade im Sommer Temperaturschwankungen von nur 10-13 Grad Celsius aufweist, während unbegrünte Fassaden um bis zu 35 Grad variieren. Dieser massive Puffer reduziert die Wärmemenge, die überhaupt erst versucht, ins Gebäudeinnere zu gelangen.

Um die angestrebte Reduktion von bis zu 6 Grad im Rauminneren zu erreichen, muss die Fassadenbegrünung als Teil einer ganzheitlichen Systemplanung betrachtet werden. Die Kombination mit der bereits erwähnten Holzfaserdämmung (hohe Phasenverschiebung), einem effektiven aussenliegenden Sonnenschutz für Fensterflächen und einer gezielten Nachtlüftung schafft ein synergetisches System. Jede dieser Massnahmen trägt einen Teil zur Kühlung bei. Die Fassadenbegrünung legt dabei das Fundament, indem sie die primäre Hitzelast am Gebäude drastisch reduziert, bevor sie überhaupt ins Innere vordringen kann.

Beginnen Sie noch heute mit der systemischen Planung Ihrer grünen Fassade, um für die nächste Hitzewelle gerüstet zu sein und langfristig von einem kühleren Zuhause und niedrigeren Energiekosten zu profitieren.

Häufige Fragen zur Fassadenbegrünung

Wie lange überleben Pflanzen in einer Living Wall ohne Bewässerung?

Je nach Pflanzenart und Substratvolumen können die Pflanzen 3-7 Tage ohne Bewässerung überstehen. Sukkulente Arten halten länger durch als tropische Pflanzen mit hohem Wasserbedarf. Eine Überwachung ist daher im Sommerurlaub essenziell.

Welche Smart-Garden-Systeme sind in Deutschland erhältlich?

In Deutschland etablierte und zuverlässige Systeme sind beispielsweise das Gardena Smart System und Eve Aqua. Beide bieten eine App-gesteuerte Bewässerung mit Alarmfunktionen bei Störungen. Die Systeme kosten je nach Umfang zwischen 150 und 400 Euro und sind im deutschen Fachhandel sowie in Baumärkten verfügbar.

Was deckt die deutsche Gewährleistung bei Pumpendefekten ab?

Die gesetzliche Gewährleistung in Deutschland beträgt 2 Jahre ab dem Kaufdatum. Tritt innerhalb dieses Zeitraums ein Defekt an der Pumpe auf, der nicht auf unsachgemässe Nutzung zurückzuführen ist, haben Sie gegenüber dem Händler Anspruch auf eine kostenlose Reparatur oder ein Ersatzgerät.

Geschrieben von Julia Wagner, Freie Landschaftsarchitektin (BDLA) und Gärtnermeisterin mit Fokus auf naturnahe Gärten, Klimaanpassung und Regenwassermanagement. Sie plant seit 10 Jahren private und öffentliche Grünflächen.