Veröffentlicht am März 15, 2024

Die monolithische Klinkerfassade der 70er wird durch einen intelligenten Dialog aus Alt und Neu zur Stärke, statt sie pauschal zu überdecken.

  • Gezielte Materialwechsel (Putz, Holz) brechen die Monotonie und schaffen visuelle Spannung.
  • Moderne Dämmsysteme ermöglichen die energetische Sanierung bei gleichzeitigem Erhalt oder einer Neugestaltung der Klinkeroptik.

Empfehlung: Analysieren Sie die Bausubstanz und die Stärken Ihres Hauses, bevor Sie entscheiden, welche Teile der Fassade erhalten, betont oder durch neue Elemente ergänzt werden sollen.

Das typische Einfamilienhaus der 70er-Jahre: solide gebaut, doch seine braun-bunte Klinkerfassade wirkt heute oft düster, monoton und energetisch veraltet. Viele Eigentümer stehen vor der Frage, wie sie diesen robusten, aber ungeliebten Mantel ins 21. Jahrhundert überführen können. Die ersten Reflexe sind oft radikal: komplett verputzen, mit Platten verkleiden oder die Klinker in einer modischen Farbe streichen. Diese Ansätze ignorieren jedoch oft die eigentliche Qualität der Bausubstanz und führen zu Ergebnissen, denen es an Charakter und architektonischer Tiefe fehlt.

Doch was, wenn die Lösung nicht im Verstecken, sondern im bewussten Inszenieren liegt? Wenn der Schlüssel zur Modernisierung in einem intelligenten Dialog zwischen dem Bestehenden und neuen Elementen zu finden ist? Als Architekt für Sanierungen im Bestand sehe ich das Potenzial nicht in der Auslöschung der Geschichte eines Hauses, sondern in seiner durchdachten Weiterentwicklung. Es geht um einen gezielten Material- und Strukturmix, der die strenge Geometrie des Klinkers aufbricht, neue Akzente setzt und eine spannungsvolle, zeitgemässe Fassadendramaturgie erschafft. Die energetische Sanierung wird dabei nicht als notwendiges Übel, sondern als gestalterische Chance begriffen.

Dieser Artikel führt Sie durch die strategischen Überlegungen und technischen Möglichkeiten, die Ihnen als Hausbesitzer zur Verfügung stehen. Wir betrachten, wie Sie mit Holz eine natürliche Wärme hinzufügen, wie Sie den Klinker-Look mit moderner Dämmung verbinden und wie Licht zu einem entscheidenden Gestaltungswerkzeug wird. Das Ziel ist eine Fassade, die nicht nur energetisch optimiert ist, sondern auch eine neue, hochwertige architektonische Identität erhält, die ihre Herkunft nicht verleugnet.

Um Ihnen einen klaren Weg durch die vielfältigen Optionen der Fassadenmodernisierung zu weisen, gliedert sich dieser Leitfaden in acht Kernbereiche. Jeder Abschnitt behandelt eine spezifische Fragestellung – von der Materialwahl über die Dämmtechnik bis hin zur Lichtplanung – und liefert Ihnen fundierte Antworten und praxisnahe Lösungen.

Wie erreichen Sie eine gleichmässige Patina bei Holzfassaden ohne Flecken?

Holz ist ein exzellentes Material, um die Strenge einer Klinkerfassade zu durchbrechen und Wärme auszustrahlen. Doch die Angst vor ungleichmässiger, fleckiger Vergrauung ist gross. Eine schöne, silbergraue Patina ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Planung. Der Schlüssel liegt im konstruktiven Holzschutz nach DIN 68800. Ausreichende Dachüberstände von mindestens 60 cm und korrekt ausgebildete Tropfkanten sind unabdingbar, um die Fassade vor Dauernässe zu schützen. Wo Wasser unkontrolliert abläuft, entstehen dunkle Flecken und die Gefahr von Fäulnis steigt.

Die Wahl der Holzart und ihre Platzierung sind ebenso entscheidend. Robuste Hölzer wie die Sibirische Lärche eignen sich für raue Küstenregionen, während die heimische Douglasie an trockeneren Standorten gut funktioniert. Eine clevere Strategie ist, Holz nur an den weniger bewitterten Ost- und Südseiten einzusetzen und die exponierte Wetterseite (in Deutschland meist Nord-West) mit widerstandsfähigeren Materialien wie Putz oder Faserzementplatten zu gestalten. Für ein sofort homogenes Erscheinungsbild kann eine Vorvergrauungslasur in zwei Schichten aufgetragen werden. Diese nimmt die natürliche Vergrauung vorweg und sorgt für ein einheitliches Bild von Anfang an, während das Holz darunter weiter altern kann.

Fallstudie: Sanierung eines 70er-Jahre-Reihenhauses in Coppenbrügge

Ein typisches Einfamilienhaus aus dem Jahr 1972, dessen Energieverbrauch bei enormen 283 kWh pro Quadratmeter lag, wurde erfolgreich zu einem KfW-Effizienzhaus saniert. Die Modernisierung der Fassade umfasste eine komplette Wärmedämmung mit einem mineralischen Oberputz. Das Ergebnis ist beeindruckend: Nach der Sanierung sank der Energiebedarf auf nur noch 44 kWh pro Quadratmeter. Dies zeigt, welch enormes Potenzial in der Hülle von 70er-Jahre-Bauten steckt, sowohl energetisch als auch ästhetisch.

Eine jährliche Inspektion der Fassade hilft, kritische Bereiche frühzeitig zu erkennen und gezielt nachzubehandeln, bevor grössere Schäden entstehen. So stellen Sie sicher, dass Ihre Holzfassade über Jahrzehnte eine würdevolle und gleichmässige Patina entwickelt.

Wie verbinden Sie Wärmedämmung mit Riemchen, um den Klinker-Look zu erhalten?

Viele Eigentümer schätzen die Robustheit und Textur ihres Klinkers, müssen aber energetisch sanieren. Die Lösung, die beides vereint, ist ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) mit Klinkerriemchen. Hierbei wird eine Dämmschicht auf die bestehende Fassade aufgebracht und anschliessend mit dünnen Ziegelriemchen verkleidet. So bleibt die Klinkeroptik erhalten, während die Gebäudehülle moderne U-Werte erreicht. Entscheidend für die Ästhetik ist der Fugenanteil. Je nach Riemchenformat kann der Fugenanteil bei Klinkerfassaden 10 bis 30 Prozent der Gesamtfläche ausmachen, was die Wahl der Fugenfarbe zu einem wichtigen gestalterischen Element macht.

Ein solches System muss als Ganzes vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) zugelassen sein, um die Langlebigkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Die Alternative ist die teurere, aber technisch überlegene vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF). Hier wird die Dämmung mit einem Luftspalt von der Riemchenverkleidung getrennt, was einen exzellenten sommerlichen Hitzeschutz und besseren Brandschutz bietet.

Detaillierter Schichtaufbau eines WDVS mit Klinkerriemchen

Die Wahl zwischen WDVS und VHF ist eine Abwägung von Kosten, gewünschter Dämmstärke und technischen Anforderungen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wesentlichen Unterschiede, basierend auf einer aktuellen vergleichenden Analyse gängiger Dämmsysteme.

Vergleich: WDVS mit Riemchen vs. Vorgehängte Hinterlüftete Fassade (VHF)
Kriterium WDVS mit Riemchen Vorgehängte Hinterlüftete Fassade (VHF)
Kosten pro m² 80-150 € 150-290 €
Dämmstärke 12-20 cm möglich Flexibel anpassbar
Sommerlicher Hitzeschutz Mittel Sehr gut durch Hinterlüftung
Brandschutz Je nach Dämmstoff kritisch Bessere Brandschutzeigenschaften
Langlebigkeit 25-40 Jahre 40-60 Jahre
DIBt-Zulassung erforderlich Ja, als Komplettsystem Einzelkomponenten möglich

Die Entscheidung für ein System hängt stark von den individuellen Prioritäten und dem Budget ab. Ein WDVS ist oft der wirtschaftlichste Weg, während eine VHF die technisch langlebigste und bauphysikalisch beste Lösung darstellt.

Dunkle Fassade: Warum heizt sich Ihr Haus im Sommer unnötig auf und bekommt Risse?

Dunkle, anthrazitfarbene Putzfassaden sind modern, bergen aber bauphysikalische Risiken, besonders in Kombination mit einem WDVS. Eine dunkle Oberfläche absorbiert im Sommer ein Vielfaches an Sonnenenergie im Vergleich zu einer hellen. Die Oberflächentemperatur kann auf über 70 °C ansteigen. Diese extreme Hitze führt zu enormen thermischen Spannungen im Putzsystem, was die Bildung von Mikrorissen begünstigt. Durch diese Risse kann Feuchtigkeit eindringen und bei Frost zu Abplatzungen führen. Die Wahl der Farbe ist also keine rein ästhetische, sondern eine zutiefst technische Entscheidung.

Der entscheidende Kennwert ist der Hellbezugswert (HBW), der auf einer Skala von 0 (Schwarz) bis 100 (Weiss) angibt, wie viel Licht eine Oberfläche reflektiert. Viele Hersteller von WDVS schreiben für ihre Systeme einen minimalen HBW von 20 oder sogar 30 vor, um Schäden zu vermeiden. Spezielle Fassadenfarben mit TSR-Formel (Total Solar Reflectance) enthalten Pigmente, die zwar im sichtbaren Bereich dunkel erscheinen, aber im unsichtbaren Infrarotbereich einen Grossteil der Strahlung reflektieren. Sie können die Oberflächentemperatur um bis zu 15 °C senken und ermöglichen so auch dunklere Farbtöne auf gedämmten Fassaden.

Die Thematik zeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung ist, die Energieeffizienz, Langlebigkeit und Gestaltung vereint. Ein ungedämmtes Klinkerhaus aus den 50er Jahren konnte noch einen durchschnittlichen Heizölverbrauch von 2.800 Litern pro Jahr aufweisen, was die Notwendigkeit der Dämmung unterstreicht. Doch diese Dämmung verändert die Bauphysik fundamental. Wie der Energieeffizienz-Experte Tomas Titz betont, muss die Planung dies berücksichtigen:

Jedes Gebäude ist als Ganzes zu betrachten und zu berechnen.

– Tomas Titz, GTT Die Energieeffizienz Profis GmbH

Dieser Leitsatz gilt insbesondere für die thermische Hülle. Die Wechselwirkung zwischen Dämmung, Putz und Farbe muss sorgfältig geplant werden, um eine dauerhaft schöne und funktionale Fassade zu schaffen.

Wie platzieren Sie Up-and-Down-Lights, um Unebenheiten im Putz nicht zu betonen?

Eine neue Fassade, ob Putz oder Holz, gewinnt durch ein durchdachtes Lichtkonzept enorm an Wert. Up-and-Down-Lights, die vertikale Lichtkegel an die Wand werfen, sind beliebt, um Architektur zu akzentuieren. Doch falsch eingesetzt, werden sie zum unbarmherzigen Kritiker: Jede noch so kleine Unebenheit im Putz wird durch das streifende Licht und die harten Schlagschatten gnadenlos sichtbar gemacht. Eine perfekt geglättete Putzoberfläche der Qualitätsstufe Q3, besser noch Q4, ist daher in Streiflichtbereichen Pflicht.

Die Wahl der Leuchte selbst ist entscheidend. Statt engstrahlender Spots, die scharfe Kegel zeichnen, sind Leuchten mit einem breiten Abstrahlwinkel von über 90° oder asymmetrische Wallwasher vorzuziehen. Sie verteilen das Licht flächiger und weicher. Ein weiterer Trick aus der Praxis ist die Integration einer Schattenfuge zwischen Wand und Decke oder zwischen Wand und Boden. Sie sorgt für einen sauberen Lichtaustritt und verhindert unschöne Reflexionen. Laut einer Fallstudie zur Beleuchtung eines Altbaus konnte durch diffuse Wallwasher und eine durchgehende Schattenfuge eine gleichmässige Ausleuchtung ohne störende Effekte erzielt werden.

Die Positionierung der Leuchte ist der letzte, aber kritische Faktor. Ein Mindestabstand von 30 cm zur Wand ist ratsam, um das Streiflicht zu minimieren. Ein einfacher Trick zur Überprüfung vor der Endmontage ist der „Taschenlampentest“: Leuchten Sie abends mit einer starken Taschenlampe aus der geplanten Leuchtenposition an der Wand entlang. So identifizieren Sie kritische Zonen, bevor die finale Installation erfolgt.

Checkliste zur Positionierung von Fassadenleuchten

  1. Putzqualität prüfen: Sicherstellen, dass die Oberfläche in Streiflichtbereichen mindestens der Qualitätsstufe Q3 entspricht, idealerweise Q4.
  2. Abstrahlwinkel wählen: Leuchten mit breitem Abstrahlwinkel (>90°) oder asymmetrische Wallwasher verwenden, um das Licht weich zu verteilen.
  3. Schattenfuge planen: Eine saubere Fuge zwischen Wand und Decke/Boden integrieren, um einen definierten Lichtaustritt zu ermöglichen.
  4. Taschenlampentest durchführen: Abends mit einer starken Taschenlampe die geplante Lichtwirkung simulieren und kritische Zonen identifizieren.
  5. Montageabstand anpassen: Die Leuchten mit einem Abstand von mindestens 30 cm zur Wand montieren, um harte Schlagschatten zu vermeiden.

Eine gut geplante Fassadenbeleuchtung schafft Sicherheit und Atmosphäre. Sie kann die Architektur bei Nacht völlig neu interpretieren und eine einzigartige Dramaturgie erzeugen.

Lotuseffekt-Farbe: Hält sie die Fassade an der Wetterseite wirklich 10 Jahre sauber?

Die Werbung verspricht selbstreinigende Fassaden, die dank des Lotuseffekts über Jahre hinweg sauber bleiben. Die Idee ist, dass Schmutzpartikel auf den hydrophoben, also wasserabweisenden, Oberflächen kaum haften und vom abperlenden Regen einfach abgewaschen werden. Doch als Architekt rate ich zur Vorsicht bei allzu vollmundigen Versprechen. Die Realität, besonders an der typisch deutschen Wetterseite (Nord-West), ist oft eine andere.

Die beworbenen 10 Jahre Haltbarkeit werden nur unter idealen Bedingungen erreicht: an wenig bewitterten Standorten mit ausreichender Sonneneinstrahlung und regelmässigen, starken Regenschauern. An der feuchten, schattigen Nord-West-Fassade ist das grösste Problem jedoch nicht loser Schmutz, sondern biologischer Bewuchs. Algen, Pilze und Flechten finden auf dauerfeuchten Oberflächen ideale Lebensbedingungen. Hier hilft der Lotuseffekt nur bedingt. Tatsächlich kann die hydrophobe Eigenschaft die Abtrocknung der Fassade sogar verlangsamen.

Deshalb enthalten viele dieser High-Tech-Farben zusätzlich biozide Wirkstoffe, die den Bewuchs in den ersten Jahren verhindern. Diese Biozide werden jedoch mit der Zeit ausgewaschen und belasten die Umwelt. Eine realistischere Erwartungshaltung für die Sauberkeit einer solchen Beschichtung liegt bei 5 bis 8 Jahren. Es ist auch wichtig, den geschützten Begriff Lotus-Effect® von allgemeinen hydrophoben Farben zu unterscheiden; ersterer bezeichnet eine spezifische, patentierte Oberflächentechnologie.

Eine nachhaltigere Alternative kann eine mineralische Silikatfarbe sein. Sie ist nicht wasserabweisend, sondern diffusionsoffen und hydrophil. Sie nimmt Feuchtigkeit kurzzeitig auf und gibt sie schnell wieder ab, was die Oberfläche schneller trocknen lässt und Algen so den Nährboden entzieht. Langfristig ist oft eine gut durchdachte, bauphysikalisch sinnvolle Lösung haltbarer als ein High-Tech-Produkt mit begrenzter Wirkungsdauer.

Wie betonen Sie eine Steinwand dramatisch durch Licht von unten?

Wenn Sie sich entscheiden, einen Teil der Klinkerfassade oder eine neue Natursteinwand als Akzent zu erhalten, kann die richtige Beleuchtung diesen Bereich in ein nächtliches Kunstwerk verwandeln. Die Beleuchtung von unten, das sogenannte Streiflicht, ist das wirksamste Mittel, um die Textur und Tiefe von Stein dramatisch hervorzuheben. Jeder Vorsprung, jede Fuge wirft einen tiefen Schatten und verleiht der Wand eine fast skulpturale Qualität.

Um diesen Effekt zu maximieren, müssen die Bodenspots oder Lichtleisten extrem nah an der Wand platziert werden – ein Abstand von maximal 10 cm ist ideal. Je spitzer der Winkel, desto länger und dramatischer die Schatten. Die Lichtfarbe spielt eine ebenso wichtige Rolle für die Atmosphäre. Warmweisses Licht mit 2700 Kelvin schmeichelt warmtönigen Steinen wie Sandstein oder Klinker, während neutralweisses Licht um 4000 Kelvin die kühle Eleganz von Granit oder Schiefer unterstreicht.

Dramatische Beleuchtung einer Natursteinwand mit Bodenstrahlern

Ein kritischer Punkt ist die Entblendung. Niemand möchte beim Gang durch den Garten direkt in die Lichtquelle blicken. Leuchten mit tief sitzenden Leuchtmitteln, einem Wabenraster oder speziellen Linsen lenken das Licht präzise auf die Fassade und minimieren die Blendung. Für den Einsatz im deutschen Klima ist die Schutzart IP67 Pflicht, um die Leuchten vor Wasser und Witterung zu schützen. Eine fachgerechte Installation mit guter Drainage ist entscheidend für die Langlebigkeit. Schliesslich ermöglicht der Einbau eines Dimmers, die Intensität der Beleuchtung an den Anlass anzupassen – von einer dezenten Grundbeleuchtung bis zur vollen dramatischen Inszenierung.

So wird die Fassade nicht nur beleuchtet, sondern regelrecht inszeniert. Das Licht modelliert die Architektur und schafft eine Fassadendramaturgie, die das Haus nach Einbruch der Dunkelheit in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

Erfüllen Holzfaserplatten die gleichen U-Werte wie herkömmliches EPS?

Die Dämmung ist das Herzstück jeder energetischen Fassadensanierung. Lange Zeit war EPS (Polystyrol), auch bekannt als Styropor, der unangefochtene Standard. Doch die Frage nach Nachhaltigkeit und sommerlichem Hitzeschutz rückt ökologische Alternativen wie Holzfaserdämmplatten immer stärker in den Fokus. Rein auf den Dämmwert bezogen, ist EPS im Vorteil. Der Lambda-Wert, der die Wärmeleitfähigkeit eines Materials angibt, liegt bei EPS um 0,032 W/mK, während Holzfaser bei etwa 0,039 W/mK liegt. Das bedeutet: Um den gleichen U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) von z.B. 0,24 W/m²K zu erreichen, benötigt man eine etwas dickere Dämmschicht aus Holzfaser (16-20 cm) als aus EPS (13-16 cm).

Doch der U-Wert erzählt nur die halbe Geschichte. Die grosse Stärke der Holzfaser liegt in ihrer hohen spezifischen Wärmekapazität und Dichte. Dies führt zu einer exzellenten Phasenverschiebung von 10 bis 12 Stunden. Das bedeutet, die Sommerhitze braucht so lange, um durch die Dämmschicht ins Innere zu gelangen, dass die grösste Wärme erst in den kühlen Nachtstunden an der Innenwand ankommt. Bei EPS beträgt dieser Wert nur 3-4 Stunden, was zu einer schnellen Aufheizung der Räume führt. Holzfaser bietet also einen deutlich besseren sommerlichen Hitzeschutz. Ein Beispiel zeigt, was moderne Dämmung leisten kann: In einem sanierten Haus wurde der U-Wert der Dachschrägen drastisch verbessert, von 3,2 auf 0,25 W/m²K – eine Verbesserung um den Faktor 13.

Zudem punkten Holzfaserplatten mit einem hervorragenden Schallschutz und sind diffusionsoffen, was zu einem gesünderen Raumklima beiträgt. Und nicht zuletzt wird der Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland oft durch einen speziellen BAFA-Förderbonus unterstützt, was die höheren Materialkosten zum Teil kompensieren kann.

Vergleich der Dämmeigenschaften: Holzfaser vs. EPS
Eigenschaft Holzfaser EPS (Polystyrol)
Lambda-Wert (W/mK) 0,039 0,032
Erforderliche Dämmdicke für U=0,24 16-20 cm 13-16 cm
Phasenverschiebung 10-12 Stunden 3-4 Stunden
Schallschutz Sehr gut Mittel
Materialkosten pro m² 25-35 € 15-20 €
BAFA-Förderbonus möglich Ja (Nachwachsende Rohstoffe) Nein

Die Entscheidung ist also eine Abwägung: Geht es rein um den maximalen Dämmwert auf minimalem Raum, hat EPS Vorteile. Betrachtet man jedoch das Gesamtpaket aus Winter- und Sommerschutz, Schallschutz, Nachhaltigkeit und Raumklima, ist die Holzfaserplatte oft die überlegene Wahl.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Modernisierung einer 70er-Jahre-Fassade gelingt am besten durch einen intelligenten Mix aus Erhalten, Ergänzen und Erneuern.
  • Moderne Dämmsysteme (WDVS, VHF) ermöglichen hohe Energieeffizienz bei gleichzeitiger Neugestaltung der Optik.
  • Die Wahl von Material, Farbe und Beleuchtung sind technische Entscheidungen, die die Langlebigkeit und den Komfort massgeblich beeinflussen.

Wie senken Sie die Raumtemperatur im Dachgeschoss durch passive Massnahmen um 6 Grad?

Ein saniertes Haus sollte nicht nur im Winter warm, sondern auch im Sommer kühl sein. Gerade das Dachgeschoss wird in 70er-Jahre-Häusern oft zur unerträglichen Hitzefalle. Eine Klimaanlage ist eine energieintensive Lösung; weitaus cleverer sind passive Massnahmen, die die Aufheizung von vornherein verhindern. Die Kombination mehrerer Strategien kann die Spitzentemperatur im Dachgeschoss um bis zu 6 Grad Celsius reduzieren.

Die absolut wirksamste Massnahme ist ein aussenliegender Sonnenschutz. Rollläden, Raffstores oder Markisetten, die vor dem Fenster montiert sind, blockieren bis zu 95 % der solaren Energie, bevor sie überhaupt auf die Glasscheibe trifft. Innenliegende Rollos oder Vorhänge sind weit weniger effektiv, da die Wärme bereits im Raum ist. Zweitens spielt die Wahl der Dämmung, wie bereits diskutiert, eine entscheidende Rolle. Eine Aufsparrendämmung aus Holzfaserplatten sorgt dank ihrer hohen Phasenverschiebung für eine spürbare Reduktion der sommerlichen Hitze.

Eine weitere effektive Methode ist die optimierte Nachtauskühlung. Öffnen Sie in den kühlen Nachtstunden die Dachfenster (idealweise auf der Schattenseite) sowie Fenster im Erdgeschoss. Durch den Kamineffekt entsteht ein Luftzug, der die tagsüber gespeicherte Wärme aus dem Gebäude zieht. Ergänzend können helle, reflektierende Dachziegel die Aufheizung des Dachstuhls signifikant reduzieren. Schliesslich sorgen auch architektonische Elemente wie ausreichend dimensionierte Dachüberhänge für eine natürliche Verschattung der Fensterflächen, wenn die Sonne im Sommer hoch am Himmel steht.

Die Kombination dieser Massnahmen schafft ein behagliches Raumklima im Sommer, ohne laufende Energiekosten zu verursachen. Es ist der Inbegriff einer intelligenten, ganzheitlich geplanten Sanierung.

Ein kühles Dachgeschoss im Sommer ist kein Luxus. Überprüfen Sie, wie Sie die Strategien der passiven Kühlung für Ihr Haus kombinieren können.

Nachdem Sie die vielfältigen technischen und gestalterischen Möglichkeiten kennengelernt haben, besteht der nächste logische Schritt darin, eine ganzheitliche Bestandsaufnahme Ihres Gebäudes vorzunehmen. Analysieren Sie die Stärken und Schwächen Ihrer Fassade, um eine massgeschneiderte Strategie zu entwickeln, die Ästhetik, Funktion und Budget in Einklang bringt.

Häufige Fragen zur Fassadenmodernisierung

Wie lange hält eine Lotuseffekt-Beschichtung wirklich?

Unter realen Bedingungen, insbesondere an der Wetterseite, ist eine Haltbarkeit von 5-8 Jahren realistisch. Die oft beworbenen 10 Jahre werden nur unter idealen Bedingungen an wenig bewitterten Standorten erreicht.

Was ist der Unterschied zwischen Lotus-Effect® und hydrophoben Farben?

Lotus-Effect® ist ein markenrechtlich geschützter Begriff, der eine spezielle, mikrostrukturierte Oberflächentechnologie beschreibt. Hydrophobe Farben bezeichnen hingegen allgemein Farben mit wasserabweisenden Eigenschaften, ohne dass eine spezifische Technologie dahinterstehen muss.

Benötigt man zusätzlich biozide Zusätze?

An der typischen deutschen Wetterseite (Nord-West), die oft feucht und schattig ist, sind biozide Zusätze in vielen Fassadenfarben notwendig, um Algen- und Pilzbefall in den ersten Jahren zu verhindern. Das Problem ist hier weniger die Verschmutzung als der biologische Bewuchs.

Geschrieben von Markus Weber, Diplom-Ingenieur für Architektur und zertifizierter Energieberater (DENA) mit Schwerpunkt auf nachhaltige Altbausanierung und Gebäudeenergiegesetz (GEG). Seit über 18 Jahren plant und überwacht er komplexe Umbauten und energetische Sanierungen in ganz Deutschland.