
Entgegen der landläufigen Meinung ist nicht Moos das Hauptproblem auf nassen Terrassen, sondern eine Kette unsichtbarer technischer Fehler – von der falschen Materialwahl bis zum mangelhaften Gefälle.
- Die Rutschhemmungsklasse (R-Klasse) ist die entscheidende, oft ignorierte Kennzahl für die Sicherheit von Bodenbelägen im Außenbereich.
- Strukturierte Oberflächen wie „geflammt“ sind polierten oder nur gesägten Steinen bei Nässe weit überlegen.
- Ein korrektes Gefälle von 1,5-2 % ist keine Option, sondern eine bautechnische Notwendigkeit zur Vermeidung von Wasser- und Eisbildung.
Empfehlung: Prüfen Sie Ihre Außenbereiche nicht nur auf Sauberkeit, sondern auf ihre grundlegende technische Rutschsicherheit nach den hier beschriebenen DIN-Normen, um Ihre Familie wirksam zu schützen.
Ein kurzer Regenschauer, und die heimische Terrasse oder die Außentreppe verwandelt sich in eine gefährliche Rutschbahn. Besonders für spielende Kinder und Senioren wird jeder Schritt nach draußen zu einem unkalkulierbaren Risiko. Ein unachtsamer Moment kann zu schweren Stürzen und komplizierten Knochenbrüchen führen. Viele Hausbesitzer greifen dann zu altbekannten Mitteln: der Hochdruckreiniger wird hervorgeholt, Anti-Rutsch-Streifen werden geklebt oder man vertraut auf die vermeintliche Sicherheit von geriffelten Holzdielen. Doch diese Maßnahmen bekämpfen oft nur die Symptome, nicht die Ursache – oder verschlimmern das Problem sogar.
Die wahre Sicherheit Ihrer Außenflächen liegt tiefer verborgen. Sie steckt nicht in der oberflächlichen Reinigung, sondern in den technischen Details, die bei der Planung und Materialauswahl getroffen wurden. Es geht um physikalische Eigenschaften und bauliche Normen, die für das bloße Auge unsichtbar sind, aber den Unterschied zwischen einem sicheren Tritt und einem folgenschweren Unfall ausmachen. Als Ihr Sicherheitsberater für das Wohnumfeld zeige ich Ihnen, warum die gängigen Mythen oft in die Irre führen und wie Sie die wahren Gefahrenquellen erkennen und beseitigen.
Dieser Leitfaden bricht mit den oberflächlichen Ratschlägen. Wir tauchen ein in die Welt der Rutschhemmungsklassen, analysieren die Vor- und Nachteile verschiedener Oberflächenbearbeitungen und decken auf, warum ein falsch eingestellter Hochdruckreiniger oder ein minimales Fehlgefälle Ihre gesamte Sicherheitsvorsorge zunichtemachen kann. Bereiten Sie sich darauf vor, Ihre Terrasse mit den Augen eines Bausachverständigen zu sehen.
Inhalt: Ihr Weg zur maximalen Trittsicherheit im Außenbereich
- Warum reicht R9 für eine überdachte Terrasse, aber nicht für den Poolbereich?
- Geflammt oder geschliffen: Welche Bearbeitung bietet mehr Halt bei Regen?
- Geriffelt oder glatt: Was wird bei Moosbefall wirklich zur Rutschbahn?
- Das Risiko von Beschichtungen, die sich nach einem Winter ablösen
- Wann ist der Hochdruckreiniger schuld, dass Ihr Boden schneller vergrünt und glatt wird?
- Das Risiko von gesägtem Granit, der bei Nässe glatt wie Eis wird
- Der Fehler beim Gefälle, der zu Pfützenbildung und Glatteis führt
- Warum nützt die beste Alarmanlage nichts, wenn das Fenster in 10 Sekunden aufgehebelt ist?
Warum reicht R9 für eine überdachte Terrasse, aber nicht für den Poolbereich?
Die wichtigste, aber am häufigsten ignorierte Kennzahl für die Sicherheit von Bodenbelägen ist die Rutschhemmungsklasse, kurz R-Klasse. Sie ist in der DIN 51130 genormt und gibt an, wie trittsicher ein Boden bei einem bestimmten Neigungswinkel ist. Je höher die R-Zahl, desto griffiger ist die Oberfläche. Die Klasse R9 ist die niedrigste und nur für Bereiche geeignet, die überwiegend trocken sind, wie zum Beispiel eine vollständig überdachte und wettergeschützte Terrasse. Sobald Regen, Spritzwasser oder im Winter Schnee und Eis ins Spiel kommen, wird R9 zur gefährlichen Falle. Die tragische Realität sind laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) jährlich rund 180.000 meldepflichtige Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle (SRS-Unfälle), die Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursachen.
Für eine offene, der Witterung ausgesetzte Terrasse oder Außentreppe ist mindestens R10 oder besser R11 erforderlich. Diese Klassen bieten auch bei Nässe ausreichend Haftung. In Barfußbereichen wie rund um einen Pool gelten sogar noch strengere Regeln. Hier kommt zur R-Klasse eine zusätzliche Bewertung (A, B oder C) für nassbelastete Barfußbereiche hinzu. Eine Poolumrandung erfordert mindestens R11 in Kombination mit der Bewertungsgruppe B, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die Wahl der falschen R-Klasse ist kein Schönheitsfehler, sondern eine grob fahrlässige Gefährdung.
Die folgende Tabelle, basierend auf gängigen Industriestandards, verdeutlicht die unterschiedlichen Anforderungen an die Rutschfestigkeit in verschiedenen Anwendungsbereichen. Sie dient als essenzielle Entscheidungshilfe bei der Auswahl des richtigen Materials für Ihr Projekt, wie eine aktuelle Analyse der Klassifizierungen zeigt.
| Bereich | R-Klasse | Neigungswinkel | Eignung |
|---|---|---|---|
| Überdachte Terrasse | R9 | 6°-10° | Trockene bis gelegentlich feuchte Bereiche |
| Außenterrasse | R10-R11 | 10°-27° | Witterungsausgesetzte Bereiche |
| Poolumrandung | R11 + Klasse B | 19°-27° | Dauernasse Barfußbereiche |
| Durchschreitebecken | R12 + Klasse C | 27°-35° | Unter Wasser liegende Bereiche |
Geflammt oder geschliffen: Welche Bearbeitung bietet mehr Halt bei Regen?
Bei Natursteinen wie Granit, Basalt oder Porphyr entscheidet nicht nur das Material selbst, sondern vor allem die Bearbeitung der Oberfläche über die Rutschsicherheit. Eine geschliffene oder gar polierte Oberfläche mag edel aussehen, wird bei Nässe aber spiegelglatt und extrem gefährlich. Die deutlich sicherere Alternative für den Außenbereich ist eine geflammte Oberfläche. Diese Bearbeitung ist ein entscheidender Faktor für die Trittsicherheit und damit für die Eignung als Terrassenbelag.
Wie Experten von Jonastone Natursteinhandel in einem Fachbeitrag über geflammte Oberflächen betonen:
Geflammte Natursteine haben einen großen Vorteil: sie garantieren eine höhere Rutschfestigkeit, was gerade für Terrassenplatten wichtig ist.
– Jonastone Natursteinhandel, Fachbeitrag über geflammte Oberflächen
Doch was bedeutet „geflammt“ genau? Bei diesem Verfahren wird die Steinoberfläche kurzzeitig einer extrem hohen Temperatur ausgesetzt. Die Mineralien im Stein dehnen sich unterschiedlich stark aus, wodurch winzige Partikel von der Oberfläche abplatzen. Das Ergebnis ist eine aufgeraute, leicht unebene und dadurch sehr griffige Textur, die selbst bei starkem Regen für sicheren Halt sorgt. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist, dass die Farben des Steins durch diesen Prozess oft intensiver und lebendiger wirken.
Anwendungsbeispiel: Romantico® Granit-Terrassenplatten
Ein praktisches Beispiel für die Anwendung dieser Technik sind die Romantico® Granitplatten. Der Hersteller nutzt gezielt das Flammverfahren, um eine optimale Rutschfestigkeit für den Einsatz auf Terrassen zu erzielen. Beim Flammvorgang wird die geschliffene Oberfläche großer Hitze ausgesetzt, wodurch sich die Einzelbestandteile unterschiedlich stark ausdehnen und abgesprengt werden. Dies erzeugt eine gröbere, texturierte Plattenoberfläche mit einem verstärkten Farbspiel und einer Rutschhemmung, die den Anforderungen für den Außenbereich gerecht wird.
Geriffelt oder glatt: Was wird bei Moosbefall wirklich zur Rutschbahn?
Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass geriffelte Holzdielen oder WPC-Dielen (Wood-Plastic-Composites) eine höhere Rutschsicherheit bieten. In der Theorie sollen die Rillen Wasser ableiten und für mehr Grip sorgen. Die Praxis sieht jedoch oft anders aus und kehrt diesen Effekt ins Gegenteil um. Die Rillen sind ein idealer Nährboden für Schmutz, Pollen, Algen und Moos. In diesen Vertiefungen hält sich Feuchtigkeit besonders lange, was die Bildung eines glitschigen Biofilms begünstigt. Genau dieser organische Belag, nicht das Holz selbst, verwandelt die Terrasse in eine gefährliche Eisbahn.
Eine glatte, nicht geriffelte Oberfläche hat hier entscheidende Vorteile. Sie lässt sich wesentlich einfacher und effektiver reinigen, da Schmutz und Wasser ungehindert abfließen können. Ein Besen oder ein Schrubber erreicht die gesamte Fläche, während bei Riffeldielen der Schmutz oft nur tiefer in die Rillen gedrückt wird. Eine glatte Diele trocknet zudem schneller und gleichmäßiger ab, was dem Wachstum von Algen und Moos von vornherein die Grundlage entzieht. Paradoxerweise ist also die glatte Diele oft die sicherere Wahl, vorausgesetzt, sie wird regelmäßig und richtig gepflegt.

Diese Nahaufnahme zeigt eindrücklich, wie sich in den Vertiefungen von Riffeldielen ein feuchtes Mikroklima bildet. Genau hier nistet sich der gefährliche Biofilm ein und macht die vermeintliche Sicherheitsstruktur zur Rutschfalle. Um dies zu verhindern, ist eine proaktive und korrekte Pflege unerlässlich, die über einfaches Kehren hinausgeht. Eine regelmäßige, aber schonende Reinigung verhindert, dass sich dieser rutschige Belag überhaupt erst festsetzen kann.
Ihr 5-Punkte-Audit zur Vermeidung der Biofilm-Falle
- Regelmäßige Trockenreinigung: Fegen Sie mindestens wöchentlich losen Schmutz, Blätter und Sand von der Oberfläche, um die organische Basis für Algenwachstum zu entfernen.
- Schonende Nassreinigung: Verwenden Sie bei Bedarf eine Lösung aus Wasser und Schmierseife oder Waschsoda. Verzichten Sie auf aggressive chemische Reiniger, die das Material angreifen könnten.
- Korrekte Bürstentechnik: Reinigen Sie Riffeldielen immer mit einer weichen Bürste in Längsrichtung der Rillen, um den Schmutz effektiv zu entfernen, anstatt ihn festzudrücken.
- Gründliches Spülen und Trocknen: Spülen Sie nach der Reinigung immer mit klarem Wasser nach, um alle Seifenreste zu entfernen, und lassen Sie die Terrasse vollständig an der Luft trocknen.
- Präventive Behandlung prüfen: Erwägen Sie einmal jährlich nach der Grundreinigung eine Behandlung mit einem umweltfreundlichen Anti-Algen-Mittel, um einem Neubefall vorzubeugen.
Das Risiko von Beschichtungen, die sich nach einem Winter ablösen
Der Markt bietet zahlreiche Anti-Rutsch-Beschichtungen, Farben und Versiegelungen, die eine schnelle und einfache Lösung für glatte Böden versprechen. Doch Vorsicht: Was als schnelle Hilfe beworben wird, kann sich nach nur einem Winter in eine noch größere Gefahr verwandeln. Das Problem liegt in der Physik des Wassers und den enormen Kräften, die durch Frost-Tau-Wechsel entstehen. Dringt Feuchtigkeit durch mikroskopisch kleine Risse oder Poren unter die Beschichtung, beginnt ein zerstörerischer Prozess. Beim Gefrieren dehnt sich eindringendes Wasser um etwa 9 % seines Volumens aus. Diese Ausdehnung erzeugt einen immensen Druck, der die Beschichtung vom Untergrund absprengt.
Im Frühling zeigt sich dann das ganze Ausmaß des Schadens: Die Beschichtung blättert ab, löst sich in Placken und schafft neue, unebene Kanten, die zu Stolperfallen werden. Noch gefährlicher ist, dass sich unter den sich ablösenden Teilen Feuchtigkeit sammelt, die nicht mehr abtrocknen kann. Dies fördert massiv das Wachstum von Algen und Schimmel, wodurch die ohnehin schon beschädigten Stellen noch glitschiger werden. Eine unsachgemäß aufgebrachte oder für den Außenbereich ungeeignete Beschichtung ist somit oft nur eine temporäre Lösung mit hohem Folgerisiko.
Anstatt auf kurzlebige Beschichtungen zu vertrauen, ist es nachhaltiger und sicherer, von Anfang an auf einen Belag mit einer dauerhaft rutschfesten Oberflächenstruktur zu setzen, wie zum Beispiel geflammten Naturstein oder hochwertige Keramikfliesen mit der passenden R-Klasse. Wenn eine Beschichtung unumgänglich ist, sollte ausschließlich auf hochwertige, diffusionsoffene und frostbeständige Systeme von renommierten Herstellern zurückgegriffen werden. Achten Sie auf Zertifizierungen (z.B. nach DIN EN ISO 2409 zur Haftfestigkeit) und eine fachgerechte Vorbereitung des Untergrunds – nur so hat die Lösung eine Chance, mehr als eine Saison zu überdauern.
Wann ist der Hochdruckreiniger schuld, dass Ihr Boden schneller vergrünt und glatt wird?
Der Hochdruckreiniger gilt als Wunderwaffe gegen Schmutz und Grünbelag auf Terrassen. Richtig eingesetzt, kann er hilfreich sein. Falsch angewendet, verursacht er jedoch oft mehr Schaden als Nutzen und trägt langfristig sogar dazu bei, dass der Boden schneller wieder vergrünt und glatt wird. Das Hauptproblem ist ein zu hoher Wasserdruck oder ein zu geringer Abstand zur Oberfläche. Besonders bei weicheren Materialien wie Holz, aber auch bei porösem Betonstein, raut ein harter Wasserstrahl die Oberfläche auf.
Diese mikroskopisch kleinen Beschädigungen vergrößern die Oberfläche des Materials und schaffen unzählige kleine Nischen, in denen sich Schmutz und Sporen von Algen und Moosen perfekt festsetzen können. Die natürliche Schutzschicht des Materials wird zerstört. Das Ergebnis: Nach der Reinigung ist die Terrasse zwar kurzfristig sauber, aber auch anfälliger für neuen Befall. Der Grünbelag kommt schneller und hartnäckiger zurück als zuvor. Wie die Terrassenpflege-Experten von My-Harry warnen:
Wenn der Strahl zu stark ist oder du zu nah am Belag ansetzt, kann es passieren, dass die Fasern der Holzdielen aufgeraut werden. Dadurch kann sich zukünftig noch mehr Grünspan ansiedeln.
– My-Harry Terrassenpflege-Experten, Ratgeber Grünspan entfernen
Eine schonendere und nachhaltigere Methode ist die manuelle Reinigung mit einer Bürste und einem milden Reiniger (z.B. Schmierseife oder Soda). Wenn der Hochdruckreiniger zum Einsatz kommen soll, dann nur mit einem Flächenreiniger-Aufsatz (oft „Terrassenreiniger“ genannt) und mit reduziertem Druck (maximal 70 bar bei unempfindlichen Materialien). Die folgende Übersicht veranschaulicht die unterschiedlichen Auswirkungen der Reinigungsmethoden.
| Methode | Druck/Intensität | Oberflächenschaden | Algenbefall-Risiko |
|---|---|---|---|
| Hochdruckreiniger (zu nah) | >100 bar | Starke Auffaserung | Sehr hoch |
| Hochdruckreiniger (optimal) | 50-70 bar | Minimal | Mittel |
| Bürstenaufsatz | Mechanisch sanft | Keine | Gering |
| Waschsoda & Bürste | Manuell | Keine | Sehr gering |
Das Risiko von gesägtem Granit, der bei Nässe glatt wie Eis wird
Granit ist ein extrem hartes und langlebiges Material und daher für Außentreppen und Terrassen beliebt. Doch nicht jede Granitplatte ist gleich. Die größte Gefahr geht von Platten aus, die lediglich gesägt oder sogar poliert sind. Während diese Oberflächen im trockenen Zustand noch ausreichend Halt bieten mögen, verwandeln sie sich bei Kontakt mit Wasser in eine spiegelglatte Fläche, die kaum noch Reibung bietet. Ein dünner, oft unsichtbarer Wasserfilm genügt, um die Rutschgefahr auf ein extremes Niveau zu heben – vergleichbar mit Glatteis im Winter.
Diese Gefahr wird oft unterschätzt, weil die glatte Oberfläche optisch sehr ansprechend ist. Doch für Bereiche, die der Witterung ausgesetzt sind, ist diese Ästhetik ein unverantwortliches Sicherheitsrisiko, insbesondere wenn Kinder oder ältere Menschen das Haus bewohnen. Die Oberfläche ist so fein, dass der Schuh oder der nackte Fuß keinen Halt findet und auf dem Wasserfilm aquaplant.
VGB-Untersuchung zu polierten Natursteinen
Eine umfassende Studie der VGB (Verwaltungs-Berufsgenossenschaft) hat die Rutschsicherheit von polierten Natursteinen in öffentlichen Bereichen untersucht. Das Ergebnis war alarmierend: Mit nur zwei Ausnahmen erfüllte keine der getesteten polierten Steinplatten die Mindestanforderung der Rutschhemmungsklasse R9. Die Studie kam zu dem klaren Schluss, dass polierte Bodenplatten extrem rutschig werden, sobald sie nass werden oder mit gleitfördernden Stoffen in Berührung kommen, und daher für solche Bereiche ungeeignet sind.

Wie auf dem Bild zu sehen ist, kann ein dünner Wasserfilm auf einer polierten Oberfläche fast unsichtbar sein. Nur die leichte Lichtbrechung verrät seine Anwesenheit. Genau dieser Film hebt den Kontakt zwischen Schuhsohle und Stein auf und ist die Ursache für viele schwere Stürze. Wählen Sie für den Außenbereich daher immer Granit mit einer rauen Oberflächenbearbeitung wie geflammt, gebürstet oder gestockt, um eine dauerhafte Trittsicherheit zu gewährleisten.
Der Fehler beim Gefälle, der zu Pfützenbildung und Glatteis führt
Selbst der rutschfesteste Bodenbelag wird zur Gefahr, wenn das Wasser nicht abfließen kann. Ein korrekt ausgeführtes Gefälle ist daher eine der wichtigsten, aber oft vernachlässigten Grundlagen für die Sicherheit von Terrassen, Balkonen und Außentreppen. Stehendes Wasser führt nicht nur zu unschönen Flecken und fördert das Wachstum von Algen, sondern wird im Winter zu tückischen, spiegelglatten Eisflächen. Die Ursache ist fast immer ein Planungs- oder Ausführungsfehler beim Gefälle.
Die Fachregeln des deutschen Baugewerbes sind hier eindeutig. Laut Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks ist ein Gefälle von 1,5 % bis 2 % zwingend erforderlich. Das bedeutet, die Fläche muss pro Meter um 1,5 bis 2 Zentimeter abfallen, und zwar immer weg vom Gebäude, um Wasserschäden an der Fassade zu vermeiden. Ein zu geringes Gefälle führt zu Pfützenbildung, während ein zu starkes Gefälle unangenehm zu begehen ist. Dieses Detail ist so entscheidend, dass es im Schadensfall rechtliche Konsequenzen haben kann. Als Eigentümer tragen Sie die Verkehrssicherungspflicht. Ein nachweislich fehlendes oder falsches Gefälle kann bei einem Unfall als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden, was zu Haftungsansprüchen führen kann.
Die Überprüfung des Gefälles ist relativ einfach: Legen Sie eine mindestens zwei Meter lange Wasserwaage auf den Belag. Der Abstand zwischen dem Ende der Wasserwaage und der Terrassenoberfläche sollte bei einer Länge von zwei Metern zwischen 3 und 4 Zentimetern betragen. Ist dies nicht der Fall, liegt ein Mangel vor. Bei bestehenden Flächen ohne ausreichendes Gefälle können nachträglich installierte Drainagematten unter dem Belag oder die Verwendung von wasserdurchlässigem Pflasterfugenmörtel helfen, die Situation zu verbessern, ersetzen aber keine fachgerechte Planung von Anfang an.
Das Wichtigste in Kürze
- R-Klasse entscheidet: Für ungeschützte Außenbereiche sind Beläge der Klasse R10 oder R11 unerlässlich. R9 ist unzureichend und gefährlich.
- Oberfläche schlägt Struktur: Eine raue Oberflächenbearbeitung (z.B. „geflammt“) bietet bei Stein deutlich mehr Sicherheit als eine glatte oder polierte. Bei Holz ist eine glatte Diele oft pflegeleichter und sicherer als eine geriffelte.
- Gefälle ist Pflicht: Ein korrektes Gefälle von 1,5 % bis 2 % weg vom Gebäude ist entscheidend, um die Bildung von gefährlichen Wasser- und Eisflächen zu verhindern.
Warum nützt die beste Alarmanlage nichts, wenn das Fenster in 10 Sekunden aufgehebelt ist?
Dieser Titel aus der Einbruchsicherheit lässt sich perfekt auf die Rutschsicherheit übertragen. Stellen Sie sich vor, Ihr hochwertiger, rutschfester Bodenbelag der Klasse R11 ist Ihre Alarmanlage – eine exzellente Einzelmaßnahme. Doch was nützt diese, wenn das sprichwörtliche Fenster offensteht? Ein fehlendes Gefälle, das zu Eisbildung führt, oder eine aggressive Reinigung, die die Oberfläche zerstört, sind genau dieses offene Fenster. Sie hebeln die Wirkung der besten Einzelmaßnahme aus und machen das gesamte Sicherheitssystem wertlos. Wahre Sicherheit entsteht nur durch ein ganzheitliches Konzept, bei dem alle Komponenten ineinandergreifen.
Ein sicherer Außenbereich ist wie eine Kette, die nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Sie können den teuersten, geflammten Granit (R11) verlegen – wenn das Wasser darauf stehen bleibt, wird er bei Frost zur Eisfläche. Sie können eine perfekt glatte Holzterrasse haben, die leicht zu reinigen ist – wenn Sie sie mit dem falschen Druck behandeln, wird sie zur Brutstätte für Algen. Sicherheit ist die Summe vieler richtiger Entscheidungen: die Wahl des richtigen Materials mit der passenden R-Klasse, die korrekte Oberflächenbearbeitung, die fachgerechte Verlegung mit ausreichendem Gefälle und eine nachhaltige, schonende Pflege.
Denken Sie ganzheitlich. Berücksichtigen Sie auch Elemente wie eine ausreichende Beleuchtung von Stufen und Kanten, stabile Handläufe an kritischen Stellen und die sichtbare Markierung von Niveauunterschieden. Nur wenn alle diese Aspekte zusammenspielen, schaffen Sie eine Umgebung, in der sich Kinder, Eltern und Großeltern jederzeit sicher und frei bewegen können, egal bei welchem Wetter.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Außenbereiche einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Ein systematischer Sicherheitscheck nach den hier vorgestellten Kriterien ist der erste und wichtigste Schritt, um Ihre Familie wirksam vor Stürzen und Verletzungen zu schützen.
Häufige Fragen zur Sicherheit von Außentreppen und Terrassen
Wer haftet bei Unfällen durch fehlendes Gefälle?
Der Eigentümer trägt die Verkehrssicherungspflicht. Ein nachweislich fehlendes oder falsches Gefälle kann als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden, was im Falle eines Unfalls zu erheblichen Haftungsansprüchen führen kann.
Welche Drainagelösungen gibt es bei unzureichendem Gefälle?
Wenn ein korrektes Gefälle baulich nicht mehr herzustellen ist, können Drainagematten unter dem Belag oder die Verwendung von wasserdurchlässigem Pflasterfugenmörtel helfen, die Pfützenbildung zu reduzieren und den Wasserabfluss zu verbessern.
Wie wird das korrekte Gefälle überprüft?
Mit einer langen Wasserwaage (mind. 2 Meter) und einem Zollstock lässt sich das Gefälle einfach kontrollieren. Auf einer Länge von zwei Metern sollte der Höhenunterschied zwischen 3 und 4 Zentimetern liegen, um dem geforderten Gefälle von 1,5-2 % zu entsprechen.