Veröffentlicht am März 15, 2024

Ein attraktiver Wintergarten hängt nicht von möglichst vielen immergrünen Pflanzen ab, sondern von einem durchdachten architektonischen „Skelett“ aus Gehölzen und Wegen.

  • Laubabwerfende Hecken wie die Hainbuche bieten oft einen besseren, dynamischeren Sichtschutz als starre Thuja-Wände.
  • Die Farbe und Form von Rinden (z.B. Hartriegel) und der richtige Formschnitt sind für die Winterästhetik entscheidender als spärliche Winterblüten.

Empfehlung: Denken Sie Ihren Garten von seiner Struktur her – dem Gerüst –, bevor Sie ihn mit saisonalen Pflanzen „dekorieren“. So schaffen Sie eine ganzjährige Schönheit.

Wenn die letzten Blätter gefallen sind und der Himmel über Deutschland grau verhangen ist, offenbart sich die wahre Qualität eines Gartens. Viele Gartenbesitzer erleben dann eine Ernüchterung: Wo im Sommer üppiges Grün und Blütenpracht herrschten, klafft nun eine leere, trostlose Fläche. Die reflexartige Antwort darauf ist oft der Griff zu möglichst vielen immergrünen Pflanzen – Thuja, Kirschlorbeer, Buchsbaum. Man versucht, die sommerliche Fülle mit statischem Grün zu imitieren, was den Garten jedoch oft leblos und dunkel wirken lässt.

Diese Herangehensweise übersieht das Wesentliche. Die Kunst eines ganzjährig ansprechenden Gartens liegt nicht im Kaschieren des Winters, sondern im bewussten Gestalten einer Grundstruktur, die gerade in der kargen Jahreszeit ihre volle Schönheit entfaltet. Es geht um die Planung eines soliden Gartengerüsts oder „Gartenskeletts“. Dieses Skelett besteht aus sorgfältig ausgewählten Gehölzen, der Linienführung von Hecken, der Form von Bäumen und der Struktur von Wegen. Es ist das architektonische Rückgrat, das dem Garten Raum, Tiefe und Charakter verleiht, selbst wenn keine einzige Blüte zu sehen ist.

Doch wie erschafft man ein solches Gerüst? Es erfordert ein Umdenken: weg von der reinen Pflanzenauswahl, hin zur Komposition von Formen, Linien und Texturen. Anstatt nur zu fragen „Was blüht im Winter?“, lautet die entscheidende Frage eines Gartendesigners: „Welche Struktur bleibt?“. Dieser Artikel führt Sie durch die zentralen Elemente dieses Planungsansatzes. Sie werden entdecken, warum eine laubhaltende Buche eine bessere Hecke sein kann als eine Thuja, wie man Gehölze schneidet, damit sie dem Schnee trotzen, und wie die richtige Wahl eines kleinen Hausbaums einen ganzen Garten definieren kann. Ziel ist es, Ihnen das Rüstzeug zu geben, um einen Garten zu schaffen, der im Februar nicht stirbt, sondern seinen Charakter zeigt.

In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie die wesentlichen Bausteine eines winterfesten Gartengerüsts planen und kombinieren. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die wichtigsten Etappen auf dem Weg zu einem ganzjährig strukturierten und ästhetisch ansprechenden Garten.

Inhaltsverzeichnis: Das Gartengerüst für den Winter planen

Warum ist eine Buchenhecke trotz Laubabwurf der bessere Sichtschutz als Thuja?

Die Wahl der Hecke ist die fundamentalste Entscheidung für das Gartengerüst. Intuitiv greifen viele zur Thuja, dem Symbol für immergrünen, blickdichten Sichtschutz. Doch aus gestalterischer und ökologischer Sicht ist dies oft ein Trugschluss. Eine Hainbuchenhecke (Carpinus betulus), die ihr trockenes Laub über den Winter behält, bietet einen dynamischeren und oft besseren Sichtschutz. Während eine Thuja-Wand eine massive, dunkle und leblose Barriere bildet, schafft das kupferfarbene Buchenlaub eine lichtdurchlässige Privatsphäre. Es filtert Blicke, ohne den Garten komplett abzuriegeln, und das leise Rascheln der Blätter im Wind sorgt für eine angenehme Geräuschkulisse.

Der entscheidende Vorteil liegt in der Lebendigkeit. Die Buchenhecke verändert sich mit den Jahreszeiten: frisches Grün im Frühling, sattes Laub im Sommer, leuchtende Herbstfarben und eine warme, texturierte Wand im Winter. Im Gegensatz dazu bleibt die Thuja statisch und kann bei Schneebruch oder Trockenheit unschöne braune Löcher bekommen, die sich nie wieder schliessen. Ökologisch gesehen ist der Unterschied gewaltig. Heimische Hecken wie die Hainbuche sind ein wertvoller Lebensraum. Der NABU empfiehlt explizit heimische Gehölze, da sie Vögeln Nistplätze und Schutz bieten und zahlreichen Insekten als Nahrungsquelle dienen – eine Funktion, die eine exotische Thuja kaum erfüllt.

Zudem ist die Hainbuche extrem schnittverträglich und lässt sich zu schmalen, architektonischen Formen erziehen, die weniger Platz beanspruchen als eine ausladende Thuja. Dies minimiert auch Konflikte bezüglich der in den deutschen Bundesländern unterschiedlichen Grenzabstände. Die Planung einer Hecke ist somit nicht nur eine Frage der Optik, sondern eine strategische Entscheidung für die Lebendigkeit, den Klang und die ökologische Funktion des Gartens.

Wie schneiden Sie Buchsbaum oder Eibe, damit die Form den Schnee trägt?

Formgehölze wie Buchsbaum, Eibe oder Ilex sind die Skulpturen im winterlichen Garten. Sie geben dem Gerüst markante Fixpunkte und geometrische Ruhe. Ihre Wirkung hängt jedoch entscheidend vom richtigen Schnitt ab – insbesondere in schneereichen Regionen Deutschlands. Eine schwere, nasse Schneedecke kann Äste brechen und die über Jahre gepflegte Form zerstören. Die Kunst besteht darin, die Gehölze so zu schneiden, dass sie den Schnee entweder elegant tragen oder ihn sanft abgleiten lassen.

Die stabilste Form ist eine leichte Konizität: unten etwas breiter als oben. Dies verhindert, dass sich grosse Schneemengen auf der Oberseite sammeln und Druck aufbauen. Der Schnee kann leichter von den schrägen Seiten abrutschen. Für komplexere Formen wie Kugeln oder Quader ist es wichtig, keine waagerechten Flächen zu schaffen, auf denen sich die Last konzentrieren kann. Schneiden Sie die Oberseiten immer leicht abgerundet, damit der Schnee keinen Halt findet. Bei grösseren, mehrstufigen Formschnitten, wie dem sogenannten „Pagoden-Schnitt“, werden horizontale Etagen angelegt. Diese sollten eine leichte Neigung nach aussen haben, um die Schneelast zu verteilen und gezielt abzuleiten.

Dieses Bild zeigt, wie ein fachmännischer Pagodenschnitt an einer Eibe die Schneelast auf den verschiedenen Ebenen verteilt und so die Struktur des Gehölzes schützt.

Pagodenschnitt an Eibe mit Schneeauflage im deutschen Mittelgebirgsgarten

Wie auf der Abbildung zu sehen, verhindern die leicht geneigten „Etagen“ eine übermässige Ansammlung von Schnee an einer Stelle. Der letzte Formschnitt sollte zudem spätestens Ende August erfolgen. So haben die frischen Triebe genug Zeit, vor dem ersten Frost auszureifen und an Stabilität zu gewinnen. Sollte dennoch extremer Schneefall drohen, ist es besser, die Gehölze temporär mit einem Juteband locker zusammenzubinden, anstatt sie in Netze zu packen, die die Luftzirkulation behindern.

Welcher Hausbaum bleibt unter 4 Metern und bildet trotzdem eine Krone?

Ein Hausbaum ist das vertikale Herzstück des Gartengerüsts, ein Solitär, der den Blick lenkt und dem Garten eine dritte Dimension verleiht. In modernen, kleineren Gärten ist die Wahl jedoch heikel. Ein Baum, der zu gross wird, kann schnell zu Problemen mit Nachbarn, Fundamenten oder Schattenwurf führen. Die Herausforderung besteht darin, einen Baum zu finden, der eine charakteristische Krone ausbildet, aber in seiner Endhöhe überschaubar bleibt, idealerweise unter vier bis fünf Metern.

Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Kugel- und Kleinbäumen, die sich perfekt für deutsche Vorgärten eignen. Der Kugel-Ahorn (Acer platanoides ‚Globosum‘) ist ein Klassiker, der ohne Schnitt eine dichte, runde Krone bildet und sehr winterhart ist. Eine weitere exzellente Wahl ist der Kugel-Trompetenbaum (Catalpa bignonioides ‚Nana‘), dessen grosse Blätter im Sommer für ein exotisches Flair sorgen. Er bleibt noch kompakter als der Ahorn. Die Kugel-Robinie (Robinia pseudoacacia ‚Umbraculifera‘) bildet ebenfalls eine sehr gleichmässige Krone, ist aber aufgrund ihrer Dornen und des flachen Wurzelwerks mit Bedacht zu platzieren.

Die folgende Tabelle vergleicht drei beliebte Kugelbäume, die sich für kleine Gärten in Deutschland eignen und eine klare Kronenstruktur für das Winterbild bieten.

Vergleich: Kugelbäume unter 4 Meter für deutsche Vorgärten
Baumart Maximalhöhe Kronendurchmesser Winterhärte Wurzelverhalten Pflanzabstand zu Gebäuden
Kugel-Ahorn (Acer platanoides ‚Globosum‘) 3-4 m 3-5 m Sehr gut (Zone 4) Herzwurzler Mind. 3 m
Kugel-Trompetenbaum (Catalpa bignonioides ‚Nana‘) 2-3 m 3-4 m Gut (Zone 5) Herzwurzler Mind. 2,5 m
Kugel-Robinie (Robinia pseudoacacia ‚Umbraculifera‘) 4 m 4-5 m Sehr gut (Zone 4) Flach-/Herzwurzler Mind. 4 m

Studienobjekt: Spalierobst als platzsparende Alternative

In einem Modellgarten in Bayern wurde erfolgreich eine Spalierobst-Wand mit alten Apfelsorten angelegt. Die auf 3,5 Meter Höhe begrenzten Bäume bilden eine flache Krone direkt an der Hauswand und bieten ganzjährig Struktur. Im Winter zeigt sich das dekorative Astgerüst, im Frühjahr lockt die Blüte Bienen an, und die Früchte folgen im Herbst. Diese Lösung erfüllt gleichzeitig die Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes für Vogelnistplätze und zeigt, dass auch Obstbäume eine starke architektonische Funktion haben können.

Hartriegel oder Zimtahorn: Welche Gehölze leuchten, wenn keine Blumen blühen?

Wenn die Blüten fehlen und das Laub gefallen ist, tritt die „Haut“ des Gartengerüsts in den Vordergrund: die Rinde der Gehölze. Anstatt auf wenige und oft unscheinbare Winterblüher zu setzen, kann ein Gartendesigner die Leuchtkraft farbiger Rinden nutzen, um spektakuläre Akzente zu setzen. Diese Gehölze sind die wahren Farbtupfer des Winters, deren Intensität durch die tiefstehende Sonne noch verstärkt wird.

Der Rote Hartriegel (insbesondere Sorten wie ‚Sibirica‘) ist hierbei der Star. Seine leuchtend roten Zweige wirken wie Pinselstriche in der winterlichen Landschaft, besonders vor einem schneebedeckten oder hellen Hintergrund. Ähnlich effektvoll ist der Gelbholz-Hartriegel (Cornus sericea ‚Flaviramea‘) mit seinen neongelben Trieben. Für eine subtilere, aber nicht weniger faszinierende Wirkung sorgt der Zimtahorn (Acer griseum). Seine zimtbraune, sich in papierdünnen Streifen abrollende Rinde ist aus der Nähe betrachtet ein Kunstwerk. Ein weiteres Highlight ist die Mahagoni-Kirsche (Prunus serrula), deren spiegelglatte, mahagonifarbene Rinde im Winterlicht glänzt. Diese Gehölze bieten eine ganzjährige Farb-Performance, die weit über eine kurze Blütezeit hinausgeht.

Natürlich haben auch Winterblüher ihren Platz, sollten aber als Ergänzung und nicht als Hauptdarsteller betrachtet werden. Eine Auswahl von Christrosen, Vorfrühlings-Alpenveilchen, Winterjasmin, Schneeheide und Winterkirsche kann diese strukturellen Farbakzente wunderbar untermalen. Die wahre Kunst liegt jedoch in der Inszenierung der Rindenfarben. Platzieren Sie Hartriegel so, dass die tiefstehende Wintersonne sie von hinten durchleuchtet, und kombinieren Sie sie mit wintergrünen Bodendeckern oder Gräsern, deren feine Samenstände im Gegenlicht schimmern. So schaffen Sie lebendige Bilder, die nur der Winter malen kann.

Der Fehler bei der Standortwahl, der Ihren Solitärbaum in 10 Jahren zum Problem macht

Die Pflanzung eines Baumes ist eine der langfristigsten Entscheidungen in der Gartengestaltung. Ein Fehler bei der Standortwahl mag in den ersten Jahren unbemerkt bleiben, entwickelt sich aber über ein Jahrzehnt fast unweigerlich zu einem massiven und teuren Problem. Der häufigste Fehler ist die Unterschätzung der Endgrösse des Baumes – sowohl ober- als auch unterirdisch. Ein niedlicher kleiner Baum, der zu nah am Haus, an der Grundstücksgrenze oder über Versorgungsleitungen gepflanzt wird, ist eine tickende Zeitbombe.

Wurzeln können Fundamente, Terrassen und Pflaster anheben oder in Abwasserrohre eindringen. Die Krone kann Dachrinnen verstopfen, Fassaden beschatten und zu Feuchtigkeitsschäden führen oder das Nachbargrundstück so stark verschatten, dass es zu rechtlichen Auseinandersetzungen kommt. Ist der Baum erst einmal eine bestimmte Grösse erreicht hat, ist eine Fällung oft nicht mehr ohne Weiteres möglich. In vielen deutschen Kommunen greifen Baumschutzsatzungen, die Bäume ab einem gewissen Stammumfang unter Schutz stellen. Eine Fällung ist dann nur noch mit Genehmigung oder aus zwingenden Sicherheitsgründen erlaubt. Vorausschauende Planung ist daher nicht nur klug, sondern rechtlich essenziell.

Bevor Sie also einen Baum pflanzen, müssen Sie Detektivarbeit leisten. Finden Sie die exakte Lage aller unterirdischen Leitungen heraus. Informieren Sie sich über die lokale Baumschutzsatzung und das Nachbarrechtsgesetz Ihres Bundeslandes bezüglich der Grenzabstände. Und vor allem: Glauben Sie nicht den Angaben auf dem kleinen Pflanzetikett, sondern recherchieren Sie die reale, zu erwartende Endgrösse des Baumes in Höhe und Breite nach 20 bis 30 Jahren.

Checkliste zur Vermeidung von Standortproblemen

  1. Leitungen prüfen: Kontaktieren Sie das Tiefbauamt Ihrer Gemeinde, um die genaue Lage von Strom-, Wasser-, Gas- und Telekommunikationsleitungen auf Ihrem Grundstück zu erfragen.
  2. Schattenwurf berechnen: Simulieren Sie den Schattenwurf des ausgewachsenen Baumes für Sommer (hochstehende Sonne) und Winter (tiefstehende Sonne), um Auswirkungen auf Ihr Haus und das des Nachbarn abzuschätzen.
  3. Baumschutzsatzung prüfen: Informieren Sie sich bei Ihrer Stadt oder Gemeinde VOR der Pflanzung über die geltende Baumschutzsatzung. Einmal geschützte Bäume können später nicht einfach entfernt werden.
  4. Gebäudeabstände einhalten: Halten Sie ausreichende Mindestabstände zu Gebäuden und Mauern ein. Eine Faustregel lautet: Mindestens die Hälfte des zu erwartenden Kronendurchmessers, besser mehr.
  5. Grenzabstände dokumentieren: Messen und dokumentieren Sie den Pflanzabstand zur Grundstücksgrenze gemäss dem Nachbarrechtsgesetz Ihres Bundeslandes, um zukünftige Konflikte zu vermeiden.

Wie lassen geschickt geplante Wege einen kleinen Garten doppelt so gross wirken?

Wege sind die Adern des Gartengerüsts. Sie verbinden nicht nur verschiedene Bereiche, sondern lenken auch den Blick und formen die Wahrnehmung des Raumes. In kleinen Gärten ist ihre Gestaltung von entscheidender Bedeutung. Ein gerader, direkter Weg von A nach B teilt den Garten, verkürzt ihn optisch und lässt ihn noch kleiner erscheinen. Eine geschickte Wegeführung hingegen kann eine erstaunliche Raumillusion erzeugen und den Garten optisch vergrössern.

Das Geheimnis liegt darin, den Blick zu verlangsamen und Neugier zu wecken. Geschwungene, S-förmige Wege sind hierfür das wirksamste Mittel. Indem der Weg sich sanft durch den Garten schlängelt und sein Ende nicht sofort sichtbar ist, wird das Auge auf eine Reise geschickt. Man fragt sich, was sich hinter der nächsten Biegung oder hinter der Gruppe von hohen Gräsern verbirgt. Diese Technik verlängert die gefühlte Distanz und schafft Tiefe. Der Garten wirkt dadurch nicht nur grösser, sondern auch geheimnisvoller und interessanter.

Dieses Bild illustriert, wie ein S-förmiger Pfad den Blick führt und den Raum in einem kleinen Garten optisch streckt.

S-förmiger Gartenweg mit Mosaikpflaster in kleinem deutschen Garten

Wie man sieht, zwingt die Kurve den Betrachter, den Garten langsamer zu erfassen. Dieser Effekt wird verstärkt, wenn der Weg diagonal durch den Raum geführt wird anstatt parallel zu den Grundstücksgrenzen. Eine diagonale Linie ist immer länger als die Seiten eines Rechtecks und streckt den Raum zusätzlich. Die Wahl des Materials spielt ebenfalls eine Rolle: Kleinformatiges Pflaster (wie Mosaikpflaster) lässt eine Fläche grösser wirken als grossformatige Platten. Durch die Kombination dieser Techniken – geschwungene Linien, diagonale Führung und kleinteiliges Material – kann selbst eine typische deutsche „Handtuch-Parzelle“ eine beeindruckende Grosszügigkeit ausstrahlen.

Schluckt eine dichte Thuja-Hecke wirklich Lärm oder ist das nur Einbildung?

Eine häufige Motivation für die Pflanzung einer dichten Hecke, insbesondere in städtischen Gebieten, ist der Wunsch nach Lärmschutz. Die Vorstellung, dass eine massive grüne Wand den Strassenlärm effektiv „schluckt“, ist weit verbreitet. Doch hier treffen physikalische Realität und psychologische Wahrnehmung aufeinander. Eine Thuja-Hecke reduziert Lärm, aber weitaus weniger effektiv, als man annehmen würde. Ihre starren Nadeln und die dichte, aber wenig flexible Struktur reflektieren Schallwellen eher, als sie zu absorbieren.

Wissenschaftliche Messungen zeigen, dass Laubhecken eine deutlich bessere Schallschutzwirkung haben. Ihre weicheren, beweglichen Blätter und die oft mehrschichtige, unregelmässige Struktur brechen und absorbieren die Schallwellen effektiver. Studien deutscher Forstlicher Versuchsanstalten belegen, dass dichte Laubhecken Lärm um 5 bis 8 Dezibel (dB) reduzieren können, während immergrüne Nadelhecken oft nur eine Minderung von 2 bis 5 dB erreichen. Eine Reduktion um 10 dB wird vom menschlichen Ohr bereits als Halbierung der Lautstärke empfunden.

Der entscheidende Faktor ist jedoch der psychoakustische Effekt. Das sanfte Rauschen von Blättern im Wind, wie es bei einer Hainbuchen- oder Ligusterhecke auftritt, ist ein natürliches, angenehmes Geräusch. Es überlagert und maskiert die unangenehmen, harten Frequenzen des Verkehrslärms. Unser Gehirn filtert den Störschall heraus und konzentriert sich auf das positive Naturgeräusch. Eine Thuja-Hecke hingegen ist still. Sie bietet diesen Maskierungseffekt nicht. Der Lärm mag physikalisch leicht gedämpft sein, wird aber psychologisch kaum als geringer wahrgenommen.

Schallschutzwirkung verschiedener Heckentypen
Heckentyp Lärmreduktion (dB) Blattmasse Psychoakustischer Effekt Ganzjahreswirkung
Hainbuche (dicht) 5-8 dB Flexibel, dicht Positives Rauschen Gut (behält Laub)
Thuja 2-5 dB Starr, nadelartig Kein Rauschen Konstant
Liguster 4-6 dB Mitteldicht Leichtes Rauschen Teilweise wintergrün
Mischhecke (Laub) 6-10 dB Variabel, mehrschichtig Vielfältiges Rauschen Saisonal unterschiedlich

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein starkes Gartengerüst basiert auf der Architektur von Hecken, Bäumen und Wegen, nicht auf der Menge immergrüner Pflanzen.
  • Heimische Laubhecken (z.B. Hainbuche) sind oft der bessere Sicht- und Lärmschutz als Thuja, da sie ökologisch wertvoller und gestalterisch dynamischer sind.
  • Die sorgfältige Planung des Standorts eines Baumes unter Berücksichtigung von Endgrösse und lokalen Satzungen ist entscheidend, um zukünftige Probleme zu vermeiden.

Miscanthus oder Bambus: Welches Gras wuchert nicht in den Nachbargarten?

Hohe Gräser sind fantastische Elemente, um dem Gartengerüst im Winter eine weiche, bewegliche Komponente hinzuzufügen. Ihre filigranen Halme und Samenstände fangen das Licht und den Raureif ein und bringen Dynamik in die starre Struktur. Bambus und Chinaschilf (Miscanthus) sind hier die beliebtesten Kandidaten, doch sie bergen fundamental unterschiedliche Risiken. Die Wahl zwischen ihnen ist eine Entscheidung zwischen unkontrollierbarem Wuchs und verlässlicher Standhaftigkeit.

Ausläuferbildender Bambus (Phyllostachys) ist berüchtigt für seine Aggressivität. Seine unterirdischen Triebe, die Rhizome, können meterweit wandern, unter Fundamenten hindurchwachsen und plötzlich im Rasen des Nachbarn oder sogar im Haus auftauchen. Ihn in Schach zu halten, erfordert eine fachgerecht installierte Rhizomsperre. Dabei handelt es sich um eine dicke (mind. 2 mm) und tiefe (mind. 70 cm) Folie aus Hochdruck-Polyethylen (HDPE), die um den Pflanzbereich in den Boden eingelassen wird. Eine unsachgemässe Installation – etwa eine zu geringe Tiefe oder eine einfache Überlappung der Folienenden statt einer sicheren Verschraubung mit Aluschienen – macht die Sperre nutzlos und kann zu erheblichen Schäden und Nachbarschaftsstreitigkeiten führen, für die der Pflanzer nach §§ 906 und 1004 BGB haftbar gemacht werden kann.

Die weitaus sicherere und pflegeleichtere Alternative ist Miscanthus sinensis (Chinaschilf). Dieses Gras ist horstbildend. Das bedeutet, es bildet keine unterirdischen Ausläufer, sondern wächst in einem kompakten Büschel, das sich nur langsam im Durchmesser vergrössert. Es besteht keinerlei Risiko, dass es in den Nachbargarten wuchert. Wenn der Horst nach vielen Jahren zu gross wird, kann er einfach mit einem Spaten geteilt werden. Miscanthus bietet die gleiche winterliche Ästhetik wie Bambus – hohe, strukturgebende Halme und federleichte Blütenstände – aber ohne das juristische und finanzielle Risiko. Für einen gut geplanten, sorgenfreien Garten ist Miscanthus daher fast immer die überlegene Wahl.

Die Entscheidung zwischen diesen Gräsern ist ein Paradebeispiel dafür, wie eine kluge Pflanzenauswahl das langfristige Management und die Harmonie des Gartens sichert.

Nachdem Sie nun die wichtigsten Bausteine eines winterfesten Gartengerüsts kennen, geht es darum, dieses Wissen in eine kohärente Planung umzusetzen. Der nächste Schritt ist, Ihren Garten als Ganzes zu betrachten und eine Vision für seine ganzjährige Struktur zu entwickeln. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr persönliches Gartengerüst zu entwerfen, um sich auch im nächsten Februar an einem charaktervollen und ästhetisch ansprechenden Aussenbereich zu erfreuen.

Geschrieben von Julia Wagner, Freie Landschaftsarchitektin (BDLA) und Gärtnermeisterin mit Fokus auf naturnahe Gärten, Klimaanpassung und Regenwassermanagement. Sie plant seit 10 Jahren private und öffentliche Grünflächen.