Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist der Bau eines Insektenhotels nicht der effektivste Weg, um Nützlinge anzulocken und Schädlinge zu kontrollieren.

  • Ein funktionierendes Garten-Ökosystem basiert auf vollständigen Lebenszyklen (z. B. Totholz), nicht auf isolierten Einzelmaßnahmen.
  • Die gezielte Förderung von Prozessen wie Verrottung, ganzjähriger Nahrungsverfügbarkeit und Bodenleben schafft ein stabiles Gleichgewicht.

Empfehlung: Denken Sie nicht in einzelnen Bausteinen, sondern managen Sie Ihren Garten als vernetzten Kreislauf, in dem jedes Element eine Funktion für das große Ganze erfüllt.

Jeder Gärtner kennt den Frust: Kaum zeigen sich die ersten zarten Blätter, sind auch schon Blattläuse, Schnecken und andere ungebetene Gäste zur Stelle. Die übliche Reaktion ist oft ein Griff zu schnellen Lösungen. Man kauft ein Insektenhotel, pflanzt ein paar bienenfreundliche Blumen oder greift im schlimmsten Fall sogar zur chemischen Keule. Doch diese Ansätze sind oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn sie bekämpfen Symptome, nicht aber die Ursache. Sie behandeln den Garten wie eine Maschine, bei der man defekte Teile austauscht, anstatt ihn als das zu sehen, was er wirklich ist: ein lebendiges Ökosystem.

Der wahre Schlüssel zu einem gesunden und schädlingsarmen Garten liegt nicht in isolierten Aktionen, sondern in einem fundamentalen Perspektivwechsel. Was wäre, wenn die effektivste Schädlingskontrolle darin bestünde, gar keine Schädlinge mehr zu bekämpfen? Wenn die Lösung nicht darin liegt, etwas hinzuzufügen oder zu entfernen, sondern darin, die richtigen Bedingungen für ein natürliches Gleichgewicht zu schaffen? Ein Gleichgewicht, in dem Nützlinge nicht nur zu Besuch kommen, sondern dauerhaft leben, jagen und sich vermehren, weil sie alles finden, was sie brauchen. Genau hier setzt die Idee des Gartens als Kreislauf an.

Dieser Artikel führt Sie weg von gut gemeinten, aber oft ineffektiven Einzelmaßnahmen. Er zeigt Ihnen, wie Sie die verborgenen Potenziale Ihres Gartens aktivieren und ein selbsterhaltendes System etablieren. Wir werden untersuchen, warum ein einfacher Totholzhaufen oft wertvoller ist als das teuerste Insektenhotel, wie die Wahl der Blumenerde das Weltklima beeinflusst und wie Sie ein durchgehendes Buffet für Bienen und Vögel decken, das Ihre Schädlingsprobleme von ganz allein löst.

Die folgenden Abschnitte bieten Ihnen einen detaillierten Fahrplan, um Ihren Garten Schritt für Schritt in eine blühende Oase der Artenvielfalt zu verwandeln. Entdecken Sie, wie Sie mit Systemdenken und dem Verständnis für natürliche Prozesse nicht nur Zeit und Arbeit sparen, sondern auch einen wertvollen Beitrag für die Natur leisten.

Warum ist ein Totholzhaufen in der Ecke wertvoller als ein Insektenhotel?

Das Insektenhotel ist zum Symbol des Nützlingsschutzes im Garten geworden, doch es ist oft nur eine gut gemeinte Mogelpackung. Es bietet zwar einigen Wildbienen Nisthilfen, ignoriert aber die Bedürfnisse der allermeisten anderen Nützlinge. Ein Garten ist ein komplexes System, kein Baukasten. Anstatt nur eine „Wohnung“ anzubieten, müssen wir einen kompletten Lebensraum mit vollem Service schaffen. Genau das leistet ein unscheinbarer Totholzhaufen. Er ist nicht nur Unterschlupf, sondern auch Kinderstube, Jagdrevier und Nahrungsquelle in einem – ein echtes Ökosystem im Miniaturformat.

Während das Insektenhotel eine sterile Ansammlung von Niströhren ist, durchläuft der Totholzhaufen einen dynamischen Prozess. Pilze und Mikroorganismen beginnen, das Holz zu zersetzen. Das lockt Asseln, Tausendfüßler und Käferlarven an, die das Material weiter aufschließen. Diese Tiere wiederum sind die Leibspeise für Igel, Spitzmäuse, Vögel und räuberische Insekten. Viele Wildbienenarten, die in Hotels keinen Platz finden, nisten in den von Käfern gebohrten Gängen. So entsteht ein geschlossener Nährstoffkreislauf und eine vollständige Nahrungskette, die weit über das hinausgeht, was ein künstliches Hotel je bieten könnte.

Um einen solchen Hotspot der Biodiversität zu schaffen, braucht es nicht viel. Wählen Sie eine ruhige, schattige Ecke, die über Jahre ungestört bleiben kann. Schichten Sie dort locker Äste, Zweige, Wurzelstöcke und altes Laub auf. Die Verwendung heimischer Hölzer wie Eiche oder Buche ist ideal. Wichtig ist, bewusst Hohlräume unterschiedlicher Größe zu lassen, um einer Vielzahl von Tieren – vom winzigen Insekt bis zum Igel – ein Zuhause zu geben. Ein Totholzhaufen ist somit der erste und wichtigste Schritt, um vom reinen „Dekorieren“ zum aktiven Management eines Lebensraums überzugehen.

Wie gestalten Sie Ihren Garten so, dass Amsel und Meise ganzjährig Futter finden?

Vögel sind weit mehr als nur schmückendes Beiwerk im Garten – sie sind eine äußerst effiziente, fliegende Taskforce zur Schädlingskontrolle. Wer Amseln, Meisen und andere gefiederte Helfer dauerhaft ansiedeln will, muss jedoch über das klassische Futterhäuschen im Winter hinausdenken. Der Schlüssel ist ein ganzjährig gedeckter Tisch, der nicht nur aus Körnern, sondern vor allem aus der natürlichen Hauptnahrung besteht: Insekten und Früchte. Dies fördert nicht nur die Vögel, sondern integriert sie als festen Bestandteil in den Kreislauf des Gartens.

Die schiere Menge an Insekten, die Vögel zur Aufzucht ihrer Jungen benötigen, ist beeindruckend. Untersuchungen zeigen, dass eine einzige Blaumeisenfamilie während der Brutzeit Tausende von Raupen, Spinnen und anderen Kleintieren an ihre Jungen verfüttert. Auf ihrem Speiseplan stehen dabei gezielt Schädlinge wie die Raupen des Frostspanners oder sogar des gefürchteten Eichenprozessionsspinners. Indem Sie Vögel fördern, etablieren Sie eine natürliche Regulation von Schädlingspopulationen, die weitaus nachhaltiger ist als jeder chemische Eingriff.

Ein vogelfreundlicher Garten ist ein Mosaik aus verschiedenen Nahrungsquellen, die über das Jahr verteilt verfügbar sind. Dazu gehören:

  • Frühblühende Gehölze wie Sal-Weide, die früh im Jahr Insekten anlocken.
  • Fruchttragende Sträucher wie die Felsenbirne (Juni), die Holunderbeere (August) oder die Vogelbeere (September).
  • Spät reifende Früchte, insbesondere die des Efeus, die eine überlebenswichtige Nahrungsquelle im späten Winter darstellen.
  • Eine ganzjährig verfügbare, saubere Wasserstelle zum Trinken und Baden.

Dieser ganzheitliche Ansatz stellt sicher, dass Vögel Ihren Garten nicht nur als gelegentlichen Snack-Stop, sondern als verlässliches Territorium betrachten.

Gartenvögel an einer naturnahen Wasserstelle umgeben von beerentragenden Sträuchern

Die Gestaltung eines solchen Gartens bedeutet, die Bedürfnisse der Vögel in jede Entscheidung mit einzubeziehen. Es bedeutet, verblühte Stauden über den Winter stehen zu lassen, damit die Vögel die Samenstände abernten können, und auf Pestizide strikt zu verzichten, um die Insektennahrung nicht zu vergiften. So wird der Garten zu einem lebendigen System, in dem jeder Teil den anderen unterstützt.

Englischer Rasen oder Blumenwiese: Was spart Wasser und fördert das Leben?

Die Vorstellung eines perfekten Gartens wird in Deutschland noch immer stark vom Bild des makellosen, kurzgeschnittenen englischen Rasens geprägt. Doch diese grüne Monokultur ist aus ökologischer Sicht eine Wüste. Sie erfordert einen enormen Aufwand an Wasser, Dünger und Mäh-Arbeit und bietet für die meisten Nützlinge weder Nahrung noch Lebensraum. Die Alternative, eine artenreiche Blumenwiese, stellt dieses Ideal auf den Kopf und verkörpert perfekt das Prinzip des Systemdenkens: weniger Arbeit, weniger Ressourcenverbrauch, aber ein Vielfaches an Leben.

Eine Blumenwiese ist ein dynamisches, weitgehend selbsterhaltendes System. Ihre tiefwurzelnden Wildkräuter machen sie extrem trockenheitstolerant, während der dichte Bewuchs den Boden vor Erosion schützt. Im Gegensatz zum Rasen, der wöchentlich gemäht werden muss, kommt eine Wiese mit zwei bis drei Schnitten pro Jahr aus. Dieser reduzierte Pflegeaufwand spart nicht nur Zeit und Energie, sondern ermöglicht es den Pflanzen, zu blühen und Samen zu bilden. Dadurch entsteht ein reichhaltiges Buffet aus Nektar und Pollen für Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen – deren Larven wiederum passionierte Blattlausjäger sind.

Die Umwandlung einer Rasenfläche in eine Blumenwiese ist ein klares Bekenntnis zur Biodiversität. Während ein Zierrasen kaum mehr als eine Handvoll Gräserarten beherbergt, können sich auf einer Magerwiese über die Jahre 30 bis 50 verschiedene Pflanzenarten ansiedeln. Diese Vielfalt schafft ein stabiles Netz von Wechselwirkungen. Die unterschiedlichen Blühzeiten sorgen für ein durchgehendes Nahrungsangebot, und die gestaffelte Mahd, bei der immer Teile der Wiese stehen bleiben, garantiert Insekten und anderen Kleintieren jederzeit einen Rückzugsort.

Der direkte Vergleich der beiden Konzepte zeigt die Überlegenheit der Blumenwiese in fast allen Belangen des nachhaltigen Gärtnerns.

Vergleich: Englischer Rasen vs. Blumenwiese
Kriterium Englischer Rasen Blumenwiese
Wasserbedarf Hoch (regelmäßige Bewässerung) Niedrig (nur bei extremer Trockenheit)
Mähaufwand Wöchentlich (April-Oktober) 2-3 mal jährlich
Düngerbedarf Regelmäßig erforderlich Nicht erforderlich
Artenvielfalt Sehr gering Hoch (30-50 Pflanzenarten möglich)
Insektenfreundlichkeit Kaum Nahrungsangebot Reich an Nektar und Pollen
Kosten über 5 Jahre/100m² ca. 500-800€ ca. 50-100€

Die Entscheidung für eine Blumenwiese ist somit mehr als eine ästhetische Wahl. Es ist eine strategische Entscheidung für ein ressourcenschonendes und lebendiges Garten-Ökosystem, das seine Probleme zu einem großen Teil selbst reguliert.

Der Fehler beim Kompostieren, der Ratten statt Regenwürmer anlockt

Der Komposthaufen ist das pulsierende Herz eines jeden Garten-Kreislaufs. Hier wird „Abfall“ in wertvolles „schwarzes Gold“ verwandelt, das den Boden nährt und das Leben fördert. Doch viele Gärtner machen unbewusst einen entscheidenden Fehler, der diesen Prozess sabotiert und statt nützlicher Regenwürmer und Mikroorganismen unerwünschte Gäste wie Ratten anzieht. Dieser Fehler besteht darin, den Kompost als Mülleimer für jegliche Küchenabfälle zu betrachten, insbesondere für gekochte, gewürzte oder tierische Speisereste.

Ratten werden nicht vom Kompost selbst, sondern vom Geruch leicht verfügbarer Nahrung angezogen. Gekochtes Essen, Fleisch, Wurst, Käse oder Brot sind für sie ein Festmahl. Diese Abfälle verrotten nicht auf die gleiche Weise wie rohes Pflanzenmaterial; sie faulen und entwickeln dabei intensive Gerüche, die Nagetiere aus weiter Entfernung anlocken. Regenwürmer und die für eine gute Rotte notwendigen Mikroben hingegen sind auf eine ausgewogene Mischung aus kohlenstoffreichem (braunem) Material wie Laub und Ästen und stickstoffreichem (grünem) Material wie Rasenschnitt und rohen Gemüseabfällen spezialisiert.

Der zweite entscheidende Faktor ist die Temperatur. Professionelle Kompostierungsanlagen zeigen, dass eine korrekt aufgesetzte Heißrotte Temperaturen von 60-70°C erreicht. In diesem Temperaturbereich werden Unkrautsamen und Krankheitserreger abgetötet. Ein Kompost, der hauptsächlich aus feuchten, faulenden Speiseresten besteht, erreicht diese Temperaturen nie. Er bleibt kalt, nass und sauerstoffarm – ideale Bedingungen für Fäulnisbakterien, aber ein Graus für Regenwürmer. Um Ratten fernzuhalten und Regenwürmer zu fördern, gilt daher die eiserne Regel: keine gekochten Speisereste, kein Fleisch, kein Käse und keine Backwaren auf den offenen Kompost. Wer diese Abfälle dennoch kompostieren möchte, sollte auf geschlossene Thermokomposter zurückgreifen, die für Nagetiere unzugänglich sind.

Wann zerstören Sie Moore, wenn Sie die falsche Blumenerde kaufen?

Die Entscheidungen, die wir als Gärtner treffen, haben oft weitreichendere Konsequenzen, als wir ahnen. Eine der folgenreichsten ist die Wahl der Blumenerde. Ein Großteil der im Handel erhältlichen Erden basiert auf Torf. Was viele nicht wissen: Mit jedem Sack torfhaltiger Erde tragen wir zur Zerstörung eines der wertvollsten und am stärksten bedrohten Ökosysteme der Welt bei – der Moore. Als Ökosystem-Manager ist es unsere Verantwortung, diesen zerstörerischen Kreislauf zu durchbrechen.

Moore sind gigantische Kohlenstoffspeicher. Intakte Moore binden weltweit mehr CO₂ als alle Wälder zusammen. Werden sie für den Torfabbau trockengelegt, entweicht dieser Kohlenstoff in die Atmosphäre und heizt den Klimawandel an. Aktuelle Berechnungen des BUND zeigen, dass allein in Deutschland durch die Entwässerung von Mooren und den Torfabbau jährlich 42 Millionen Tonnen CO2 freigesetzt werden. Das entspricht fast fünf Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. Die Zerstörung ist dramatisch und quasi unumkehrbar: Der Abbau von nur zwei Metern Torf vernichtet ein Naturwerk von 2.000 bis 5.000 Jahren.

Die gute Nachricht ist, dass es längst hochwertige und leistungsfähige Alternativen gibt. Torffreie Erden basieren auf nachwachsenden Rohstoffen und recycelten Materialien aus der Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören:

  • Reifer Kompost als Nährstofflieferant
  • Rindenhumus für eine gute Wasser- und Nährstoffspeicherung
  • Holzfasern zur Belüftung des Substrats
  • Kokosfasern oder Perlit zur Verbesserung der Struktur
Verschiedene Komponenten zum Mischen torffreier Erde auf einem Gartentisch

Indem Sie beim Kauf konsequent auf das Siegel „torffrei“ achten, senden Sie ein klares Signal an die Industrie und schützen aktiv Klima und Artenvielfalt. Es ist eine der einfachsten und zugleich wirkungsvollsten Entscheidungen, die Sie für einen wirklich nachhaltigen Garten treffen können. Der Verzicht auf Torf ist ein Bekenntnis zum Systemdenken im globalen Maßstab, bei dem der eigene Garten nicht isoliert, sondern als Teil eines weltumspannenden Netzwerks betrachtet wird.

Wie bauen Sie eine Bienentränke, in der die Insekten nicht ertrinken?

Wasser ist für Insekten ebenso überlebenswichtig wie für uns Menschen. Bienen, Schwebfliegen und andere Nützlinge benötigen es nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Kühlung des Stocks und zur Herstellung von Larvenfutter. Doch viele gut gemeinte Wasserstellen wie tiefe Vogeltränken oder Regentonnen werden für sie zur tödlichen Falle. Eine sichere Insektentränke zu bauen, ist ein kleines, aber entscheidendes Detail im Management des Garten-Ökosystems, das die Anwesenheit von Bestäubern signifikant fördern kann.

Das Hauptproblem ist die Oberflächenspannung des Wassers. Landet ein kleines Insekt auf einer offenen Wasserfläche, kann es diese oft nicht mehr überwinden und ertrinkt. Eine sichere Tränke muss daher immer ausreichend Lande- und Ausstiegshilfen bieten. Eine flache Schale, gefüllt mit Steinen, Murmeln, Moos oder kleinen Ästen, ist ideal. Die Insekten können auf den trockenen Oberflächen landen und sicher vom Wasserfilm trinken, der sich dazwischen bildet. Wichtig ist, das Wasser regelmäßig zu erneuern, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern.

Stehendes Wasser in Tränken kann zu einer Brutstätte für Pathogene werden, die sowohl für Vögel als auch für Insekten gefährlich sind.

– NABU Expertenteam, NABU Ratgeber Nützlinge

Ein weiterer Profi-Tipp ist die Anlage eines sogenannten „Mineralien-Lecksteins“. Viele Insekten, insbesondere Schmetterlinge und Bienen, benötigen zur Deckung ihres Mineralhaushalts nicht nur reines Wasser, sondern auch gelöste Salze und Mineralien. Ein kleiner, dauerhaft feucht gehaltener Bereich mit Sand oder Lehm neben der eigentlichen Tränke wird von den Tieren gerne zur Mineralienaufnahme genutzt. Mit dem folgenden Plan können Sie eine perfekte und sichere Wasserstelle einrichten.

Aktionsplan: Eine sichere Insektentränke einrichten

  1. Standort und Material wählen: Platzieren Sie eine flache, glasierte Keramikschale (max. 3 cm tief) an einem sonnigen, windgeschützten Ort in der Nähe von Blühpflanzen.
  2. Landeplätze schaffen: Füllen Sie die Schale dicht mit Kieselsteinen, Moos, Korken oder Murmeln, sodass immer trockene Oberflächen aus dem Wasser ragen.
  3. Wasserstand kontrollieren: Füllen Sie nur so viel Wasser ein, dass die Landehilfen nicht vollständig untergetaucht sind und die Insekten nicht ertrinken können.
  4. Hygiene sicherstellen: Wechseln Sie das Wasser alle zwei bis drei Tage komplett aus, um die Bildung von Algen und die Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern.
  5. Mineralienbar anbieten: Legen Sie direkt neben der Schale eine kleine, feuchte Sand-Lehm-Fläche an, um den Insekten eine zusätzliche Quelle für wichtige Mineralstoffe zu bieten.

Steinkorb oder Lebensraum: Wie machen Sie die Mauer für Eidechsen und Insekten attraktiv?

Mauern im Garten sind oft rein funktionale oder ästhetische Elemente zur Abgrenzung oder Hangsicherung. Besonders moderne Gabionen (Steinkörbe) sind zwar pflegeleicht, aber ökologisch meist steril. Eine traditionelle Trockenmauer hingegen kann zu einem Hotspot der Artenvielfalt werden – ein vertikales Lebensraum-Mosaik, das speziell wärmeliebenden Tieren wie Eidechsen, Kröten und einer Vielzahl von Wildbienen und Spinnen ein Zuhause bietet. Die Umwandlung einer leblosen Barriere in ein lebendiges Strukturelement ist ein Paradebeispiel für intelligentes Ökosystem-Management.

Der Schlüssel liegt in der Strukturvielfalt. Während die Steine in einer Gabione meist eine einheitliche Größe haben und dicht gepackt sind, wird eine Trockenmauer ohne Mörtel aus unterschiedlich großen Natursteinen aufgeschichtet. Dadurch entstehen unzählige Hohlräume, Spalten und Nischen in verschiedenen Größen. Diese dienen Eidechsen und Erdkröten als Sonnenplatz, Versteck vor Fressfeinden und frostfreies Winterquartier. Viele spezialisierte Wildbienenarten nutzen die sonnenwarmen Spalten als Nistplatz, und Spinnen weben hier ihre Netze zum Insektenfang.

Um den ökologischen Wert einer solchen Mauer zu maximieren, können gezielt weitere Elemente integriert werden. Kleine, mit Sand gefüllte „Linsen“ zwischen den Steinen dienen grabenden Insekten und Eidechsen als Eiablageplatz. Die Mauerkrone kann mit trockenheitsliebenden und polsterbildenden Pflanzen wie Mauerpfeffer, Hauswurz oder Zimbelkraut bepflanzt werden. Diese bieten nicht nur Nektar, sondern stabilisieren mit ihren Wurzeln auch die Struktur. Eine südliche Ausrichtung ist ideal, da die Steine die Sonnenwärme speichern und ein warmes Mikroklima schaffen, das für Reptilien überlebenswichtig ist. Durch die Integration von Totholzstücken in die Mauerstruktur wird das Nahrungsangebot für insektenfressende Tiere zusätzlich erhöht.

Das Wichtigste in Kürze

  • System vor Einzelteil: Ein funktionierender Kreislauf (Totholz, Kompost) ist wirksamer als isolierte Elemente wie Insektenhotels.
  • Ganzjährig denken: Sorgen Sie für ein durchgehendes Nahrungs- und Lebensraumangebot für Vögel und Insekten, nicht nur saisonal.
  • Ressourcen schonen: Eine Blumenwiese und torffreie Erde sparen Wasser, Arbeit und schützen gleichzeitig Klima und Artenvielfalt.

Wie legen Sie ein "Trachtfließband" an, das Bienen von März bis Oktober ernährt?

Nachdem wir die fundamentalen Lebensräume wie Totholz, Wiese und Mauern geschaffen haben, folgt der letzte und entscheidende Schritt im Management unseres Garten-Ökosystems: die Sicherstellung einer lückenlosen Nahrungsversorgung für Bestäuber. Wissenschaftliche Studien belegen, dass fast 80 Prozent aller Pflanzen auf Insektenbestäubung angewiesen sind. Ohne Bienen, Hummeln und Schwebfliegen bricht nicht nur die Obst- und Gemüseernte ein, sondern das gesamte Ökosystem gerät ins Wanken. Die Lösung ist ein sogenanntes „Trachtfließband“ – eine durchdachte Abfolge von blühenden Pflanzen, die von den ersten warmen Tagen im Februar bis in den späten Herbst hinein kontinuierlich Nektar und Pollen liefert.

Viele Gärten erleben eine Blütenexplosion im Mai und Juni, fallen davor und danach aber in eine „Trachtlücke“. Genau diese Lücken sind für Bienenvölker fatal. Besonders kritisch sind das frühe Frühjahr, wenn die Völker aus dem Winter kommen und dringend Nahrung für die erste Brut benötigen, und der Spätsommer/Herbst, wenn die Winterbienen herangezogen werden. Ein Ökosystem-Manager plant daher gezielt Pflanzen für diese Zeitfenster. Kornelkirsche und Winterlinge im Februar, Sal-Weiden im März sowie Efeu und Astern im September/Oktober sind oft wertvoller als hunderte Rosen im Juni.

Die Anlage eines Trachtfließbandes ist die hohe Kunst des Gärtnerns im Kreislauf. Es verbindet alle zuvor besprochenen Elemente. Die Blumenwiese liefert die Sommermonate über Nahrung, die bepflanzte Trockenmauer bietet Pollen an heißen Standorten und die heimischen Sträucher im Totholz-Bereich sind die wichtigsten Lieferanten im Frühjahr. Der folgende Blühkalender dient als Leitfaden für die Planung eines lückenlosen Nahrungsangebots in deutschen Gärten.

Blühkalender für einen bienenfreundlichen deutschen Garten
Monat Bäume/Sträucher Stauden/Zwiebeln Nektar/Pollenwert
Februar Kornelkirsche, Hasel Winterling, Schneeglöckchen Hoch
März Sal-Weide Krokus, Blaustern Sehr hoch
April Ahorn, Schlehe Traubenhyazinthe Hoch
Mai-Juni Weißdorn, Linde Phacelia, Borretsch Sehr hoch
Juli-August Sommerlinde Sonnenblume, Lavendel Mittel-Hoch
Sept-Oktober Efeu Astern, Fetthenne Kritisch wichtig

Mit dieser strategischen Bepflanzung schließen Sie den Kreis und verwandeln Ihren Garten endgültig in ein stabiles, produktives und faszinierendes Ökosystem, das sich zu großen Teilen selbst reguliert und Ihnen eine reiche Ernte und unzählige Naturbeobachtungen schenkt.

Die Planung eines durchgehenden Blühangebots ist der letzte Baustein, um Bienen und andere Bestäuber von März bis Oktober zu ernähren.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihren Garten nicht nur als Ansammlung von Pflanzen, sondern als lebendiges System zu betrachten. Jeder Schritt hin zu mehr Strukturvielfalt und einem geschlossenen Kreislauf wird mit mehr Leben und weniger Problemen belohnt.

Geschrieben von Sophie Lang, Gärtnermeisterin und Pflanzplanerin für naturnahe Gärten. Expertin für Biodiversität, Klimaanpassung und ganzjährige Beetgestaltung.