Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Die Lösung für Trockenheit im Garten ist nicht mehr zu gießen, sondern ein System zu schaffen, das ohne künstliche Bewässerung auskommt.
  • Sand im Boden ist kein Mangel, sondern die Grundlage für tief wurzelnde, trockenheitstolerante Pflanzen nach dem Vorbild nordamerikanischer Prärien.
  • Die richtige Kombination aus Stauden und mineralischem Mulch schafft eine sich selbst regulierende Pflanzengemeinschaft, die Dürreperioden übersteht.
  • Seltenes, aber tiefes Gießen in der Anfangsphase trainiert die Pflanzen, sich selbst zu versorgen und macht sie langfristig unabhängig von der Gießkanne.

Die Sommer in Deutschland werden heißer, die Trockenperioden länger. Viele Gartenbesitzer stehen vor derselben frustrierenden Realität: Der Rasen verbrennt, die Blumen lassen die Köpfe hängen und die einst grüne Oase verwandelt sich in eine Steppenlandschaft – trotz täglichen Gießens und ständiger Sorge. Regionale Wasserrestriktionen verschärfen das Problem zusätzlich und machen die Gießkanne zu einem Luxusgut. Die übliche Reaktion ist oft, nach einzelnen „hitzetoleranten“ Pflanzen zu suchen und zu hoffen, dass diese es schon irgendwie schaffen werden. Man pflanzt Lavendel neben eine Rose und wundert sich, warum eine der beiden eingeht.

Doch was, wenn das ständige Kämpfen gegen die Trockenheit der falsche Ansatz ist? Was, wenn die Lösung nicht darin liegt, einzelne Überlebenskünstler zu finden, sondern ein ganzes, in sich geschlossenes Ökosystem zu etablieren, das mit Trockenheit nicht nur umgehen kann, sondern darin aufblüht? Der Schlüssel liegt im sogenannten Prärie-Prinzip, einer Gartenphilosophie, die sich an den robusten Pflanzengemeinschaften der nordamerikanischen Steppen orientiert. Es geht darum, die Bedingungen dieses Lebensraums – mineralische, durchlässige Böden und eine kluge Pflanzenauswahl – gezielt im eigenen Garten nachzubilden.

Dieser Artikel ist Ihr strategischer Leitfaden, um von der reaktiven Schadensbegrenzung zur proaktiven Gestaltung eines dürreresistenten Gartens zu gelangen. Wir werden die verbreiteten Mythen über Boden und Bewässerung entkräften und Ihnen zeigen, wie Sie eine stabile und pflegeleichte Pflanzengemeinschaft aufbauen. Sie lernen, den Boden als Verbündeten zu sehen, die Sprache Ihrer Pflanzen zu verstehen und eine Mulchschicht zu wählen, die Ihre Stauden schützt, anstatt sie zu schädigen. Das Ziel: ein Garten, der auch nach vier Wochen ohne Regen noch voller Leben ist.

In den folgenden Abschnitten führen wir Sie Schritt für Schritt durch dieses Konzept. Von der fundamentalen Bedeutung des Bodens über die intelligente Kombination von Pflanzen bis hin zur richtigen Bewässerungstechnik und der legalen Gestaltung eines blühenden Kiesbeetes – hier finden Sie das gesamte Wissen für Ihren Garten der Zukunft.

Warum hilft ausgerechnet Sand im Boden gegen Trockenstress bei Pflanzen?

Die landläufige Meinung besagt, ein guter Gartenboden müsse reich an Humus und Nährstoffen sein, um Wasser zu speichern. Für ein durstiges Gemüsebeet mag das stimmen, doch für ein trockenheitstolerantes Staudenbeet ist dies ein fataler Irrtum. Die Helden der Trockenheit – Präriestauden, Steppenpflanzen – hassen nichts mehr als „nasse Füße“. Ein schwerer, lehmiger Boden, der Wasser lange hält, führt bei ihnen im Winter schnell zu Wurzelfäule. Genau hier kommt Sand ins Spiel. Er ist nicht das Problem, sondern die Lösung. Sand sorgt für exzellente Drainage.

Sandige Böden zwingen Pflanzen dazu, auf der Suche nach Wasser tief zu wurzeln. Anstatt ein flaches, oberflächliches Wurzelnetz zu bilden, das bei der ersten Hitzewelle austrocknet, treiben sie ihre Wurzeln meterweit in kühlere, feuchtere Erdschichten vor. Sandkörner schaffen Poren im Boden, die nicht nur Wasser schnell abfließen lassen, sondern auch Luft an die Wurzeln bringen – ein entscheidender Faktor für ein gesundes Bodenleben. Die Beimischung von Sand oder feinem Kies zu einem lehmigen Boden ist daher die wichtigste vorbereitende Maßnahme für ein Präriebeet. Sie schaffen damit die Lebensgrundlage für eine Pflanzengemeinschaft, die sich selbst versorgen kann.

Makroaufnahme von Sandkörnern gemischt mit dunklem Humus und feinen Pflanzenwurzeln, die sich hindurchschlängeln

Diese Strategie ist keine reine Theorie, sondern wird in professionellen Gärten längst erfolgreich praktiziert. Der renommierte Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim ist ein Paradebeispiel. Gartenleiter Cassian Schmidt fasst das Konzept dort so zusammen: „Wir testen Pflanzengemeinschaften, die nicht gewässert werden und trotzdem robust sind“. Die Basis für diese erfolgreichen Experimente ist oft ein durchlässiger, mineralischer Boden, der die Etablierung dauerhafter und pflegearmer Pflanzungen erst ermöglicht. Indem Sie die Bodenstruktur anpassen, legen Sie den Grundstein für einen Garten, der Dürre nicht nur überlebt, sondern liebt.

Sonnenhut und Fetthenne: Wie kombinieren Sie Pflanzen, die wenig Durst haben?

Ein dürreresistenter Garten ist weit mehr als eine Ansammlung einzelner Trockenkünstler. Es ist eine sorgfältig komponierte Pflanzengemeinschaft, in der verschiedene Arten zusammenwirken, den Boden beschatten und ein stabiles Ganzes bilden. Der Fehler vieler Gärtner ist es, nur auf die Blüte zu achten. Ein funktionierendes Präriebeet hingegen bietet zu jeder Jahreszeit Struktur, Textur und ökologischen Nutzen. Die Kunst liegt darin, Pflanzen mit ähnlichen Standortansprüchen, aber unterschiedlichen Wuchsformen und Blütezeiten zu kombinieren.

Denken Sie in Schichten: Hohe Gräser wie das Reitgras (Calamagrostis) oder die Rutenhirse (Panicum) bilden das vertikale Gerüst und sorgen für Winterstruktur. Dazwischen setzen Sie flächig wachsende, robuste Stauden wie die Katzenminze (Nepeta) oder den Storchschnabel (Geranium sanguineum), die den Boden schnell bedecken und so die Verdunstung reduzieren. Als Höhepunkte dienen dann die prächtigen Blütenstauden wie der Sonnenhut (Rudbeckia), die Schafgarbe (Achillea) oder die Prachtscharte (Liatris). Wichtig ist, dass die Pflanzen passend zum Standort ausgewählt werden, denn nur dann muss nach der Einwachsphase nicht mehr gegossen werden. Das Ergebnis ist ein dynamisches, naturnahes Bild, das Bienen, Schmetterlinge und Vögel anzieht.

Die folgende Matrix zeigt beispielhaft, wie Sie vier klassische Trockenheitskünstler kombinieren können, um über die Saison hinweg ein attraktives und nützliches Beet zu gestalten.

Vier-Jahreszeiten-Matrix für trockenheitstolerante Stauden
Pflanze Blütezeit Höhe Winteraspekt Insektennutzen
Sonnenhut (Rudbeckia) Juli-Oktober 60-80cm Samenstände für Vögel Bienen, Schmetterlinge
Fetthenne (Sedum) August-Oktober 30-50cm Strukturgebend Späte Nektarquelle
Katzenminze (Nepeta) Mai-September 30-40cm Graugrün Bienenmagnet
Schafgarbe (Achillea) Juni-September 50-70cm Trockene Dolden Wildbienen
Präriekerze (Gaura) Juni-Oktober 80-100cm Filigran Nachtfalter

Diese Tabelle von Spezialisten für hitzeverträgliche Stauden ist ein gutes Werkzeug. Sie zeigt, dass die Kombination von Sonnenhut und Fetthenne nicht nur optisch funktioniert, sondern auch eine durchgehende Nahrungsquelle für Insekten von Mai bis Oktober schafft, während ihre Samenstände im Winter Vögeln Nahrung und dem Auge Struktur bieten.

Der Fehler des täglichen „Nippens“: Warum seltenes, tiefes Gießen besser ist

Die häufigste und zugleich schädlichste Angewohnheit vieler Gärtner ist das tägliche, oberflächliche Gießen. Dieses „Nippen“ benetzt nur die obersten Zentimeter des Bodens und erzieht die Pflanzen zu Faulheit. Sie bilden ein flaches Wurzelnetz direkt unter der Oberfläche, genau dort, wo die Erde am schnellsten austrocknet. Bei der ersten Hitzewelle kollabiert dieses System. Die richtige Methode ist das genaue Gegenteil: selten, aber durchdringend wässern. Dies simuliert einen kräftigen Sommerregen und zwingt die Wurzeln, dem Wasser in die Tiefe zu folgen, wo der Boden auch bei Hitze länger kühl und feucht bleibt.

Gerade in Zeiten zunehmender Wasserknappheit ist diese Methode nicht nur pflanzenschonend, sondern auch ressourcensparend. Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man bedenkt, dass laut einer Erhebung zu kommunalen Wasserrestriktionen bereits annähernd 30 Landkreise in Deutschland im Jahr 2022 die private Wassernutzung einschränkten. Effizientes Gießen ist also kein Hobby mehr, sondern eine Notwendigkeit. Im etablierten Präriebeet wird das Gießen zur absoluten Ausnahme, die nur in extremsten, wochenlangen Dürreperioden nötig wird. Der Weg dorthin erfordert in den ersten beiden Jahren eine klare Strategie.

Seitliche Ansicht zweier Pflanzenwurzelsysteme: links flache Wurzeln durch tägliches Nippen, rechts tiefe Wurzeln durch seltenes, tiefes Gießen

Das Ziel ist, die Pflanzen schrittweise von der künstlichen Bewässerung zu entwöhnen und ihre natürliche Fähigkeit zur Selbstversorgung zu aktivieren. Der folgende Plan dient als Fahrplan für die kritische Anwachsphase und legt den Grundstein für einen zukünftig gießfreien Garten.

Ihr Fahrplan zur Gieß-Unabhängigkeit

  1. 1. Jahr – Etablierungsphase: Gießen Sie wöchentlich durchdringend mit ca. 20-30 Litern pro Quadratmeter. So stellen Sie sicher, dass das Wasser tief in den Boden eindringt.
  2. 2. Jahr – Übergangsphase: Reduzieren Sie die Frequenz. Gießen Sie nur noch alle 10-14 Tage bei ausbleibendem Regen, aber weiterhin mit der gleichen, großen Wassermenge.
  3. Ab dem 3. Jahr – Autonomiephase: Die Pflanzen sind etabliert. Gießen Sie nur noch in extremen, wochenlangen Trockenperioden, um die Pflanzen vor permanenten Schäden zu bewahren.
  4. Der richtige Zeitpunkt: Gießen Sie immer morgens statt abends. Nasse Blätter über Nacht fördern Pilzkrankheiten und locken Schnecken an.
  5. Die Goldene Regel: Merken Sie sich: Lieber selten und viel als oft und wenig. Nur so fördern Sie die entscheidende tiefe Wurzelbildung für einen dürreresistenten Garten.

Wann lässt die Pflanze die Blätter hängen als Schutz und wann stirbt sie?

An einem heißen Sommertag ist der Anblick welker Blätter alarmierend. Viele Gärtner greifen dann sofort zur Gießkanne. Doch das ist oft ein Fehler. Pflanzen sind intelligent und verfügen über Schutzmechanismen. Das Hängenlassen der Blätter zur Mittagszeit ist häufig eine solche Strategie, die sogenannte reversible Welke. Die Pflanze reduziert damit die Oberfläche, die der prallen Sonne ausgesetzt ist, und minimiert so die Verdunstung. Es ist ein vorübergehender Energiesparmodus. Wenn sich die Pflanze am Abend oder am nächsten Morgen von selbst wieder aufgerichtet hat, bestand keine akute Gefahr. Voreiliges Gießen in dieser Phase würde das Wurzelsystem nur verwöhnen.

Der kritische Punkt ist erreicht, wenn die Blätter auch in den kühleren Morgenstunden schlaff bleiben. Dies deutet auf einen permanenten Welkepunkt hin – der Moment, in dem die Pflanze nicht mehr genug Wasser aus dem Boden ziehen kann, um ihre Zellen prall zu halten. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt, aber immer noch mit Bedacht. Ein untrügliches Zeichen für echten, gefährlichen Trockenstress sind Blätter, die nicht nur welk, sondern auch trocken, brüchig und braun an den Rändern werden. An diesem Punkt beginnt die Pflanze, Teile von sich absterben zu lassen, um ihr Überleben zu sichern.

Anwendungsfall: Reversible vs. Irreversible Welke

Eine entscheidende Fähigkeit für Gärtner im Klimawandel ist laut Experten die Unterscheidung zwischen reversibler Welke und irreversibler Schädigung. Während sich eine Hortensie bei Hitze schnell hängen lässt und sich nach einem Guss Wasser erholt, zeigen viele Trockenheitsspezialisten wie Fetthennen (Sedum) oder Wolfsmilchgewächse (Euphorbia) erst sehr spät Stresssymptome. Ihr sukkulentes Gewebe speichert Wasser über lange Zeit. Wenn diese Pflanzen welken, ist der Wassermangel oft schon weit fortgeschritten und ein Eingreifen dringend erforderlich. Die Beobachtung der individuellen Reaktionen Ihrer Pflanzen ist daher unerlässlich.

Die Faustregel lautet: Beobachten Sie die Pflanze am Abend und am frühen Morgen. Erholt sie sich von selbst, ist alles in Ordnung. Bleibt sie welk oder zeigen sich trockene Blattränder, ist es Zeit für einen tiefen, durchdringenden Guss Wasser direkt an die Wurzel. So lernen Sie, die Signale Ihrer Pflanzen richtig zu deuten und nur dann einzugreifen, wenn es wirklich nötig ist.

Warum ist mineralischer Mulch bei Trockenstauden besser als Rindenmulch?

Rindenmulch ist der Standard in den meisten deutschen Gärten. Er unterdrückt Unkraut und hält Feuchtigkeit im Boden – perfekt für schattenliebende Waldstauden. Für ein sonniges Präriebeet ist er jedoch oft kontraproduktiv. Rindenmulch und andere organische Materialien zersetzen sich und setzen dabei kontinuierlich Nährstoffe frei. Das führt zu einem mastigen, weichen Wuchs bei Steppenpflanzen, macht sie anfälliger für Krankheiten und lässt sie bei Sturm leicht umknicken. Zudem kann eine dicke Schicht Rindenmulch bei Starkregen Wasser aufsaugen wie ein Schwamm und den Boden darunter zu lange feucht halten, was die gefürchtete Wurzelfäulnis begünstigt.

Hier kommt der mineralische Mulch ins Spiel – also Kies, Splitt oder Lavaschotter in einer Körnung von etwa 8/16 mm. Er hat entscheidende Vorteile für Trockenbeete:

  1. Perfekte Drainage: Wasser fließt sofort durch die Mulchschicht in den Boden ab. Die empfindlichen Wurzelhälse der Stauden bleiben trocken und sind vor Fäulnis geschützt.
  2. Keine Nährstoffanreicherung: Mineralischer Mulch zersetzt sich nicht. Der Boden bleibt mager, genau wie es Präriestauden für einen kompakten, standfesten Wuchs benötigen.
  3. Wärmespeicher: Die Steine heizen sich tagsüber auf und geben die Wärme nachts wieder ab. Das schafft ein Mikroklima, das viele mediterrane und Steppenpflanzen lieben.
  4. Unkrautschutz: Eine ausreichend dicke Schicht unterdrückt das Keimen von Unkrautsamen sehr effektiv, ohne die Bodenbiologie durch Zersetzungsprozesse zu stören.

Der Wechsel von organischem zu mineralischem Mulch ist ein fundamentaler Schritt im Umdenken hin zum Präriegarten. Sie hören auf, Ihre Pflanzen zu „füttern“ und schaffen stattdessen die kargen, trockenen Oberflächenbedingungen, unter denen sie von Natur aus am besten gedeihen. Es ist die Simulation des natürlichen Lebensraums, die den Garten langfristig stabil und pflegeleicht macht.

Wie viele Zentimeter Mulch sind nötig, um Unkraut effektiv zu unterdrücken?

Die Wirksamkeit einer Mulchschicht – egal ob organisch oder mineralisch – hängt entscheidend von ihrer Dicke ab. Eine zu dünne Schicht ist reine Dekoration und bietet Unkrautsamen genügend Licht zum Keimen. Eine zu dicke Schicht kann bei organischem Mulch zu Sauerstoffmangel im Boden führen. Bei mineralischem Mulch ist die richtige Dicke der Schlüssel zu einem pflegeleichten Beet. Die goldene Regel für Kies, Splitt oder Lavasplitt lautet: eine Schicht von 5 bis 8 Zentimetern ist ideal.

Warum genau diese Höhe? Eine Schicht von unter 5 cm lässt oft noch genug Licht auf die Bodenoberfläche durch, sodass lichtkeimende Unkräuter wie die Vogelmiere eine Chance haben. Zudem können sich Samen, die durch den Wind eingetragen werden (Flugsamen), in einer dünnen Schicht leichter festsetzen und bis zum nährstoffreichen Boden durchwurzeln. Eine Schicht von über 8 cm ist zwar noch effektiver gegen Unkraut, wird aber unnötig teuer und erschwert das Pflanzen von neuen Stauden erheblich.

Eine 5 bis 8 cm dicke Schicht bietet den perfekten Kompromiss:

  • Sie blockiert das Licht für im Boden schlummernde Samen effektiv.
  • Sie bildet eine trockene, für Keimlinge lebensfeindliche Oberschicht.
  • Flugsamen, die auf dem Kies landen, vertrocknen meist, bevor ihre Wurzeln den Boden erreichen.
  • Sie ist dick genug, um stabil zu liegen, ohne bei jedem Windstoß zu verwehen.

Wichtig ist, den mineralischen Mulch direkt auf den unkrautfreien, lockeren Boden aufzutragen. Auf die oft empfohlenen Unkrautvliese sollte unbedingt verzichtet werden. Sie zersetzen sich mit der Zeit, behindern den Gasaustausch und verhindern, dass sich die Stauden durch Selbstaussaat vermehren können – ein wichtiger Aspekt für die Dynamik eines naturnahen Präriebeetes.

Welche Pflanzen überleben die Hitzeabstrahlung eines Kiesbeets im Hochsommer?

Ein Beet mit mineralischem Mulch ist ein Standort der Extreme. Die Steine heizen sich in der prallen Mittagssonne stark auf und strahlen diese Wärme auch am späten Nachmittag noch ab. Temperaturen von 50-60 °C an der Oberfläche sind keine Seltenheit. Das überleben nur die härtesten Spezialisten. Pflanzen mit großen, weichen, dunkelgrünen Blättern wie Funkien (Hosta) würden hier innerhalb von Stunden „verbrennen“. Man braucht Stauden, die an solche Bedingungen perfekt angepasst sind.

Diese Überlebenskünstler haben spezielle Strategien entwickelt, um mit Hitze und Trockenheit umzugehen. Man erkennt sie oft an folgenden Merkmalen:

  • Graues oder silbernes Laub: Die feinen Härchen auf den Blättern (z.B. bei Woll-Ziest, Stachys byzantina) oder eine Wachsschicht reflektieren das Sonnenlicht und reduzieren die Verdunstung.
  • Kleine, nadelartige Blätter: Eine reduzierte Blattoberfläche, wie bei vielen mediterranen Kräutern (Lavendel, Thymian, Rosmarin), minimiert den Wasserverlust.
  • Sukkulente Eigenschaften: Fleischige Blätter und Stängel, wie bei der Fetthenne (Sedum) oder der Hauswurz (Sempervivum), dienen als Wasserspeicher.
  • Tiefe Pfahlwurzeln: Pflanzen wie die Königskerze (Verbascum) oder die Edeldistel (Eryngium) verankern sich tief im Boden, um an verborgene Wasserreserven zu gelangen.

Zu den bewährtesten Helden für ein heißes Kiesbeet gehören neben den bereits genannten: die Blauraute (Perovskia), die mit ihren silbrigen Trieben und violetten Blütenwolken begeistert, die robuste Schafgarbe (Achillea) in all ihren Farben, die anspruchslose Katzenminze (Nepeta) als unermüdlicher Dauerblüher und Bodendecker sowie verschiedene Ziergräser wie das Blauschwingelgras (Festuca glauca), dessen stahlblaue Horste wunderbare Akzente setzen. Diese Pflanzen verwandeln eine potenziell lebensfeindliche Fläche in ein lebendiges, summendes und blühendes Mosaik.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein dürreresistenter Garten basiert auf einem System (Boden, Pflanzengemeinschaft, Mulch), nicht auf einzelnen Pflanzen.
  • Mineralischer Boden und Mulch sind der Schlüssel, um die natürlichen Bedingungen eines Präriebeetes nachzubilden und die Pflanzen zu tiefen Wurzeln zu zwingen.
  • Seltenes, tiefes Gießen in den ersten beiden Jahren ist ein Training für die Pflanzen, um sie langfristig unabhängig von künstlicher Bewässerung zu machen.

Ist Ihr Kiesbeet legal oder droht ein Rückbau wegen des Schottergarten-Verbots?

Die Debatte um das „Schottergarten-Verbot“ verunsichert viele Gartenbesitzer. In den meisten deutschen Landesbauordnungen ist festgelegt, dass nicht überbaute Flächen von Grundstücken „wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und zu begrünen oder zu bepflanzen“ sind. Ein echter Schottergarten – eine Fläche, die mit Vlies abgedichtet und mit einer leblosen Schicht Schotter bedeckt ist, aus der nur wenige, vereinzelte Pflanzen ragen – verstößt klar gegen diesen Grundsatz. Er ist ökologisch wertlos, heizt sich extrem auf und lässt kein Regenwasser versickern.

Das hier vorgestellte Präriebeet oder der lebendige Kiesgarten ist jedoch das genaue Gegenteil und die perfekte, legale Antwort auf das Verbot. Es erfüllt alle Anforderungen des Gesetzgebers und geht weit darüber hinaus:

  • Es ist bepflanzt: Ein Präriegarten zeichnet sich durch eine hohe Pflanzendichte aus. Der Boden ist weitgehend von Stauden bedeckt, der Kies dient nur als Mulchschicht.
  • Es ist wasseraufnahmefähig: Da auf ein Vlies verzichtet wird, kann Regenwasser ungehindert durch die Kiesschicht in den Boden sickern und das Grundwasser anreichern.
  • Es ist ökologisch wertvoll: Die vielfältige Pflanzengemeinschaft bietet Lebensraum und Nahrung für unzählige Insekten, Vögel und andere Kleintiere. Es ist ein summendes, lebendiges Ökosystem.

Der entscheidende Unterschied liegt also in der Intention und der Ausführung. Während der Schottergarten auf die Vermeidung von Leben und Arbeit abzielt, zelebriert der Kiesgarten das robuste Leben unter trockenen Bedingungen. Er ist nicht „versiegelt“, sondern offen und dynamisch. Wenn Sie also ein Beet mit mineralischem Mulch anlegen, das dicht mit trockenheitstoleranten Stauden bepflanzt ist, schaffen Sie keinen illegalen Schottergarten, sondern einen modernen, nachhaltigen und ästhetisch ansprechenden Garten, der perfekt an die Herausforderungen des Klimawandels angepasst ist. Sie gestalten eine Lösung, keinen Gesetzesverstoß.

Um die Legalität und den ökologischen Wert Ihres Projekts zu gewährleisten, ist es entscheidend, die grundlegenden Unterschiede zwischen einem toten Schottergarten und einem lebendigen Kiesgarten zu verstehen.

Beginnen Sie noch heute mit der Planung Ihres eigenen dürreresistenten Präriebeets und verwandeln Sie eine Problemzone in ein blühendes, nachhaltiges Paradies. Es ist die intelligenteste Art, Wasser zu sparen und sich an einem pflegeleichten Garten zu erfreuen, der mit jedem Sommer schöner wird.

Geschrieben von Sophie Lang, Gärtnermeisterin und Pflanzplanerin für naturnahe Gärten. Expertin für Biodiversität, Klimaanpassung und ganzjährige Beetgestaltung.