Veröffentlicht am März 15, 2024

Die wahre Entscheidung liegt nicht zwischen viel und wenig Pflege, sondern zwischen einem lebenden Material mit Charakter und einer leblosen Betonfläche.

  • Der „Pflegeaufwand“ von Naturstein ist kein Kampf gegen die Natur, sondern ein gezieltes Begleiten seiner charaktervollen Alterung (Patina).
  • Die langfristigen Kosten für Betonpflaster übersteigen durch mehrfache Erneuerung oft die einmalige Investition in einen langlebigen Granit.

Empfehlung: Wählen Sie Ihren Stein nicht nach vermeintlicher Pflegeleichtigkeit, sondern nach seinem Charakter – und lernen Sie, diesen zu verstehen und zu erhalten, anstatt ihn künstlich neu halten zu wollen.

Die Entscheidung für den Belag einer Terrasse oder Einfahrt fühlt sich oft wie ein Kompromiss an. Auf der einen Seite steht der kühle, uniforme Betonstein – praktisch, vermeintlich pflegeleicht und budgetfreundlich. Auf der anderen Seite lockt der Naturstein mit seiner einzigartigen Maserung, seiner warmen Ausstrahlung und dem Versprechen zeitloser Eleganz. Doch sofort schwingt die Sorge mit: Flecken, Verfärbungen, der gefürchtete Pflegeaufwand. Viele Gartenbesitzer fragen sich, ob die Schönheit von Travertin, Granit oder Sandstein den Preis der ständigen Instandhaltung wert ist.

Aus meiner Erfahrung als Steinmetz ist diese Frage falsch gestellt. Wir vergleichen nicht einfach zwei Materialien, sondern zwei Philosophien. Beton ist ein Industrieprodukt, das vom ersten Tag an altert und an Wert verliert. Seine „Pflegeleichtigkeit“ ist oft ein Trugschluss, der Risse, Ausbleichen und den eventuellen Komplettaustausch ignoriert. Naturstein hingegen ist ein Stück Erdgeschichte. Er „lebt“ und entwickelt über die Jahre eine lebendige Patina, die seine Geschichte erzählt. Die Frage ist also nicht, ob sich der Pflegeaufwand lohnt, sondern: Sind Sie bereit, eine Beziehung mit einem Material einzugehen, das mit Ihnen und Ihrem Garten reift und an Charakter gewinnt?

Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Debatte. Wir tauchen tief in den Charakter der Steine ein, entlarven die wahren Kosten von Beton und zeigen, dass die richtige Pflege von Naturstein kein Hexenwerk ist, sondern ein gezieltes, verständnisvolles Handeln. Es geht darum, die spezifischen Bedürfnisse jedes Steins zu kennen – von seiner chemischen Zusammensetzung bis hin zu seiner Reaktion auf deutsches Wetter – um seine Schönheit nicht nur zu bewahren, sondern für Generationen zu sichern.

In den folgenden Abschnitten werden wir die Geheimnisse der Steine lüften. Sie erfahren, warum bestimmte Steine empfindlicher sind als andere, wie man Fehler beim Verlegen vermeidet, die dauerhafte Schäden verursachen, und warum eine Granit-Einfahrt am Ende die wirtschaftlichere Wahl sein kann. Machen Sie sich bereit, Ihre Perspektive auf Stein für immer zu verändern.

Warum bekommt Kalkstein schneller Flecken als Granit?

Die Antwort auf diese Frage liegt im ureigenen Charakter der Steine, in ihrer geologischen DNA. Nicht jeder Naturstein ist gleich. Ein Granit ist der Stoiker unter den Steinen, während ein Kalkstein eher ein sensibler Künstler ist. Der entscheidende Unterschied liegt in ihrer chemischen Zusammensetzung und Porosität. Kalksteine wie der beliebte Jura oder Travertin bestehen hauptsächlich aus Kalziumkarbonat (CaCO3). Dieses Mineral ist die Achillesferse des Steins, denn es reagiert extrem empfindlich auf Säuren. Ein verschüttetes Glas Wein, saurer Regen oder sogar die Gerbsäure von feuchtem Eichenlaub können die Oberfläche anätzen und matte, helle Flecken hinterlassen. Wie Experten für Natursteinpflege bestätigen, reagiert Kalkstein mit CaCO3-Anteil innerhalb von Sekunden auf Säuren.

Granit hingegen ist ein Hartgestein, das aus Quarz, Feldspat und Glimmer besteht. Diese Mineralien sind chemisch nahezu inert und extrem hart. Säuren können ihm kaum etwas anhaben. Zudem ist seine Oberfläche viel dichter und weniger porös als die von Kalk- oder Sandstein. Das bedeutet, dass Flüssigkeiten wie Öl oder Fett kaum eindringen können. Wo ein Grillfett-Spritzer auf Kalkstein sofort einen dunklen, tiefen Fleck hinterlässt, perlt er auf einem dichten Granit zunächst ab und lässt sich oft einfach wegwischen.

Diese Unterschiede im „Stein-Charakter“ sind entscheidend für die Standortwahl und die erwartete Patina. Ein Kalkstein auf einer unüberdachten Grillterrasse unter einer Eiche ist eine Einladung für eine sehr lebhafte Fleckengeschichte. Ein Granit an derselben Stelle wird über Jahrzehnte fast unverändert bleiben. Es geht nicht um „gut“ oder „schlecht“, sondern darum, den Charakter des Steins mit den Gegebenheiten vor Ort abzugleichen.

Die folgende Tabelle zeigt, wie anfällig typische deutsche Gartensteine für alltägliche Fleckenquellen sind und verdeutlicht, warum die Wahl des Steins eine bewusste Entscheidung für eine bestimmte Art von Patina ist. Diese Analyse von einem der führenden Naturstein-Ratgeber hilft bei der vorausschauenden Planung.

Risiko-Index für typisch deutsche Gartenflecken
Fleckenart Kalkstein Granit Sandstein
Birkenpollen Hoch Niedrig Mittel
Saurer Regen Sehr hoch Sehr niedrig Mittel
Grillfett Hoch Niedrig Hoch
Eichenlaub Hoch Niedrig Mittel

Wie verlegen Sie Polygonalplatten („Bruchstein“), ohne dass es unruhig wirkt?

Polygonalplatten, oft auch als Bruchstein oder Crazy Paving bezeichnet, verkörpern den rustikalen Charme des Unregelmäßigen. Doch genau hier liegt die gestalterische Herausforderung: Wie schafft man aus einem Puzzle zufälliger Formen eine harmonische, ruhige Fläche anstatt eines chaotischen Flickenteppichs? Das Geheimnis liegt nicht im Stein selbst, sondern in der Meisterschaft der Fuge und der bewussten Anordnung. Ein erfahrener Verleger führt einen stillen Dialog mit dem Material, er „liest“ die Formen und findet für jedes Stück seinen perfekten Platz.

Der häufigste Fehler ist die Konzentration auf möglichst kleine Fugen. Das führt zu einem nervösen Gesamtbild, bei dem die Fugenlinien das Auge des Betrachters ziellos umherirren lassen. Die professionelle Technik verfolgt das Gegenteil: Eine bewusst etwas breitere, aber gleichmäßige Fugenbreite (oft 3-5 cm) beruhigt die Fläche. Die Fuge wird so vom notwendigen Übel zum eigenständigen Gestaltungselement. Eine weitere Regel aus der Gestaltung ist, lange, durchgehende Fugenlinien zu vermeiden. Stattdessen werden Kreuzfugen durch das geschickte Anlegen von T-Fugen unterbrochen, was dem Gesamtbild Stabilität und Rhythmus verleiht.

Harmonische Verlegung von Polygonalplatten mit einer durchdachten Fugenanordnung auf einer deutschen Terrasse.

Darüber hinaus hat die Art der Verfugung auch einen praktischen und finanziellen Vorteil. Wie Experten bei der Terrassenplanung empfehlen, kann eine Verlegung im Splittbett mit breiteren, mit Splitt gefüllten Fugen die Versickerungsfähigkeit der Fläche erheblich verbessern. Dies entlastet nicht nur die Kanalisation bei Starkregen, sondern kann in vielen deutschen Gemeinden zu einer Reduzierung der gesplitteten Abwassergebühr führen, da weniger versiegelte Fläche angerechnet wird. Die „unordentliche“ Platte wird so zum ökologisch und ökonomisch cleveren Belag.

Indischer Sandstein oder heimischer Jura: Was ist ökologisch vertretbar?

Die Entscheidung für Naturstein ist auch eine ethische und ökologische. Die Herkunft des Steins hat einen gewaltigen Einfluss auf seinen CO2-Fußabdruck und die sozialen Bedingungen seiner Gewinnung. Ein preisgünstiger Sandstein aus Indien mag auf den ersten Blick verlockend sein, doch sein Weg bis zur deutschen Terrasse ist oft problematisch. Er hat nicht nur einen Transportweg von rund 10.000 Kilometern hinter sich, sondern die Arbeitsbedingungen in vielen außereuropäischen Steinbrüchen sind prekär.

Hier kommt die Verantwortung des bewussten Käufers ins Spiel. Siegel wie „Fair Stone“ oder „XertifiX“ bieten eine Orientierung und garantieren die Einhaltung sozialer Mindeststandards. Wie der Naturstein-Fachverband Deutschland in seinem Leitfaden betont, ist dies ein entscheidendes Kriterium.

Die Verwendung von Fair Stone oder XertifiX zertifizierten Steinen garantiert, dass bei der Produktion keine Kinderarbeit im Spiel ist – ein entscheidendes ethisches Kriterium für deutsche Verbraucher.

– Naturstein-Fachverband Deutschland, Leitfaden für nachhaltige Natursteinbeschaffung 2024

Die ökologisch und oft auch ästhetisch überlegene Alternative ist der Griff zu heimischen oder europäischen Natursteinen. Deutschland verfügt über eine reiche Vielfalt an wunderschönen Gesteinen, deren kurze Transportwege die Umwelt schonen und die lokale Wirtschaft stärken. Die Wahl eines regionalen Steins verbindet Ihren Garten direkt mit der Geologie Ihrer Heimat.

Fallbeispiel: Landkarte deutscher Natursteine

Ein Blick auf die geologische Vielfalt Deutschlands zeigt, dass es für fast jede Region eine passende, nachhaltige Option gibt. In Bayern findet man den weltberühmten Solnhofener Plattenkalk oder den warmen Jura-Kalkstein. In NRW prägen der robuste Ruhrsandstein und die Grauwacke aus dem Bergischen Land die Architektur. Und wer könnte den ikonischen Sächsischen Sandstein aus der Sächsischen Schweiz vergessen? Die Wahl eines dieser Steine bedeutet nicht nur eine massive Reduzierung des CO2-Fußabdrucks, sondern auch eine Unterstützung regionaler Handwerksbetriebe und Steinbrüche mit hohen Umwelt- und Sozialstandards.

Der Fehler mit zementhaltigem Fugenmörtel, der Naturstein dauerhaft verfärbt

Einer der tragischsten und teuersten Fehler bei der Verlegung von Naturstein geschieht oft aus Unwissenheit: die Verwendung des falschen Fugenmörtels. Standardmäßiger, zementgrauer Mörtel ist für Betonsteine konzipiert, für viele Natursteine ist er jedoch pures Gift. Das Problem sind die im Zement enthaltenen Alkalien und löslichen Bestandteile. Bei Kontakt mit Feuchtigkeit können diese in die Poren des angrenzenden Natursteins wandern – ein Prozess, der als „Ausblühen“ oder „Randzonenverfärbung“ bekannt ist. Das Ergebnis sind hässliche, dunkle Ränder entlang der Fugen, die sich kaum oder gar nicht mehr entfernen lassen, da die Verfärbung tief im Gestein sitzt.

Besonders empfindlich reagieren helle und poröse Gesteine wie Sandstein oder bestimmte Granite. Die chemische Reaktion ist irreversibel und verwandelt eine teure, elegante Fläche in einen optischen Totalschaden. Dieser Fehler ist so gravierend, dass er rechtlich relevant ist: laut DIN 18332 – Natursteinarbeiten ist die Verwendung ungeeigneten Mörtels ein anerkannter Baumangel, der einen Gewährleistungsanspruch von 5 Jahren gegenüber dem ausführenden Betrieb begründet. Um dies zu vermeiden, müssen unbedingt spezielle, für Naturstein geeignete Fugenmörtel auf Kunstharzbasis (oft Epoxidharz) verwendet werden. Diese sind wasserundurchlässig und verhindern die schädliche chemische Migration.

Sollte es doch zu Verfärbungen durch Zementschleier oder falschen Mörtel gekommen sein, ist schnelles und korrektes Handeln entscheidend. Die folgende Checkliste bietet eine erste Orientierung für die Rettung, ersetzt aber nicht den Rat eines Fachmanns.

Ihr Notfallplan bei Zementschleier-Verfärbungen

  1. Sofortmaßnahme: Betroffene Stelle sofort mit viel klarem Wasser sättigen, um die Reaktion zu verdünnen. Keine mechanische Bearbeitung mit Bürsten, um die Pigmente nicht tiefer einzureiben.
  2. Produktwahl & Anwendung: Einen geeigneten Zementschleierentferner für den spezifischen Steintyp (säurehaltig für Granit, säurefrei für Kalkstein!) nach Herstelleranleitung auftragen.
  3. Einwirkzeit beachten: Bei Granit ca. 5-10 Minuten, bei säureempfindlichem Kalkstein die Zeit drastisch verkürzen auf nur 2-3 Minuten, um Ätzschäden zu vermeiden.
  4. Neutralisation: Nach der Einwirkzeit die Fläche mit sehr viel klarem Wasser gründlich nachspülen, um alle Reinigerreste zu entfernen. Idealerweise den pH-Wert prüfen.
  5. Nachbehandlung: Nach vollständiger Trocknung der Fläche (kann Tage dauern) den sauberen Stein mit einer passenden Imprägnierung schützen, um zukünftige Flecken zu verhindern.

Wann sollten Sie Naturstein imprägnieren und wann schadet es dem Stein?

Die Imprägnierung ist die unsichtbare Rüstung Ihres Natursteins. Sie ist keine Versiegelung, die die Poren komplett schließt und den Stein am „Atmen“ hindert. Eine gute Imprägnierung dringt in die oberen Kapillaren des Steins ein und kleidet sie aus, ohne sie zu verstopfen. Das Ergebnis: Wasser und ölige Substanzen können nicht mehr so leicht eindringen. Sie perlen an der Oberfläche ab – der sogenannte Lotus-Effekt. Dieser Schutz ist besonders bei porösen Steinen wie Kalkstein oder Sandstein in fleckengefährdeten Bereichen (Grillplatz, Essbereich) entscheidend. Er gibt Ihnen das entscheidende Zeitfenster, um Verschüttetes wegzuwischen, bevor es einen dauerhaften Fleck hinterlässt.

Doch eine Imprägnierung ist kein Allheilmittel und kann bei falscher Anwendung sogar schaden. Der häufigste Fehler ist das Imprägnieren eines feuchten oder nicht vollständig sauberen Steins. Die Feuchtigkeit wird dann unter der Imprägnierschicht eingeschlossen, was zu unschönen Flecken, Ausblühungen oder sogar Frostschäden führen kann. Der Stein muss vor der Behandlung absolut trocken sein, was je nach Wetter mehrere sonnige Tage dauern kann. Ob eine Imprägnierung noch intakt ist oder erneuert werden muss, lässt sich mit einem einfachen Test feststellen: Geben Sie etwas sauberes Wasser auf den Stein. Perlt es nach einer Minute noch ab, ist der Schutz aktiv. Zieht es sofort ein und verdunkelt den Stein, ist eine Erneuerung fällig.

Makroaufnahme des Wassertropfen-Tests: links saugt der unbehandelte Stein das Wasser auf, rechts perlt es auf der imprägnierten Oberfläche perfekt ab.

Die Notwendigkeit und Häufigkeit der Imprägnierung hängen stark vom Steintyp, der Nutzung und dem regionalen Klima ab. Ein robuster Granit in einer trockenen Region benötigt seltener eine Auffrischung als ein poröser Sandstein im feuchten norddeutschen Klima, wie eine Analyse zu Pflegemaßnahmen nahelegt.

Imprägnier-Kalender für deutsche Klimazonen
Region Klima Häufigkeit Beste Zeit
Norddeutschland Feucht, mild Alle 2-3 Jahre Mai-Juni
Süddeutschland Trocken, kontinental Alle 4-5 Jahre April-Mai
Rheinland Gemäßigt Alle 3-4 Jahre April-Juni
Ostdeutschland Kontinental Alle 3-4 Jahre Mai-Juni

Weißer Marmorkies oder grauer Granit: Was sieht nach drei Wintern noch sauber aus?

Die Wahl des Zierkieses oder Splitts folgt denselben Prinzipien wie die der Terrassenplatten: Material und Farbe bestimmen maßgeblich den Pflegeaufwand und die langfristige Ästhetik. Weißer Marmorkies, oft aus Carrara importiert, sieht im frisch angelegten Zustand strahlend und edel aus. Doch seine Schönheit ist vergänglich, besonders im feuchten deutschen Klima. Der poröse, kalkhaltige Marmor ist ein Magnet für organische Verschmutzungen. Er ist die Leinwand, auf der sich die Jahreszeiten verewigen.

Bereits nach dem ersten Herbst und Winter beginnt die Verwandlung. Feuchtes Laub hinterlässt bräunliche Gerbsäureflecken, Schattenbereiche entwickeln einen grünen Algenbelag, und Pollenflug im Frühjahr sorgt für eine gelbliche Patina. Die Reinigung ist aufwendig und oft unbefriedigend. Im Gegensatz dazu verhält sich ein grau melierter Granit- oder Basaltsplitt wesentlich unkomplizierter. Seine dunkle, gemusterte Farbe „schluckt“ die typischen Verschmutzungen optisch. Ein paar Blätter oder etwas Grünbelag fallen im Gesamtbild kaum auf. Die harte, dichte Oberfläche des Granits verhindert zudem, dass sich Schmutz festsetzt. Meist genügt gelegentliches Harken, um die Fläche frisch aussehen zu lassen.

Fallbeispiel: Deutsches Schmutzprofil und Materialwahl

Eine Analyse von typischen Verschmutzungen in deutschen Gärten zeigt ein klares Muster: feuchtes Laub im Herbst, intensiver Pollenflug im Frühjahr und Algenbildung in schattigen, feuchten Zonen. Vor diesem Hintergrund wird die Materialwahl zur strategischen Entscheidung. Weißer Marmor zeigt diese drei Verschmutzungsarten maximal an und erfordert laut Langzeiterfahrungen deutscher Gartenbesitzer oft zweimal jährlich eine intensive Reinigung, um ansehnlich zu bleiben. Ein grau melierter Granit- oder Basaltsplitt hingegen kaschiert diese Effekte durch seine natürliche Farbgebung und Struktur. Er sieht auch nach drei Wintern ohne intensive Pflege noch sauber und gepflegt aus, weil seine Patina mit der Umgebung harmoniert statt mit ihr zu kontrastieren.

Feinsteinzeug oder Beton: Was ist widerstandsfähiger gegen Streusalz?

Im Winter zeigt sich die wahre Härte eines Materials. Während Naturstein seine eigenen Regeln hat, tobt der Kampf um die Widerstandsfähigkeit oft zwischen seinen künstlichen Konkurrenten: Feinsteinzeug und Beton. Besonders beim Thema Streusalz (Natriumchlorid) trennt sich die Spreu vom Weizen. Beton, so robust er scheint, hat hier eine klare Schwäche. Seine poröse Struktur saugt die Salzlösung auf. Bei den in Deutschland typischen Frost-Tau-Wechseln gefriert das Wasser in den Poren, dehnt sich aus und sprengt winzige Partikel von der Oberfläche ab. Das Ergebnis sind unschöne Abplatzungen und eine fortschreitende Zerstörung der Oberfläche.

Feinsteinzeugplatten hingegen sind hier klar im Vorteil. Sie werden bei extrem hohen Temperaturen gebrannt, was zu einer fast vollständig geschlossenen, glasartigen Struktur (Sinterung) führt. Ihre Wasseraufnahme ist extrem gering.

Feinsteinzeug mit einer Wasseraufnahme unter 0,5% gilt nach DIN EN 1344 als beständig gegen Streusalz, während Beton durch Salzlösung und Frost-Tau-Wechsel zu Abplatzungen neigt.

– Institut für Baustoffprüfung, Technische Richtlinien für Außenbeläge 2024

Dennoch ist der Einsatz von Streusalz generell mit Vorsicht zu genießen. Die beste Strategie ist immer, Schnee und Eis mechanisch, am besten mit einer Kunststoffschaufel, zu entfernen. Wenn Rutschgefahr besteht, sind abstumpfende Mittel die umwelt- und materialschonendere Alternative. Hier ein kurzer Überblick über gängige Alternativen:

  • Splitt (2-5 mm): Sehr gute abstumpfende Wirkung, keine chemischen Schäden. Kann auf empfindlichen Oberflächen jedoch minimale Kratzer verursachen.
  • Sand: Umweltfreundlich und materialschonend, aber die Rutschhemmung ist geringer als bei Splitt.
  • Granulat aus Blähton: Leicht, umweltfreundlich und verursacht keine Oberflächenschäden. Eine hervorragende, wenn auch teurere Alternative.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Charakter des Steins diktiert die Pflege: Ein poröser Kalkstein braucht einen anderen Schutz als ein dichter Granit.
  • Die richtige Technik ist entscheidend: Korrekter Fugenmörtel und passende Fugenbreite verhindern dauerhafte Schäden und schaffen Harmonie.
  • Die Langzeitperspektive zählt: Naturstein ist in der Anschaffung teurer, aber seine Langlebigkeit macht ihn über Generationen oft zur wirtschaftlicheren Wahl gegenüber Beton.

Warum hält eine Granit-Einfahrt 100 Jahre länger als Betonpflaster?

Wir kommen zur finalen und vielleicht wichtigsten Frage: der Generationen-Perspektive. Eine Einfahrt oder Terrasse ist eine Investition, die idealerweise ein Leben lang – oder länger – halten sollte. Hier offenbart sich der fundamentalste Unterschied zwischen Naturstein und Beton. Betonpflaster hat eine kalkulierte Lebensdauer. Nach 25 bis 30 Jahren zeigen sich typischerweise Ermüdungserscheinungen: Risse, ausgeblichene Farben, Abplatzungen. Die Fläche gilt als veraltet und muss oft komplett erneuert werden. Über einen Zeitraum von 100 Jahren bedeutet das drei bis vier komplette Austauschzyklen.

Granitpflaster hingegen wird nicht für eine Generation verlegt, sondern für die Ewigkeit. Seine Härte und Dichte machen es praktisch immun gegen Witterung, Abrieb und mechanische Belastung. Die Anfangsinvestition ist zwar höher, aber es fallen über die Jahrzehnte nahezu keine Wartungs- oder Austauschkosten an. Eine auf Langzeitstudien deutscher Baustoffexperten basierende Lebenszykluskosten-Analyse zeigt, dass sich die höheren Anschaffungskosten für Granit über 100 Jahre mehr als amortisieren, da die wiederholten Kosten für den Austausch von Betonpflaster die ursprüngliche Ersparnis bei Weitem übersteigen.

Der beste Beweis für diese Langlebigkeit liegt nicht in Studien, sondern ist in den historischen Altstädten Deutschlands mit Händen zu greifen.

Fallbeispiel: Historische Granitpflasterstraßen

Besuchen Sie die UNESCO-Welterbestädte Goslar oder Quedlinburg. Die dortigen Granitpflasterstraßen stammen teilweise aus dem 13. Jahrhundert. Sie haben Hunderte von Wintern, Kriegen und den Wandel vom Pferdefuhrwerk zum modernen Autoverkehr überstanden. Nach über 700 Jahren sind sie immer noch voll funktionsfähig. Der Stein hat keine „Schäden“, sondern eine einzigartige, glatt geschliffene Patina entwickelt, die heute Teil des kulturellen Erbes ist. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich: Granit altert nicht, er reift. Er wird nicht schlechter, sondern charaktervoller.

Die Wahl zwischen Naturstein und Beton ist also keine Frage des kurzfristigen Budgets, sondern eine Entscheidung über das Vermächtnis, das Sie schaffen möchten. Es ist die Wahl zwischen einem Wegwerfprodukt und einem bleibenden Wert, zwischen einer leblosen Fläche und einem lebendigen Stück Erdgeschichte. Treffen Sie Ihre Wahl bewusst für eine Schönheit, die nicht vergeht, sondern mit jeder Jahreszeit an Tiefe gewinnt.

Geschrieben von Andreas Müller, Landschaftsarchitekt und Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau). Spezialist für Terrassenbau, Entwässerung und Lärmschutz im Außenbereich.