
Fassadenbegrünung ist keine Glückssache, sondern eine Ingenieursleistung. Richtig geplant, fungiert sie als natürliche Klimaanlage und Winterdämmung.
- Der Kühleffekt basiert auf aktiver Verdunstungskälte und Strahlungsreduktion, nicht nur auf passivem Schatten.
- Die Wahl zwischen Selbstklimmern (Efeu) und Gerüstkletterpflanzen (Wilder Wein) ist eine technische Entscheidung, die über die Gesundheit Ihres Putzes entscheidet.
Empfehlung: Prüfen Sie vorab den Zustand Ihrer Fassade und nutzen Sie die spezifischen Förderprogramme deutscher Städte, um die Investition zu optimieren.
Jeder Hausbesitzer in der Stadt kennt das Gefühl: Die Sommersonne brennt unerbittlich auf die Fassade, und am Abend strahlt die Wand eine unerträgliche Hitze ins Innere ab. Der Gedanke, diese graue, heiße Fläche in eine lebendige, grüne Oase zu verwandeln, ist verlockend. Oft hört man den pauschalen Rat, einfach Efeu zu pflanzen, denn „Grün kühlt ja“. Doch dieser gut gemeinte Tipp kratzt nur an der Oberfläche und kann im schlimmsten Fall zu teuren Bauschäden führen. Die gängigen Vorstellungen von Fassadenbegrünung schwanken zwischen romantischer Verklärung und unbegründeter Angst vor zerstörerischen Wurzeln.
Aber was wäre, wenn die wahre Lösung weder im blinden Aktionismus noch in der ängstlichen Vermeidung liegt? Was, wenn wir eine Fassadenbegrünung nicht als Dekoration, sondern als das betrachten, was sie wirklich ist: eine technische Gebäudeausrüstung? Aus der Perspektive eines Stadtplaners für grüne Infrastruktur ist eine Pflanzenwand eine dynamische, biologische Maschine. Ihre Effizienz bei der Kühlung im Sommer und der Dämmung im Winter hängt nicht vom Zufall ab, sondern von präziser Planung, standortgerechter Pflanzenauswahl und einer intelligenten, vorausschauenden Wartung. Es geht nicht darum, *ob* man begrünt, sondern *wie* man es technisch korrekt und wirtschaftlich sinnvoll umsetzt.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden technischen und finanziellen Aspekte einer funktionierenden Fassadenbegrünung. Wir analysieren die bautechnischen Unterschiede der Pflanzen, die physikalischen Prinzipien hinter der Kühl- und Dämmwirkung und die konkreten Schritte zur Umsetzung – von der Wartung in großer Höhe bis zu den lukrativen Fördermöglichkeiten, die Ihre Investition in deutsche Städten rentabel machen. Betrachten Sie Ihre Fassade nicht länger als Problemzone, sondern als Potenzial für eine hocheffiziente, natürliche Klimaanlage.
Inhaltsverzeichnis: Fassadenbegrünung als technische Gebäudeausrüstung
- Efeu oder Wilder Wein: Was zerstört Ihren Putz und was ist harmlos?
- Warum wirkt ein grüner Pelz als Puffer gegen kalte Winde?
- Wie schneiden Sie eine 10 Meter hohe Kletterpflanze ohne teures Gerüst?
- Wo bekommen Sie Zuschüsse für die Begrünung Ihrer Fassade in deutschen Großstädten?
- Wann lohnt sich eine automatische Tröpfchenbewässerung für die grüne Wand?
- Warum ist es unter einem Baum gefühlt 5 Grad kühler als unter einem Sonnenschirm?
- Das Risiko von veralgten WDVS-Fassaden: Hilft nur Chemie oder konstruktiver Schutz?
- Können Bäume und Dachbegrünung die Klimaanlage im Dachgeschoss ersetzen?
Efeu oder Wilder Wein: Was zerstört Ihren Putz und was ist harmlos?
Die Entscheidung zwischen Efeu und Wildem Wein ist weit mehr als eine ästhetische Wahl; sie ist eine fundamentale bautechnische Weichenstellung. Der weit verbreitete Glaube, dass alle Kletterpflanzen Fassaden ruinieren, ist ein Mythos, der auf einem Missverständnis ihrer Funktionsweise beruht. Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Befestigung. Efeu ist ein sogenannter Selbstklimmer, der sich mit Haftwurzeln direkt im Putz verankert. Auf einer intakten, harten und rissfreien Fassade ist dies meist unproblematisch. Finden die Wurzeln jedoch kleinste Risse oder Hohlstellen, dringen sie ein und können den Putz bei Wachstum regelrecht sprengen.
Wilder Wein hingegen gehört oft zu den Gerüstkletterpflanzen. Er nutzt Ranken, um sich an einer separaten Kletterhilfe (wie einem Drahtseilsystem oder Spalier) emporzuwinden, und hat somit keinen direkten, invasiven Kontakt mit der Putzoberfläche. Diese Methode ist für beschädigte oder empfindliche Fassaden die einzig sichere Wahl. Die falsche Entscheidung kann gravierende finanzielle Folgen haben. Eine Praxisanalyse zeigt, dass die Kosten für die Entfernung von Efeu mit anschließender Sanierung schnell eskalieren können. Laut einer Analyse können Kosten von 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter anfallen, was bei einer kleinen Fläche von 20 m² bereits eine Summe von bis zu 2.000 Euro bedeutet – Gerüstkosten nicht eingerechnet.
Diese potenziellen Folgekosten unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Vorab-Analyse. Eine professionelle Planung beginnt immer mit einer genauen Inspektion der Bausubstanz, um die standortgerechte Pflanzenauswahl zu treffen und die Fassadenbegrünung als nachhaltige technische Aufrüstung und nicht als unkalkulierbares Risiko zu gestalten.
Ihr Plan zur Fassadenprüfung vor der Bepflanzung
- Putzart bestimmen: Identifizieren Sie den Putz (z. B. Kalkzementputz, Kunstharzputz oder WDVS). Nur intakte, harte Oberflächen eignen sich für Selbstklimmer wie Efeu.
- Schäden untersuchen: Klopfen und prüfen Sie die Fassade auf Risse, Hohlstellen oder lose Putzteile und dokumentieren Sie diese.
- Pflanzenart wählen: Bei jeglichen Schäden sind Gerüstkletterpflanzen mit Rankhilfen die sichere Wahl, um den Putz zu schonen.
- Sicherheitsabstände planen: Halten Sie ausreichend Abstand zu Fenstern, Dachrinnen, Rollladenkästen und anderen technischen Installationen, um deren Funktion nicht zu beeinträchtigen.
- Haftung prüfen: Beachten Sie bei grenznaher Bepflanzung den § 910 BGB (Überhang), um Konflikte mit Nachbarn zu vermeiden.
Warum wirkt ein grüner Pelz als Puffer gegen kalte Winde?
Während der Kühleffekt im Sommer oft im Fokus steht, ist die Wirkung einer Fassadenbegrünung im Winter ein ebenso wichtiger Aspekt der energetischen Gesamtbilanz eines Gebäudes. Ein dichter, immergrüner Pflanzenbewuchs wirkt wie ein natürlicher „Pelz“ für das Haus und schützt es vor dem Auskühlen durch kalte Winterwinde. Das physikalische Prinzip dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Die Blätter und das dichte Astwerk der Pflanzenschicht bremsen die Windgeschwindigkeit direkt an der Wandoberfläche erheblich ab. Dadurch wird der konvektive Wärmeverlust – also der Abtransport von Wärme durch vorbeiströmende kalte Luft – signifikant reduziert.
Zwischen der Blätterschicht und der eigentlichen Fassade bildet sich eine weitgehend unbewegte, isolierende Luftschicht. Diese stehende Luft wirkt wie eine zusätzliche Dämmschicht, ähnlich dem Prinzip einer Thermoskanne oder eines Doppelfensters. Der U-Wert der Wand (ein Maß für den Wärmedurchgang) kann sich dadurch spürbar verbessern. Die Effektivität dieses Winter-Wärmeschutzes hängt jedoch stark von der gewählten Pflanzenart ab. Immergrüne Pflanzen wie Efeu bieten einen ganzjährigen Schutz, während sommergrüne Pflanzen wie der Wilde Wein nach dem Laubfall im Herbst nur noch eine minimale Pufferwirkung durch ihr Astwerk entfalten.

Wie die Thermografieaufnahme anschaulich zeigt, bleibt die von der Fassadenbegrünung geschützte Wand wärmer, während die ungeschützte Fläche stark auskühlt. Diese Dämmwirkung ist kein Zufall, sondern ein planbarer technischer Vorteil, der die Heizkosten senken kann, indem er die Gebäudehülle stabilisiert und vor extremen Wettereinflüssen schützt.
| Eigenschaft | Efeu (immergrün) | Wilder Wein (sommergrün) |
|---|---|---|
| Windschutz Winter | Ganzjährig wirksam | Nur durch Astwerk |
| U-Wert-Verbesserung | Bis zu 0,12 W/m²K erreichbar | Minimal im Winter |
| Dämmwirkung | Konstant durch Blätter | Reduziert ohne Laub |
| Wartungsaufwand | Jährlicher Rückschnitt | Laubbeseitigung im Herbst |
Wie schneiden Sie eine 10 Meter hohe Kletterpflanze ohne teures Gerüst?
Eine üppige, zehn Meter hohe Fassadenbegrünung ist ein beeindruckender Anblick, doch sie wirft eine entscheidende praktische Frage auf: die der Wartung. Der regelmäßige Rückschnitt ist unerlässlich, um Fenster freizuhalten, das Einwachsen in Dachrinnen zu verhindern und die Pflanze vital zu halten. Die Vorstellung, dafür alle ein bis zwei Jahre ein teures Gerüst aufbauen oder eine Hubarbeitsbühne mieten zu müssen, schreckt viele Hausbesitzer ab. Doch hier kommt das Prinzip der intelligenten Wartung ins Spiel, das auf einer klaren Kosten-Nutzen-Analyse basiert.
Für die meisten Einfamilienhäuser ist die Anschaffung von hochwertigem Teleskop-Werkzeug die wirtschaftlichste Lösung. Eine gute Teleskop-Heckenschere oder -Astsäge mit einer Reichweite von bis zu sechs Metern ist für eine einmalige Investition von 100 bis 300 Euro zu haben. Vom Boden aus oder aus einem Fenster im ersten Stock erreicht man damit problemlos Höhen von acht bis zehn Metern. Vergleicht man dies mit den Kosten für einen professionellen Gärtner mit Hubarbeitsbühne, die sich auf ca. 500 bis 800 Euro pro Tag belaufen können, oder mit Gerüstkosten von 6 bis 12 Euro pro Quadratmeter Fassadenfläche, amortisiert sich das Werkzeug bereits nach dem ersten Einsatz.
Die Arbeit in der Höhe birgt jedoch Risiken und erfordert strikte Sicherheitsvorkehrungen. Eine sichere und kosteneffiziente Pflege ist kein Widerspruch, sondern das Ergebnis guter Planung und der richtigen Ausrüstung. Es ist ein weiterer Beleg dafür, dass eine Fassadenbegrünung als durchdachtes System betrachtet werden muss, bei dem auch der Lebenszyklus und die Unterhaltskosten von Anfang an mitgedacht werden.
- Stabiler Stand: Arbeiten Sie niemals auf einer Leiter, während Sie eine Teleskopstange benutzen. Suchen Sie sich einen festen, ebenen Untergrund.
- Schutzausrüstung: Tragen Sie immer einen Schutzhelm und eine Schutzbrille, da herabfallende Äste schwere Verletzungen verursachen können.
- Abstand zu Stromleitungen: Halten Sie unbedingt einen Mindestabstand von fünf Metern zu allen elektrischen Freileitungen ein.
- Wind meiden: Führen Sie Schneidearbeiten niemals bei starkem Wind durch. Unkontrollierte Bewegungen der Stange erhöhen die Unfallgefahr drastisch.
- Sicherung durch zweite Person: Besonders bei Arbeiten in Höhen über vier Metern sollte eine zweite Person anwesend sein, um den Bereich zu sichern und im Notfall helfen zu können.
Wo bekommen Sie Zuschüsse für die Begrünung Ihrer Fassade in deutschen Großstädten?
Die Betrachtung der Fassadenbegrünung als technische Gebäudeausrüstung wird durch einen entscheidenden Faktor untermauert: die finanzielle Förderung durch deutsche Städte und Kommunen. Viele Stadtverwaltungen haben erkannt, dass private grüne Infrastruktur ein hocheffizientes Werkzeug ist, um städtische Hitzeinseln zu bekämpfen, die Luftqualität zu verbessern und das Regenwassermanagement zu unterstützen. Daher subventionieren sie die Investitionen von Hausbesitzern mit teils erheblichen Beträgen. Diese Förderungen verwandeln eine private Ausgabe in eine öffentlich mitfinanzierte Investition in die Klimaresilienz.
Die Förderlandschaft in Deutschland ist föderal geprägt und von Stadt zu Stadt unterschiedlich, doch die größten Metropolen gehen mit gutem Beispiel voran. Programme wie „GründachPLUS“ in Berlin oder „GRÜN hoch 3“ in Köln bezuschussen nicht nur die Pflanzen und Rankhilfen, sondern oft auch die notwendigen Planungsleistungen und Bewässerungssysteme. Die Zuschüsse werden meist als prozentualer Anteil der Investitionskosten oder als Festbetrag pro Quadratmeter begrünter Fläche gewährt und sind in der Regel auf einen Höchstbetrag gedeckelt. Die Beantragung erfordert eine sorgfältige Dokumentation und die Einhaltung technischer Mindeststandards, was den professionellen Charakter solcher Projekte weiter unterstreicht.

Die Existenz dieser Programme ist der beste Beweis dafür, dass eine grüne Fassade weit mehr als nur Dekoration ist. Sie ist ein anerkannter Beitrag zur städtischen Klimaanpassung, dessen Anschaffung sich durch eine kluge Wirtschaftlichkeitsberechnung und die Nutzung öffentlicher Gelder optimieren lässt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Förderprogramme in den fünf größten deutschen Städten, basierend auf einer Zusammenstellung von co2online.
| Stadt | Programm | Förderhöhe | Max. Betrag |
|---|---|---|---|
| Berlin | GründachPLUS | bis 95 €/m² | 60.000 € |
| Hamburg | Hamburger Gründachförderung | 60% der Kosten | 100.000 € |
| Köln | GRÜN hoch 3 | 50% / max. 40 €/m² | 20.000 € |
| München | Grün in der Stadt | 50% / max. 25 €/m² | 50.000 € |
| Frankfurt | Klimabonus | 50% der Kosten | 50.000 € |
Wann lohnt sich eine automatische Tröpfchenbewässerung für die grüne Wand?
Eine Fassadenbegrünung kann ihre volle Kühlleistung nur entfalten, wenn sie ausreichend mit Wasser versorgt ist. In heißen, trockenen Sommern manuell eine große Fassadenfläche zu gießen, ist nicht nur mühsam, sondern auch ineffizient. Hier stellt sich die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer automatischen Tröpfchenbewässerung. Die Antwort liegt in einer kühlen Kalkulation aus Risiko, Effizienz und Kosten. Ein automatisches System ist nicht nur eine Komfortfunktion, sondern eine Investition in die Betriebssicherheit Ihrer biologischen Klimaanlage.
Der entscheidende Faktor ist das Klima an Ihrem Standort. Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) liefern hier einen konkreten Schwellenwert: Wirtschaftlich sinnvoll wird eine automatische Bewässerung in Regionen, in denen regelmäßig mehr als 25 Sommertrockentage auftreten. An diesen Tagen ist der Stress für die Pflanzen so hoch, dass ohne zusätzliche Bewässerung nicht nur der Kühleffekt ausbleibt, sondern auch teure Pflanzenschäden drohen. Ein automatisches Tröpfchensystem minimiert dieses Risiko, indem es Wasser gezielt und verdunstungsarm direkt an die Wurzeln liefert. Dies spart bis zu 70 % Wasser im Vergleich zum Gießen mit dem Schlauch.
Die Wirtschaftlichkeit lässt sich konkret berechnen. Nehmen wir als Beispiel eine 30 m² große Fassadenbegrünung. Die Systemkosten für ein Marken-Bewässerungssystem (z.B. von Gardena oder Kärcher) belaufen sich auf ca. 800 Euro. Dem stehen jährliche Einsparungen gegenüber: etwa 150 Euro durch die höhere Wassereffizienz und geschätzte 200 Euro durch vermiedene Pflanzenverluste bei Trockenheit. Unter diesen Annahmen ist der Return on Investment (ROI) bereits nach weniger als 2,5 Jahren erreicht. Die Investition lohnt sich also immer dann, wenn das Risiko von Trockenschäden die Anschaffungskosten übersteigt und die Effizienzgewinne die Betriebskosten senken.
Warum ist es unter einem Baum gefühlt 5 Grad kühler als unter einem Sonnenschirm?
Dieses alltägliche Phänomen offenbart das zentrale Wirkprinzip, das eine Fassadenbegrünung so viel leistungsfähiger macht als eine künstliche Verschattung wie eine Markise oder ein Sonnensegel. Der Unterschied liegt in einem aktiven, physikalischen Prozess: der Verdunstungskälte (Transpiration). Während ein Sonnenschirm die Sonnenstrahlung lediglich blockiert und sich dabei selbst aufheizt, funktioniert eine Pflanze wie eine biologische Klimaanlage. Sie nimmt Wasser über die Wurzeln auf und gibt es als Wasserdampf über winzige Poren auf der Blattoberfläche wieder ab. Dieser Phasenübergang von flüssigem Wasser zu gasförmigem Dampf entzieht der Umgebungsluft Energie in Form von Wärme. Die Luft kühlt aktiv ab.
Dieser Effekt ist beachtlich. Eine gut funktionierende, vitale Fassadenbegrünung kann die Umgebungstemperatur an heißen Tagen um bis zu 5 °C senken. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der zweite, ebenso wichtige Mechanismus ist die massive Reduzierung der Wärmeeinstrahlung auf die Gebäudehülle. Eine ungeschützte Fassade absorbiert die Sonnenenergie, heizt sich auf bis zu 60-70 °C auf und gibt diese Wärme zeitverzögert an die Innenräume ab.
Eine dichte Blätterschicht fängt die Strahlung ab, bevor sie die Wand überhaupt erreicht. Wie die Verbraucherzentrale NRW in einer Analyse hervorhebt, ist dieser Effekt enorm, wie folgendes Zitat verdeutlicht:
Die dichte Belaubung kann die einfallende Strahlung auf die Wandoberfläche um bis zu 80 Prozent reduzieren. Dadurch verringert sich die Oberflächentemperatur im Vergleich zu einer unbegrünten Wand um 15 Grad Celsius.
– Verbraucherzentrale NRW, Angenehmere Temperaturen ohne Strom: Begrünung kühlt das Haus
Eine Fassadenbegrünung ist also ein Zwei-Komponenten-Kühlsystem: Sie verhindert das Aufheizen der Bausubstanz (passiver Schutz) und kühlt gleichzeitig aktiv die Umgebungsluft (aktiver Schutz). Genau diese Kombination macht sie zu einer derart effizienten natürlichen Klimaanlage.
Das Risiko von veralgten WDVS-Fassaden: Hilft nur Chemie oder konstruktiver Schutz?
Besitzer von Häusern mit modernen Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) kennen das Problem: Oft schon nach wenigen Jahren bildet sich ein unschöner grüner Belag aus Algen und Pilzen auf der Fassade. Der Grund ist physikalischer Natur: Die hochgedämmte Fassade speichert kaum Wärme. Dadurch kühlt ihre Oberfläche nachts stark ab, und Tauwasser kondensiert für viele Stunden auf dem Putz – ein idealer Nährboden für Mikroorganismen. Die gängige Lösung der Industrie sind biozide Fassadenfarben, deren Giftstoffe jedoch mit der Zeit ausgewaschen werden und die Umwelt belasten. Dies führt zu einem teuren Zyklus aus wiederkehrenden chemischen Reinigungen und Neuanstrichen.
Hier bietet die Fassadenbegrünung einen eleganten, konstruktiven Schutz. Anstatt die Symptome chemisch zu bekämpfen, beseitigt sie die Ursache. Die Blätterschicht wirkt als Puffer, der die nächtliche Abkühlung der Wandoberfläche verlangsamt. Zudem fängt das Blätterdach einen Teil des Taus und leichten Regens ab. Das Ergebnis: Die Fassadenoberfläche bleibt länger trocken, und Algen finden keine Lebensgrundlage mehr. Eine Begrünung ist somit ein permanenter, biozidfreier Algenschutz. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse zeigt, dass sich die einmalige Investition für eine Begrünung mit Rankhilfen (50-100 €/m²) im Vergleich zu wiederkehrenden Kosten für eine chemische Reinigung (20-40 €/m² alle 5-10 Jahre) nach 10-15 Jahren rechnet – bei gleichzeitigem Mehrwert durch Kühlung und Dämmung.
Die Kombination von WDVS und Begrünung erfordert jedoch eine sorgfältige technische Planung, um die Dämmebene nicht zu durchdringen und Wärmebrücken zu vermeiden. Es gibt spezielle, zertifizierte Verankerungssysteme, die genau für diesen Zweck entwickelt wurden.
- Wärmebrückenfreie Unterkonstruktion: Verwenden Sie spezielle Systeme (z.B. TEKOFIX A++), die für die Verankerung in der Dämmebene zugelassen sind und einen minimalen Chi-Wert (Wärmebrückenverlustkoeffizient) aufweisen.
- Passivhauszertifizierung: Achten Sie auf zertifizierte Systeme, um hohe Dämmstandards (U-Werte von 0,12 W/m²K und besser) zu gewährleisten.
- Planung der Ausladung: Die Distanz der Unterkonstruktion zur Wand muss je nach Pflanzenart zwischen 100 und 400 mm geplant werden.
- Bauaufsichtliche Zulassung: Stellen Sie sicher, dass das gewählte Verankerungssystem über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) verfügt.
- Regelmäßige Kontrolle: Die Befestigungspunkte sollten alle zwei Jahre auf festen Sitz überprüft werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Kühleffekt einer Fassade beruht auf aktiver Verdunstungskälte, nicht nur auf Schatten.
- Die Wahl der Pflanze (Selbstklimmer vs. Gerüstkletterer) ist eine bautechnische Entscheidung mit finanziellen Konsequenzen.
- Staatliche Förderungen in Deutschland machen die Fassadenbegrünung zu einer rentablen Investition in die Gebäudeinfrastruktur.
Können Bäume und Dachbegrünung die Klimaanlage im Dachgeschoss ersetzen?
Die Frage, ob grüne Infrastruktur eine stromfressende Klimaanlage vollständig ersetzen kann, ist für viele Hausbesitzer, insbesondere mit ausgebautem Dachgeschoss, von zentraler Bedeutung. Eine einzelne Maßnahme allein wird dies in extremen Hitzewellen oft nicht leisten können. Die wahre Stärke liegt jedoch in der systemischen Kombination verschiedener Begrünungselemente, die zusammen eine hocheffiziente, mehrstufige Kühlstrategie bilden. Anstatt nur eine Wand zu begrünen, sollten wir das gesamte Gebäude als ein Ökosystem betrachten.
Die erste und effektivste Verteidigungslinie ist die Beschattung durch strategisch gepflanzte Laubbäume. Ein Baum, der im Sommer die Süd- oder Westfassade und das Dach beschattet, kann den Energiebedarf für die Kühlung um bis zu 50 % reduzieren. Im Winter verliert er seine Blätter und lässt die wärmende Sonne an das Gebäude. Die zweite Stufe ist die Dachbegrünung, die als Hitzeschild direkt auf der am stärksten exponierten Fläche wirkt und die Oberflächentemperatur drastisch senkt. Die Fassadenbegrünung bildet die dritte Stufe, die die vertikalen Flächen kühlt und das Aufheizen der Wände verhindert.
Wenn diese drei Komponenten – Baumbeschattung, Dachbegrünung und Fassadenbegrünung – intelligent zusammenspielen, entsteht ein synergetischer Effekt. Die kombinierte Wirkung kann die Notwendigkeit einer mechanischen Klimatisierung auf ein Minimum reduzieren oder in vielen Fällen sogar ganz eliminieren. Es geht darum, die Hitze auf mehreren Ebenen abzuwehren, bevor sie überhaupt ins Gebäude eindringen kann. Die Investition in ein solches Gesamtsystem ist letztlich eine Investition in langfristige Autonomie von steigenden Energiepreisen und in dauerhaften Wohnkomfort.
Die folgende Tabelle, basierend auf Daten von mehrgruenamhaus.de, veranschaulicht die beeindruckende Kühlleistung der verschiedenen Maßnahmen, insbesondere in Kombination.
| Maßnahme | Reduktion Hitzetage >25°C | Oberflächentemperatur | Energieeinsparung Kühlung |
|---|---|---|---|
| Extensive Dachbegrünung | – | – | 10% |
| Fassadenbegrünung | 50% weniger | -15°C | – |
| Baumbeschattung | 33% weniger | – | 50% |
| Kombination aller drei | Nahezu vollständig | bis -20°C | 60-70% |
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Immobilie als ein dynamisches System zu betrachten. Analysieren Sie den Zustand Ihrer Fassade, prüfen Sie die lokalen Fördermöglichkeiten und planen Sie Ihre Fassadenbegrünung als eine gezielte, technische Investition in Ihre Lebensqualität und die Klimaresilienz Ihres Zuhauses.