Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die Legalität eines Kiesbeets hängt nicht vom Stein ab, sondern von seiner nachweisbaren ökologischen Funktion – es muss ein lebendiger Garten, keine versiegelte Fläche sein.

  • Ein „Schottergarten“ mit Vlies darunter ist meist illegal, da er den Boden versiegelt und kein Leben zulässt.
  • Ein bepflanzter „Steingarten“ mit wasserdurchlässigem Aufbau und standortgerechten Pflanzen ist nicht nur erlaubt, sondern ökologisch wertvoll.

Empfehlung: Entfernen Sie versiegelnde Folien, verbessern Sie den Boden mit Kompost und wählen Sie hitzetolerante Stauden, um aus einer Steinwüste einen blühenden, rechtskonformen Lebensraum zu machen.

Die Unsicherheit unter Gartenbesitzern in Deutschland ist groß. Man wollte einen modernen, pflegeleichten Vorgarten und hat sich für ein Kiesbeet entschieden. Doch nun machen Begriffe wie „Schottergarten-Verbot“, „Bußgelder“ und sogar „Rückbaupflicht“ die Runde. Die Angst, unwissentlich eine illegale „Steinwüste“ geschaffen zu haben, die nicht nur der Natur schadet, sondern auch rechtliche Konsequenzen nach sich zieht, ist verständlich. Viele fragen sich: Muss ich jetzt alles wieder herausreißen? Ist jeder Stein im Garten ein Problem?

Die gängige Diskussion dreht sich oft um die pauschale Verteufelung von Stein im Garten. Man hört, Schotterflächen seien Hitzefallen, Insektenwüsten und grundsätzlich pflegeintensiver als gedacht, weil sich Laub und Algen festsetzen. Diese Punkte sind zwar valide, greifen aber zu kurz. Sie führen zu dem Trugschluss, dass eine moderne, reduzierte Gartengestaltung mit mineralischen Elementen per se schlecht oder verboten sei. Doch was wäre, wenn die eigentliche Trennlinie nicht zwischen „Grün“ und „Grau“ verläuft, sondern zwischen „lebendig“ und „tot“?

Dieser Artikel bricht mit der einfachen Schwarz-Weiß-Malerei. Als Ihr erfahrener Landschaftsgärtner zeige ich Ihnen, dass der Schlüssel nicht im Verzicht auf Kies liegt, sondern im Verständnis der ökologischen Funktion. Wir tauchen tief in die rechtlichen Grundlagen ein, aber vor allem in die gärtnerische Praxis. Sie werden lernen, den entscheidenden Unterschied zwischen einer leblosen Schotterfläche und einem blühenden, legalen Steingarten zu erkennen und umzusetzen. Es geht darum, ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen, das Ästhetik, Pflegeleichtigkeit und Artenvielfalt vereint.

Wir werden gemeinsam die entscheidenden Fragen klären: von der korrekten Bodenvorbereitung über die Wahl der richtigen Steine und Pflanzen bis hin zu intelligenten Pflegemethoden. So wird aus der Sorge vor dem Verbot die Freude an einem zukunftsfähigen und wunderschönen Garten.

Warum ist ein alpiner Steingarten erlaubt, eine Schotterfläche aber verboten?

Der Kern des Problems und gleichzeitig der Schlüssel zur Lösung liegt im Gesetzestext, genauer gesagt in den Landesbauordnungen. Am Beispiel Baden-Württemberg wird es besonders deutlich. Dort heißt es unmissverständlich:

Die nichtüberbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden

– Landesbauordnung Baden-Württemberg, § 9 LBO BW

Ein „Schottergarten“ im negativen Sinne – also eine Fläche aus Schotter oder Kies, unter der ein Unkrautvlies oder eine Folie liegt – ist per Definition keine Grünfläche. Er unterbindet aktiv das Bodenleben, verhindert die Versickerung von Regenwasser und bietet Tieren und Pflanzen keinen Lebensraum. Er erfüllt keine ökologische Funktion und ist somit in vielen Bundesländern schlicht illegal. Trotzdem werden laut Schätzungen bis zu 30% der Grundstücke in Neubaugebieten teilweise mit solchen problematischen Flächen belegt.

Ein alpiner Steingarten oder ein sorgfältig angelegtes Kiesbeet verfolgt hingegen ein völlig anderes Ziel. Hier ist der Stein nicht die Füllung einer toten Fläche, sondern ein Gestaltungselement und mineralischer Mulch in einem lebendigen Pflanzsystem. Die Fläche bleibt wasserdurchlässig, der Boden darunter atmet und beherbergt Mikroorganismen. Die ausgewählten Pflanzen sind an die kargen Bedingungen angepasst und bieten Insekten Nahrung und Unterschlupf. Ein solcher Garten ist eine Grünfläche im Sinne des Gesetzes, auch wenn sein Erscheinungsbild von Steinen geprägt ist. Der Unterschied liegt also nicht im Material, sondern in der Funktion: Lebensraum statt Versiegelung.

Wie verhindern Sie Unkraut im Kies, ohne den Boden darunter „totzuversiegeln“?

Die größte Angst vieler Gartenbesitzer ist ein von Unkraut durchwuchertes Kiesbeet. Die vermeintlich einfache Lösung, ein Unkrautvlies unter die Steinschicht zu legen, ist jedoch die Ursache des Problems. Es erstickt die Bodenaktivität, verhindert den Austausch von Nährstoffen und Wasser und zerfällt über die Jahre zu Mikroplastik. Samenunkräuter wie Löwenzahn oder Birke landen von oben auf dem Kies, keimen im sich ansammelnden organischen Material und wurzeln im Vlies fest, was das Jäten zur Qual macht.

Die professionelle und legale Methode ist der Aufbau einer dynamischen Mulchschicht ohne Vlies. Der Schlüssel ist eine ausreichende Schicht mineralischen Materials (mindestens 8-10 cm Kies oder Splitt) direkt auf dem unkrautfreien, lockeren Gartenboden. Diese Schicht hat einen doppelten Effekt: Sie unterdrückt das Keimen von im Boden vorhandenen Unkrautsamen durch Lichtmangel und trocknet an der Oberfläche so schnell ab, dass anfliegende Samen kaum eine Chance haben, Wurzeln zu schlagen. Gleichzeitig bleibt der Boden darunter feucht und lebendig.

Querschnitt eines Kiesbeets mit verschiedenen Schichten ohne Vlies

Sollte sich doch einmal ein Unkraut ansiedeln, lässt es sich aus der lockeren Kiesschicht meist mit einem einzigen Zug entfernen. Die Lösung ist also nicht, den Boden zu versiegeln, sondern die Bedingungen an der Oberfläche für Unkräuter gezielt ungünstig zu gestalten, während der Boden darunter gesund bleibt. Aus einer leblosen Schotterfläche kann so ein lebendiger Trockenstandort werden, indem man den Boden mit etwas Kompost anreichert und die richtigen Pflanzen direkt in die Kiesschicht setzt.

Ihr Plan zur Umwandlung: Audit für ein lebendiges Kiesbeet

  1. Kontaktpunkte prüfen: Inspizieren Sie alle Bestandteile – Steine, eventuell vorhandene Pflanzen und den Boden darunter. Gibt es Anzeichen von Leben (Würmer, Insekten) oder ist der Boden verdichtet und tot?
  2. Bestandsaufnahme machen: Inventarisieren Sie, was da ist. Gibt es ein Vlies? Wenn ja, in welchem Zustand ist es? Welche Unkräuter wachsen (Samen- oder Wurzelunkräuter)?
  3. Kohärenz bewerten: Passen die vorhandenen Bedingungen (Sonneneinstrahlung, Bodenart) zu einem Kiesgarten? Konfrontieren Sie den Ist-Zustand mit dem Ziel eines lebendigen Ökosystems.
  4. Lebendigkeit messen: Ist die Fläche wasserdurchlässig? Testen Sie mit einer Gießkanne. Beobachten Sie, ob Insekten die Fläche besuchen. Fehlt Leben komplett, ist das ein klares Alarmsignal.
  5. Integrationsplan erstellen: Priorisieren Sie die nächsten Schritte. An erster Stelle steht meist: Vlies restlos entfernen, Boden lockern und mit Kompost beleben, dann erst standortgerechte Pflanzen einsetzen.

Weißer Marmorkies oder grauer Granit: Was sieht nach drei Wintern noch sauber aus?

Die Wahl des Steins ist weit mehr als eine Geschmacksfrage. Sie hat massive Auswirkungen auf den Pflegeaufwand, die Langlebigkeit der Ästhetik und die ökologische Bilanz Ihres Gartens. Gerade in unserem feuchten Klima in Deutschland ist die Neigung zur Algen- und Moosbildung ein entscheidender Faktor. Strahlend weißer Marmorkies mag im ersten Sommer luxuriös aussehen, doch seine poröse, kalkhaltige Oberfläche ist ein idealer Nährboden für Algen. Schnell überzieht ihn ein unansehnlicher grüner Schleier, der nur mit hohem Aufwand – oder Chemie – zu entfernen ist.

Hand aufs Herz: Die Praxis zeigt, dass harte, wenig poröse Gesteinsarten wie Granit, Basalt oder Quarzit deutlich widerstandsfähiger sind. Ihre glattere Oberfläche bietet Algen und Moosen kaum Halt. Ein grauer Granitsplitt sieht auch nach mehreren Wintern noch sauber und gepflegt aus. Die NABU-Gartenexpertin Aniela Arnold bestätigt: „Wird die Fläche nach einigen Jahren unansehnlich, muss sie komplett abgetragen, der Kies gewaschen und das Vlies erneuert werden.“ Dieser immense Aufwand entfällt bei der richtigen Gesteinswahl von Anfang an.

Neben der Algenfestigkeit spielt auch die CO2-Bilanz eine Rolle. Importierter Marmor aus Italien oder Griechenland hat einen weiten Transportweg hinter sich. Die Entscheidung für eine regionale Grauwacke oder heimischen Granit reduziert nicht nur den ökologischen Fußabdruck, sondern sorgt auch dafür, dass sich der Garten harmonischer in die lokale Landschaft einfügt. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Eigenschaften gängiger Gesteinsarten unter deutschen Klimabedingungen.

Vergleich der Gesteinsarten für deutsche Klimabedingungen
Gesteinsart Algenfestigkeit CO2-Bilanz Pflegeaufwand nach 3 Jahren
Weißer Marmor (Import) Niedrig Schlecht Hoch
Grauer Granit Hoch Mittel Niedrig
Basalt Sehr hoch Mittel Sehr niedrig
Lokale Grauwacke Hoch Sehr gut Niedrig

Welche Pflanzen überleben die Hitzeabstrahlung eines Kiesbeets im Hochsommer?

Ein Kiesbeet in voller Sonne kann im Hochsommer zu einem regelrechten Backofen werden. Die Steine speichern die Wärme und strahlen sie auch nachts noch ab, während der Boden schnell austrocknet. Nur echte Überlebenskünstler kommen mit diesen extremen Bedingungen zurecht. Die Auswahl der falschen Pflanzen, die eher feuchte, humose Böden gewohnt sind, führt unweigerlich zu Kümmerwuchs und Enttäuschung. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Standortgerechtigkeit: Wählen Sie Pflanzen, die von Natur aus an solche trockenen, heißen Standorte angepasst sind.

Diese Spezialisten haben im Laufe der Evolution geniale Strategien entwickelt, um mit Hitze und Trockenheit umzugehen. Man kann sie grob in verschiedene Gruppen einteilen:

  • Silberlaubige Strategen: Pflanzen wie Woll-Ziest (Stachys byzantina) oder Lavendel haben behaarte oder silbrige Blätter. Diese feinen Härchen reflektieren das Sonnenlicht und reduzieren die Verdunstung, was die Pflanze kühl hält.
  • Tiefwurzler: Die majestätische Königskerze (Verbascum) bildet eine lange Pfahlwurzel, mit der sie Wasser aus tiefen Bodenschichten erreicht, die an der Oberfläche längst ausgetrocknet sind.
  • Wasserspeicher: Sukkulente Pflanzen wie die zahlreichen Sedum-Arten (Fetthennen) oder Hauswurz (Sempervivum) speichern Wasser in ihren dicken, fleischigen Blättern und können so lange Trockenperioden überstehen.
  • Flexible Gräser: Ziergräser wie das Mexikanische Federgras (Stipa tenuissima) sind nicht nur trockenheitstolerant, sondern ihre filigrane Struktur bringt auch bei der leisesten Brise Bewegung und Leichtigkeit in die starre Steinlandschaft.
Blühendes Kiesbeet mit trockenheitstoleranten Pflanzen im Hochsommer

Eine besonders interessante Entwicklung für deutsche Gärten ist die zunehmende Winterhärte mediterraner Kräuter. Das Heiligenkraut (Santolina) beispielsweise übersteht mittlerweile in wärmeren Regionen wie dem Rheingraben die Winter problemlos und ist ein perfekter Kandidat. Die Kombination dieser verschiedenen Pflanzentypen schafft nicht nur ein widerstandsfähiges, sondern auch ein ganzjährig attraktives Beet.

Wie entfernen Sie Laub aus Zierkies, ohne die Steine mit aufzusaugen?

Der Mythos vom absolut pflegefreien Kiesgarten zerbricht spätestens im Herbst, wenn das erste Laub auf die Fläche fällt. Lässt man es liegen, zersetzt es sich zu Humus – einem perfekten Keimbett für Unkrautsamen. Die gängige Methode, zum Laubsauger oder -bläser zu greifen, ist jedoch problematisch. Wie der NABU Baden-Württemberg warnt, verbrauchen diese Geräte viel Energie und schaden Kleinstlebewesen, die in der Laubschicht überwintern wollen. Zudem saugen starke Laubsauger oft kleinere Kieselsteine mit auf oder blasen das Laub erst recht in alle Ecken.

Die Lösung liegt in der Rückbesinnung auf bewährte, leisere und umweltschonendere Techniken, die in der deutschen Gartenpflegetradition fest verankert sind. Das wichtigste Werkzeug ist ein Fächerbesen mit flachen, federnden Zinken. Mit diesem lässt sich das Laub sanft von der Kiesoberfläche abziehen, ohne die Steine zu verschieben. Bei feuchtem Laub, das an den Steinen klebt, hat sich die Gitterrechen-Technik bewährt: Ein leichter Rechen wird flach über die Oberfläche gezogen, um das Laub zu lockern, bevor es mit dem Fächerbesen zusammengekehrt wird.

Für groben Zierkies oder Schotter kann auch ein einfacher Handrechen oder sogar die Hände die beste Wahl sein. Der entscheidende Vorteil dieser manuellen Methoden ist die Präzision. Sie ermöglichen eine effektive Laubentfernung, ohne die Struktur des Beetes zu stören, ohne Lärm zu verursachen – was besonders im Hinblick auf die Einhaltung der Sonntagsruhe wichtig ist – und ohne die nützlichen Kleintiere im Garten zu gefährden. Ein wenig Handarbeit im Herbst sichert die saubere Optik für das ganze nächste Jahr und ist ein kleiner Beitrag zum Schutz der lokalen Fauna.

Warum ist mineralischer Mulch bei Trockenstauden besser als Rindenmulch?

In klassischen Staudenbeeten ist Rindenmulch ein beliebtes Mittel zur Unkrautunterdrückung und Feuchtigkeitsspeicherung. Für ein Kies- oder Steppenbeet mit trockenheitsliebenden Pflanzen ist er jedoch oft die falsche Wahl. Rindenmulch ist organisches Material, das beim Verrotten dem Boden Stickstoff entzieht – ein Nährstoff, den Pflanzen zum Wachsen benötigen. Zudem speichert er Feuchtigkeit an der Oberfläche und hält die Wurzelhälse der Pflanzen dauerhaft feucht. Genau das ist für Trockenstauden, die aus sonnigen, kargen Regionen stammen, ein Problem. Besonders im feuchten deutschen Winterklima kann diese ständige Nässe am Wurzelhals schnell zu Fäulnis führen.

Hier spielt mineralischer Mulch – also Kies, Splitt oder Lavaschotter – seine Stärken voll aus. Er bildet eine trockene, luftige Schicht um den Wurzelhals und schützt die Pflanze so vor Fäulnis. Die Oberfläche trocknet nach einem Regen schnell ab, während die Feuchtigkeit im Boden darunter gespeichert wird, wo die Wurzeln sie aufnehmen können. Anders als Rindenmulch zersetzt sich mineralischer Mulch nicht und entzieht dem Boden daher auch keinen Stickstoff. Die Bepflanzung selbst sorgt mit der Zeit für eine dichte Bedeckung und schützt den Boden zusätzlich vor Austrocknung.

Ein weiterer, oft unterschätzter Vorteil von mineralischem Mulch ist seine Wirkung auf Schädlinge. Gartenexperten bestätigen, dass eine raue, trockene Oberfläche aus Lava oder Splitt für Wühlmäuse und Schnecken ein äußerst unattraktives Terrain darstellt. In deutschen Gärten, wo diese Schädlinge oft erhebliche Probleme verursachen, kann dies ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Beetes sein. Mineralischer Mulch ist also nicht nur eine ästhetische Wahl, sondern ein funktionaler Bestandteil, der das Mikroklima schafft, in dem Trockenstauden optimal gedeihen.

Steinkorb oder Lebensraum: Wie machen Sie die Mauer für Eidechsen und Insekten attraktiv?

Gabionen, also mit Steinen gefüllte Drahtkörbe, sind beliebt als Sichtschutz oder zur Hangbefestigung. Oft werden sie jedoch als sterile, leblose Elemente verbaut, gefüllt mit uniformen Steinen. Dabei schlummert in ihnen ein riesiges Potenzial als wertvoller Lebensraum – sie können zu vertikalen Steingärten werden. Mit wenigen Kniffen verwandelt sich ein reiner Steinkorb in eine lebendige Mauer, die für eine Vielzahl von Tieren attraktiv ist.

Der wichtigste Schritt ist, von der Idee einer perfekten, einheitlichen Füllung abzurücken. Verwenden Sie Steine unterschiedlicher Größe, um eine Vielfalt an Hohlräumen zu schaffen. Große Spalten dienen Eidechsen als Versteck, während kleinere Lücken von Insekten wie Wildbienen und Spinnen besiedelt werden. Besonders wertvoll wird die Gabione, wenn Sie das Füllmaterial mischen: Integrieren Sie Totholz-Stücke, die von Käfern besiedelt werden, und schaffen Sie kleine „Taschen“ aus einem Sand-Lehm-Gemisch, in die Sie polsterbildende Trockenstauden wie Mauerpfeffer oder Hauswurz pflanzen können.

Für wärmeliebende Reptilien wie die in Deutschland streng geschützte Zauneidechse können Sie gezielt Sonnenplätze schaffen. Wie der NABU Deutschland empfiehlt, nutzen Zauneidechsen Gabionen mit unterschiedlich großen Hohlräumen gerne als Unterschlupf. Legen Sie dafür flache, dunkle Steine als obersten Abschluss auf die Gabione. Diese heizen sich in der Sonne schnell auf und bieten den wechselwarmen Tieren den perfekten Platz zum „Sonnenbaden“. Lässt man am Fuß der Gabione einige offene, sandige Bodenstellen, schafft man zudem Nistplätze für erdnistende Wildbienen. So wird aus einer simplen Mauer ein Hotspot der Artenvielfalt.

Anleitung für eine artenreiche Gabione

  1. Steingrößen variieren: Verwenden Sie unterschiedliche Korngrößen, um Hohlräume für verschiedene Tierarten zu schaffen.
  2. Materialien mischen: Integrieren Sie regionale Steine, Totholzäste und kleine Taschen aus einem Sand-Lehm-Gemisch.
  3. Sonnenplätze einrichten: Legen Sie flache, dunkle Steine als oberen Abschluss auf die Südseite, um Eidechsen einen Platz zum Aufwärmen zu bieten.
  4. Nistplätze schaffen: Bauen Sie spezielle Module wie Insektenhotels oder Bienensteine direkt in die Gabione ein.
  5. Bodenanbindung ermöglichen: Belassen Sie am Fuß der Gabione offene, sandige Stellen als Nistmöglichkeit für erdnistende Wildbienen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Legalität ist Funktion: Ein Kiesgarten ist legal, wenn er als bepflanzte, wasserdurchlässige Grünfläche konzipiert ist und eine ökologische Funktion erfüllt.
  • Kein Vlies, sondern Aufbau: Eine 8-10 cm dicke Schicht mineralischer Mulch auf lockerem Boden unterdrückt Unkraut effektiv und hält den Boden lebendig.
  • Steinwahl ist entscheidend: Harte, regionale Gesteine wie Granit oder Basalt sind algenresistenter und pflegeleichter als poröser, importierter Marmor.

Wie legen Sie ein „Trachtfließband“ an, das Bienen von März bis Oktober ernährt?

Ein ökologisch wertvoller Kiesgarten ist mehr als nur eine Ansammlung trockenheitstoleranter Pflanzen. Er kann zu einer ganzjährigen Nahrungsquelle für Bestäuberinsekten werden. Das Konzept des „Trachtfließbands“ zielt darauf ab, durch eine geschickte Pflanzenauswahl vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst durchgehend blühende Nahrungsangebote zu schaffen. Dies ist besonders wichtig, da viele Insekten, insbesondere Wildbienen, auf bestimmte Blühzeitpunkte angewiesen sind.

Die Planung beginnt mit den ersten Frühblühern. Während viele Gärten noch kahl sind, können Zwiebelgewächse wie Krokusse oder die Küchenschelle (Pulsatilla) bereits im März erste Nahrung für Hummelköniginnen liefern. Im späten Frühling und Frühsommer übernehmen dann Polsterstauden wie Blaukissen, Polster-Glockenblumen und Katzenminze das Zepter. Der Hochsommer ist die Zeit der mediterranen Kräuter: Lavendel, Ysop und Oregano summen und brummen vor Leben und trotzen der größten Hitze. Um die Saison zu verlängern, sind Spätblüher unverzichtbar. Astern und vor allem hohe Fetthennen (Sedum) blühen bis in den Oktober hinein und sind eine der letzten wichtigen Nahrungsquellen vor dem Winter.

Dabei ist es wichtig, nicht nur auf die Blühzeit, sondern auch auf die Vielfalt zu achten. Wie der NABU Baden-Württemberg erklärt, sind über 30% der heimischen Wildbienenarten auf spezielle Pflanzenfamilien spezialisiert. Eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenfamilien erhöht also die Chance, auch diesen Spezialisten ein Zuhause zu bieten. Der folgende Blühkalender dient als Beispiel für eine gestaffelte Bepflanzung.

Blühkalender für deutsche Kiesgärten
Monat Frühe Blüher Hauptblüher Spätblüher
März-April Küchenschelle Blaukissen
Mai-Juni Polster-Glockenblume Katzenminze Steinkraut
Juli-August Lavendel Ysop Oregano
Sept-Oktober Aster Fetthenne Bergminze

Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Kiesbeet nicht als Problem, sondern als Chance zu sehen. Betrachten Sie es als lebendiges Ökosystem und gestalten Sie einen Garten, der nicht nur legal und pflegeleicht ist, sondern auch zu einem blühenden Refugium für Mensch und Natur wird.

Geschrieben von Andreas Müller, Landschaftsarchitekt und Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau (GaLaBau). Spezialist für Terrassenbau, Entwässerung und Lärmschutz im Außenbereich.