
Die wahren Kosten einer Gabione zeigen sich erst nach Jahren. Eine solide gebaute Gabionenmauer ist keine Billiglösung, sondern eine bewusste Investition in Stabilität und Design für Generationen.
- Qualität bei Drahtstärke (min. 4,5 mm) und Korrosionsschutz (Zink-Alu) ist nicht verhandelbar, um Verformung und Rost zu vermeiden.
- Ein frostsicheres Fundament (min. 80 cm tief) ist das A und O für die Standsicherheit, besonders bei Mauern über 1 Meter Höhe.
Empfehlung: Plane Deine Gabione als komplettes System. Spare niemals am Fundament oder an der Gitterqualität, denn die Kosten für einen Austausch übersteigen die anfängliche Ersparnis um ein Vielfaches.
Du spielst mit dem Gedanken, eine Gabionenmauer als Hangbefestigung oder Sichtschutz zu errichten. Die Werbung verspricht eine moderne, pflegeleichte und vor allem kostengünstige Lösung. Als Garten- und Landschaftsbauer, der seit Jahren mit diesen Steinkörben arbeitet, sage ich Dir: Vorsicht. Die Gleichung „günstiger Anschaffungspreis = günstige Lösung“ geht bei Gabionen fast nie auf. Viele Bauherren konzentrieren sich auf den Preis pro Meter und übersehen die entscheidenden Details, die eine Mauer entweder zu einer soliden Anlage für die Ewigkeit oder zu einem rostenden, ausbeulenden Ärgernis machen.
Die üblichen Ratschläge beschränken sich oft auf die Auswahl der Steinfarbe. Doch die wahre Qualität einer Gabione liegt verborgen: in der Drahtstärke, der Beschichtung, der Anzahl der Distanzhalter und vor allem in dem, was man nicht sieht – dem Fundament. Hand aufs Herz: Eine Gabione ist weit mehr als nur ein Drahtkorb mit Steinen. Sie ist ein statisches Bauwerk. Und wenn wir über Bauwerke sprechen, dann reden wir über strukturelle Integrität, Langlebigkeit und Sicherheit. Wir reden über eine Investition, nicht über einen schnellen Kauf.
Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Kosten-Diskussion. Stattdessen zeige ich Dir, worauf es wirklich ankommt, damit Deine Gabione nicht nur modern aussieht, sondern auch den Belastungen der Witterung und des Erddrucks über Jahrzehnte standhält. Wir werden die kritischen Punkte von der Materialwahl über die Statik bis hin zur ökologischen Funktion beleuchten. Denn mein Ziel ist es, dass Du eine Entscheidung triffst, die Du auch in 20 Jahren nicht bereust – eine Entscheidung für eine Struktur, die für die Ewigkeit gebaut ist.
Dieser Leitfaden führt Dich durch alle entscheidenden Aspekte, die aus einem einfachen Steinkorb ein langlebiges und ästhetisches Gestaltungselement machen. Lass uns gemeinsam die Details betrachten, die den Unterschied zwischen einer kurzfristigen Ausgabe und einer langfristigen Investition ausmachen.
Inhaltsverzeichnis: Gabionen als moderne und langlebige Systemlösung
- Warum wirkt Glasbruch in Gabionen modern, aber Flusskiesel natürlich?
- Wie tief muss das Fundament für eine 1,80 m hohe Gabionenwand sein?
- Steinkorb oder Lebensraum: Wie machen Sie die Mauer für Eidechsen und Insekten attraktiv?
- Das Risiko von ausbeulenden Gittern, wenn Sie am Draht sparen
- Wann eignen sich schmale Gabionenzäune (Pergone) für kleine Grundstücke?
- Gabionen, Holz oder Glas: Welches Material schluckt den Schall am besten?
- Warum ist ein alpiner Steingarten erlaubt, eine Schotterfläche aber verboten?
- Wie schaffen Sie Privatsphäre, ohne sich im Garten „eingemauert“ zu fühlen?
Warum wirkt Glasbruch in Gabionen modern, aber Flusskiesel natürlich?
Die Füllung ist das Gesicht Deiner Gabione. Sie entscheidet über den Charakter der gesamten Mauer und ihre Wirkung auf die Umgebung. Die Wahl zwischen Materialien wie Glasbruch und Flusskieseln ist daher keine reine Geschmacksfrage, sondern eine architektonische Entscheidung. Glasbruch, oft aus recyceltem Material, fängt das Licht ein und bricht es. Besonders in Kombination mit einer integrierten LED-Beleuchtung entstehen so spektakuläre, moderne Effekte, die bei Dunkelheit fast zu schweben scheinen. Diese Ästhetik harmoniert perfekt mit einer klaren, minimalistischen Architektur im Bauhaus-Stil.
Flusskiesel hingegen erzählen eine andere Geschichte. Ihre runden, von Wasser geschliffenen Formen strahlen Ruhe und Natürlichkeit aus. Sie schaffen eine Verbindung zur Landschaft und wirken organisch und geerdet. Eine Füllung mit regionalem Naturstein, wie er auch in der Umgebung vorkommt, verankert die Gabione optisch im Garten und lässt sie weniger als Fremdkörper erscheinen. Aus ökologischer Sicht ist lokaler Stein oft die bessere Wahl, da lange Transportwege entfallen. Projekte in deutschen Gärten zeigen, dass die Kombination beider Materialien eine reizvolle Spannung erzeugen kann: breite, ruhige Segmente aus Naturstein, durchbrochen von schmalen, leuchtenden Bändern aus Glas.
Letztendlich spiegelt die Materialwahl Deine Prioritäten wider: den kühlen, architektonischen Akzent durch Glas oder die warme, erdverbundene Ästhetik durch Naturstein. Beides hat seine Berechtigung und kann, richtig eingesetzt, eine Bereicherung für Deinen Garten sein.
Wie tief muss das Fundament für eine 1,80 m hohe Gabionenwand sein?
Hier gibt es keine Kompromisse. Eine 1,80 Meter hohe Gabionenwand ist ein massives Bauwerk, das enormen Kräften standhalten muss. Die Vorstellung, man könne eine solche Mauer einfach auf verdichteten Boden stellen, ist nicht nur fahrlässig, sondern gefährlich. Die wichtigste Regel lautet: Die Gründung muss frostsicher sein. In Deutschland bedeutet das eine frostsichere Gründungstiefe von mindestens 80 Zentimetern. Wasser, das im Winter unter dem Fundament gefriert und sich ausdehnt, würde eine flachere Gründung anheben und die gesamte Statik der Mauer zerstören.
Für eine hohe Gabionenwand als Sichtschutz oder Stützmauer ist ein durchgehendes Streifenfundament aus Beton die solideste Lösung. Es verteilt das Gewicht gleichmäßig und verhindert ein Kippen oder Absacken. Als Alternative, besonders bei Stützmauern, bieten sich Punktfundamente an, in die die Pfosten der Gabionen einbetoniert werden. Der Abstand sollte hierbei zwei Meter nicht überschreiten. Eine weitere fachgerechte Methode ist eine verdichtete Tragschicht aus Schotter (Körnung 0/32 oder 0/45 mm) von mindestens 40 cm Stärke, die unterhalb der Frostgrenze beginnt.

Wie Du siehst, besteht ein Fundament aus mehreren Schichten, die alle eine wichtige Funktion für Drainage und Stabilität erfüllen. Moderne Schraubfundamente sind eine interessante, betonsparende Alternative, die die Bodenversiegelung minimiert, aber ihre Eignung muss je nach Bodenbeschaffenheit und Lastfall geprüft werden. Jede Abkürzung beim Fundament rächt sich später garantiert. Es ist die unsichtbare, aber wichtigste Investition in die strukturelle Integrität Deiner Mauer.
Egal für welche Methode Du Dich entscheidest: Die Gründung ist das Bauteil, an dem Du niemals sparen solltest. Ein Haus baust Du schließlich auch nicht auf Sand.
Steinkorb oder Lebensraum: Wie machen Sie die Mauer für Eidechsen und Insekten attraktiv?
Eine Gabionenmauer muss kein steriles, totes Bauwerk sein. Ganz im Gegenteil: Mit dem richtigen Aufbau wird sie zu einem wertvollen Biotop und einem Hotspot der Biodiversität in Deinem Garten. Der Schlüssel liegt darin, über die reine Steinfüllung hinauszudenken und gezielt verschiedene Lebensräume zu schaffen. Eine Gabione kann eine „vertikale Trockenmauer“ sein, die wärmeliebenden Tieren wie Zauneidechsen Sonnenplätze und unzähligen Insekten Nistmöglichkeiten bietet. Der ökologische Mehrwert wird so zu einem festen Bestandteil des Designs.
Um diesen Effekt zu erzielen, musst Du einen ökologischen Gradienten innerhalb der Gabione schaffen. Statt sie nur mit einer einzigen Steinsorte zu füllen, arbeitest Du in Schichten und Zonen. Im unteren Bereich sorgt grober Schotter für eine gute Drainage. In der Mitte kannst Du gezielt kleine Kammern oder „Sandlinsen“ mit einem Sand-Lehm-Gemisch füllen – ein idealer Nistplatz für Wildbienen. Integrierte Totholz-Äste dienen als Nahrung und Kinderstube für Käferlarven. Die Krone der Gabione wird mit einer dünnen Schicht Mager-Substrat bedeckt, in die Du trockenheitsresistente heimische Pflanzen wie Hauswurz (Sempervivum) oder Mauerpfeffer (Sedum) setzt.
Diese bepflanzten und strukturierten Gabionen sind nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch optisch weitaus ansprechender als eine monotone Steinwand. Sie leben und verändern sich mit den Jahreszeiten. Die Südseite solltest Du teilweise frei von Bewuchs lassen, um sonnenhungrigen Reptilien die nötigen Wärmeflächen zu bieten. So wird der vermeintlich kalte Steinkorb zu einem lebendigen Element, das aktiv zur Artenvielfalt beiträgt.
Mit ein wenig Planung verwandelst Du Deine Mauer von einer reinen Barriere in eine Brücke für die Natur – ein starkes Statement in Zeiten des Insektensterbens.
Das Risiko von ausbeulenden Gittern, wenn Sie am Draht sparen
Dies ist der Punkt, an dem sich die Spreu vom Weizen trennt und der wahre Preis einer Gabione offenbart wird. Ein scheinbar günstiges Angebot entpuppt sich oft als teurer Fehler, wenn nach wenigen Jahren die Gitter unter dem Gewicht der Steine ausbeulen und der erste Rost erscheint. Die Qualität des Drahtgitters ist das Herzstück der Langlebigkeit Deiner Gabione. Hier gibt es zwei entscheidende Kriterien: die Drahtstärke und der Korrosionsschutz.
Für eine stabile, formbeständige Mauer ist eine Drahtstärke von mindestens 4,5 mm Pflicht. Dünnere Drähte mit 3,5 mm mögen auf dem Papier billiger sein, besitzen aber eine deutlich geringere Zugfestigkeit (ca. 350 N/mm² gegenüber 450 N/mm²) und geben unter dem tonnenschweren Druck der Füllung nach. Das Ergebnis sind unschöne „Bäuche“. Ebenso wichtig sind die Distanzhalter – Haken, die die gegenüberliegenden Gitterwände verbinden. Bei Billig-Sets werden oft zu wenige (3-4 pro m²) mitgeliefert. Ein Qualitätssystem erfordert 6-8 Stück pro Quadratmeter, um die Formstabilität dauerhaft zu gewährleisten.
Der zweite Faktor ist der Korrosionsschutz. Eine einfache Verzinkung ist für den Außeneinsatz unzureichend. Achte auf eine hochwertige Zink-Aluminium-Beschichtung (95% Zink, 5% Aluminium), die nach DIN EN 10244-2 zertifiziert ist. Hochwertige Gabionen müssen einen 3.000-stündigen Salzsprühnebeltest nach DIN 50021 bestehen, um ihre Langlebigkeit unter Beweis zu stellen. Diese Beschichtung bietet einen bis zu dreimal längeren Schutz vor Korrosion als eine herkömmliche Verzinkung.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt, warum die anfängliche Ersparnis eine Illusion ist. Die Langzeitperspektive ist entscheidend. Die Daten basieren auf einer Analyse marktüblicher Produkte.
| Kriterium | Billig-Gabione (3,5mm) | Qualitäts-Gabione (4,5mm) |
|---|---|---|
| Anschaffungspreis/m² | 45€ | 75€ |
| Lebensdauer | 5-7 Jahre | 25+ Jahre |
| Korrosionsschutz | Einfache Verzinkung | Zink-Alu 95/5 nach DIN EN 10244-2 |
| Zugfestigkeit | 350 N/mm² | 450 N/mm² |
| Distanzhalter/m² | 3-4 Stück | 6-8 Stück |
| Gesamtkosten 10 Jahre | 135€ (inkl. 1x Austausch & Arbeit) | 75€ (kein Austausch) |
Die Zahlen sprechen für sich. Die Entscheidung für Qualität ist nicht nur eine ästhetische, sondern vor allem eine wirtschaftliche. Es ist die Entscheidung, einmal richtig zu bauen, anstatt zweimal billig.
Wann eignen sich schmale Gabionenzäune (Pergone) für kleine Grundstücke?
In urbanen Gärten oder bei Reihenhäusern ist Platz oft Mangelware. Eine klassische Gabionenwand mit 50 cm oder mehr Tiefe würde hier zu viel wertvolle Gartenfläche beanspruchen. Genau für diese Situationen wurden schmale Gabionensysteme entwickelt, oft als Pergone bezeichnet. Mit einer Tiefe von nur ca. 20-30 cm bieten sie einen effektiven Sichtschutz, ohne den Garten zu erdrücken. Sie sind die elegante Antwort auf die Frage, wie man Privatsphäre auf kleinem Raum schafft.
Allerdings hat diese schlanke Bauweise auch Konsequenzen. Der wichtigste Kompromiss liegt im Schallschutz. Die Masse ist ein entscheidender Faktor für die Schalldämmung. Eine massive, 50 cm tiefe Gabione kann den Verkehrslärm erheblich reduzieren. Die schmalen Varianten sind hier naturgemäß im Nachteil. Messungen zeigen: Während eine tiefe Gabione hohe Dämmwerte erreicht, erreichen schmale Pergonen einen Schalldämmwert von Rw 35 bis 42 dB, was zwar gut ist, aber nicht an die Leistung ihrer massiven Pendants heranreicht. Du tauschst also Gartenfläche gegen Schallschutz.
Rechtlich bewegen sich diese schmalen Zäune oft in einer vorteilhaften Grauzone. Während breite Gabionen als „bauliche Anlagen“ gelten und strengeren Vorschriften unterliegen können, werden Pergone bis ca. 30 cm Tiefe in vielen Landesbauordnungen als „Einfriedung“ eingestuft. Das vereinfacht die Genehmigungssituation erheblich. Dennoch ist es unerlässlich, dass Du Dich vor dem Bau beim zuständigen Bauamt über die lokalen Vorschriften, insbesondere zu Höhe und Grenzabstand, informierst, da diese von Bundesland zu Bundesland variieren.
Die Pergone ist also ein exzellenter Kompromiss für designorientierten Sichtschutz bei beengten Platzverhältnissen, solange Du dir ihrer Grenzen im Bereich des Schallschutzes bewusst bist.
Gabionen, Holz oder Glas: Welches Material schluckt den Schall am besten?
Wenn Lärmreduktion ein Hauptziel Deiner neuen Gartenmauer ist, wird die Materialwahl zur Wissenschaft. Jedes Material interagiert anders mit Schallwellen. Es geht um die Prinzipien von Reflexion, Absorption und Masse. Eine glatte, harte Oberfläche wie Glas reflektiert den Schall. Eine poröse Oberfläche wie unbehandeltes Holz absorbiert einen Teil davon. Eine schwere, massive Wand wie eine Gabione blockiert den Schall durch ihre schiere Masse.
Für tieffrequenten Lärm, wie er von Straßenverkehr verursacht wird, ist Masse der entscheidende Faktor. Hier sind Gabionen unschlagbar. Eine 50 cm tiefe, dicht gefüllte Gabionenwand ist eine der effektivsten passiven Lärmschutzmaßnahmen für den Privatgarten. Wie der Experte Josef Steiner hervorhebt, haben sie zudem einen praktischen Nebeneffekt:
Lärmschutzwände aus Gabionen absorbieren mehr Lärm als z.B. Plexiglas und werden von Graffiti-Künstlern gemieden.
– Josef Steiner GmbH, Technische Produktinformation Gabionen
Eine reine Holzwand bietet zwar eine gewisse Absorption, ist aber für effektiven Lärmschutz meist zu leicht. Glaswände können hohe Dämmwerte erreichen, reflektieren den Schall aber stark, was für Nachbarn störend sein kann. Die besten Ergebnisse erzielen Hybrid-Systeme, die die Vorteile verschiedener Materialien kombinieren: eine massive Gabionenbasis zur Dämmung tiefer Frequenzen, kombiniert mit aufgesetzten Holzelementen zur Absorption mittlerer und hoher Frequenzen. Die folgende Tabelle auf Basis von Herstellerangaben bietet einen klaren Überblick.
Diese vergleichende Analyse der Schalldämmwerte hilft bei der materialgerechten Planung.
| Material | Schalldämm-Maß (Rw) | Prinzip | Beste Frequenzen |
|---|---|---|---|
| Gabionenwand (50cm) | 40-50 dB | Reflexion durch Masse | Tieffrequent (Verkehr) |
| Holzwand (10cm) | 25-30 dB | Teilabsorption | Mittelfrequent |
| Glaswand (12mm VSG) | 35-42 dB | Reflexion | Breitbandig |
| Hybrid (Gabione+Holz) | 45-55 dB | Dämmung+Absorption | Vollspektrum |
Gegen Verkehrslärm ist Masse König. In diesem Bereich ist und bleibt eine fachgerecht gebaute, tiefe Gabionenwand die erste Wahl für eine ruhige Gartenoase.
Warum ist ein alpiner Steingarten erlaubt, eine Schotterfläche aber verboten?
Dies ist eine entscheidende rechtliche Frage, die in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die sogenannten „Schottergärten des Grauens“ sind aus gutem Grund in Verruf geraten. Sie heizen sich im Sommer extrem auf, bieten Insekten und Vögeln keinerlei Lebensraum und verhindern die wichtige Versickerung von Regenwasser. Mehrere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt, haben in ihren Landesbauordnungen (LBO) die Anlage solcher reinen Schotterflächen mittlerweile explizit verboten. Das Gesetz schreibt vor, dass nicht überbaute Flächen zu begrünen sind.
Ein alpiner Steingarten ist jedoch das genaue Gegenteil. Er ist rechtlich nicht nur erlaubt, sondern ökologisch wertvoll. Der Unterschied liegt in der Definition und Funktion: Ein Schottergarten ist eine versiegelte, tote Fläche, oft mit einem Unkrautvlies darunter. Ein Steingarten ist eine bepflanzte, lebendige Anlage, die die Artenvielfalt fördert. Rechtlich unterscheidet er sich durch drei wesentliche Kriterien: Er muss einen signifikanten Anteil an Bepflanzung (oft min. 30-50%) mit vorzugsweise heimischen Arten aufweisen, er muss wasserdurchlässig gestaltet sein (also Verzicht auf Vlies), und er muss durch die Verwendung verschiedener Substrate und Steingrößen ökologische Nischen schaffen. Eine Gabione mit integrierten Pflanzfugen und einer bepflanzten Krone erfüllt genau diese Kriterien und kann somit Teil eines legalen und ökologisch wertvollen Steingartens sein.
Dein Plan für einen legalen und lebendigen Steingarten
- Verzichte auf Unkrautvlies: Nutze stattdessen eine 5-10 cm dicke Schicht mineralisches Substrat (Lava, Bims), um Unkraut zu unterdrücken und Versickerung zu ermöglichen.
- Schaffe Pflanzzonen: Modelliere das Gelände mit unterschiedlichen Substrathöhen (5-15 cm), um verschiedene Feuchtigkeitszonen für diverse Pflanzen zu schaffen.
- Wähle heimische Stauden: Setze auf trockenheitstolerante Arten wie Thymian, Hauswurz (Sempervivum), Mauerpfeffer (Sedum) oder Polster-Glockenblumen.
- Lasse Boden offen: Integriere mindestens 30% offene, unbedeckte Bodenfläche, damit Insekten nisten und Wasser direkt versickern kann.
- Kombiniere Korngrößen: Verwende eine Mischung aus feinem Splitt, grobem Schotter und größeren Findlingen, um vielfältige Nischen für Tiere zu schaffen.
Indem Du Deine Gabionen in einen echten Steingarten integrierst, schaffst Du nicht nur eine legale, sondern auch eine ästhetisch ansprechende und ökologisch wertvolle Anlage, die mit der Zeit immer schöner wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahre Qualität einer Gabione liegt in der Drahtstärke (min. 4,5 mm) und einem hochwertigen Zink-Alu-Korrosionsschutz.
- Ein frostsicheres Fundament (min. 80 cm tief in Deutschland) ist für die Stabilität und Langlebigkeit einer hohen Mauer nicht verhandelbar.
- Durchdachte Gestaltung (variierende Höhen, Bepflanzung, Materialmix) verhindert das Gefühl des Eingemauertseins und schafft ökologischen Mehrwert.
Wie schaffen Sie Privatsphäre, ohne sich im Garten „eingemauert“ zu fühlen?
Die größte Sorge vieler Bauherren ist, dass eine massive Gabionenwand, obwohl sie perfekten Sichtschutz bietet, ein Gefühl der Enge erzeugt – als säße man in einer Festung. Das muss nicht sein. Intelligentes Design kann vollständige Privatsphäre schaffen und gleichzeitig eine offene, luftige Atmosphäre bewahren. Der Schlüssel liegt darin, von der Idee einer starren, monotonen Linie abzurücken und stattdessen mit Dynamik, Transparenz und Begrünung zu arbeiten.
Statt einer durchgehenden Mauer in Einheits-Höhe, variiere die Höhen der einzelnen Segmente. Eine Abfolge von 80 cm, 180 cm und dann wieder 120 cm hohen Elementen bricht die Monotonie und schafft eine spannende Skyline, die dem natürlichen Geländeverlauf folgen kann. Ein Projekt zur Hangsicherung über 30 Meter zeigte eindrucksvoll, wie eine geschwungene Linienführung und unterschiedliche Höhen eine organische, natürliche Wirkung erzielen. Eine weitere wirksame Strategie sind „Guckfenster“: Lasse bewusst kleine Bereiche von ca. 30×30 cm in der Mauer frei, entweder als offene Lücke oder gefüllt mit einem transparenten Glaselement. Diese Durchblicke auf Augenhöhe schaffen eine Verbindung nach außen und nehmen der Wand ihre Schwere.
Fallbeispiel: Gestaffelter Sichtschutz mit integrierter Bepflanzung
Ein Gartenprojekt von Commaik nutzte eine Kombination aus 1 Meter und 2 Meter hohen Gabionen, um einen langen Hang abzufangen. Zwischen den massiven Steinkörben wurden Pflanzflächen für hohes Chinaschilf gelassen. Die Bewegung der Gräser im Wind sorgt für einen weichen Kontrast zu den starren Steinen und schafft eine lebendige, aber blickdichte Barriere, die nicht erdrückend wirkt.
Die wirkungsvollste Methode ist die Kombination mit Pflanzen. Lass Kletterpflanzen wie Efeu oder Clematis die Gabionengitter erobern. Pflanze hohe Gräser oder Bambus vor oder zwischen die Gabionen, um die harten Kanten aufzuweichen. Die Kombination von „harten“ Materialien (Stein) und „weichen“ Materialien (Pflanzen, Holzlamellen) ist das Geheimnis eines Gartens, der sowohl geschützt als auch einladend ist.
Mit diesen Strategien wird Deine Gabionenmauer zu einem integralen, strukturgebenden Teil Deines Gartendesigns, der Geborgenheit spendet, ohne Dich einzusperren. Beginne noch heute damit, Deine Gabione nicht als Wand, sondern als vielseitiges Landschaftselement zu planen.
Häufige Fragen zum Thema Gabionenbau in Deutschland
Benötige ich eine Baugenehmigung für schmale Gabionenzäune?
In der Regel sind Gabionen bis zu einer Höhe von 1,80 m genehmigungsfrei. Es ist jedoch unerlässlich, die jeweilige Landesbauordnung Deines Bundeslandes zu prüfen, da die Vorschriften variieren können.
Welche Abstände muss ich zur Grundstücksgrenze einhalten?
Die Abstandsvorschriften sind ebenfalls landesspezifisch. Eine gängige Regelung besagt, dass bei Einfriedungen über 1,50 m Höhe ein Abstand von 50 cm zur Grenze eingehalten werden muss. Bei niedrigeren Zäunen ist oft ein Bau direkt auf der Grenze möglich, bedarf aber meist der Zustimmung des Nachbarn.
Sind schmale Pergonen als Einfriedung oder Bauwerk einzustufen?
Dies ist ein wichtiger rechtlicher Unterschied. Gabionen mit einer Tiefe von bis zu ca. 30 cm werden meist als „Einfriedung“ gewertet. Breitere Konstruktionen können als „bauliche Anlage“ eingestuft werden, was oft strengere Vorschriften, wie z.B. eine formelle Baugenehmigung, nach sich zieht.